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Lokalsport „Im Moment tut es nicht Not, zu spielen“
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17:00 02.12.2020
Ist ab dem 12. Dezember wieder mit Eintracht Stadtallendorf gefordert: Mirco Geisler (rechts, gegen Aalens Kristjan Arh Cesen).
Ist ab dem 12. Dezember wieder mit Eintracht Stadtallendorf gefordert: Mirco Geisler (rechts, gegen Aalens Kristjan Arh Cesen). Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

„Wir verstehen das nicht. Das ist absurd. Wir sind ratlos.“ Mit diesen Worten endet die Stellungnahme von Stadtallendorfs Fußball-Chef Reiner Bremer auf der Facebook-Seite der Eintracht zum Neustart der Regionalliga Südwest am 11. Dezember nach dann knapp sechswöchiger Fußball-Pause. Am Montagabend hatte die Liga-Gesellschaft die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mitgeteilt (die OP berichtete). Nach den Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg und Saarland erlaubt nun auch Rheinland-Pfalz in seiner seit dem 1. Dezember geltenden neuen Corona-Verordnung als letztes verbliebenes Bundesland den Trainings- und Wettkampfbetrieb.

Liga will komplette Runde spielen

„Eine weitere Aussetzung des Spielbetriebs ohne behördliche Vorgabe erscheint nicht sachgerecht, würde damit doch das Ziel, im Rahmen einer vollständigen Runde Auf- und Absteiger zu ermitteln, gefährdet“, begründet die Liga ihre Entscheidung. Weiter heißt es: „Zur Durchführung beziehungsweise Teilnahme am Spielbetrieb mit Hin- und Rückspielen haben sich die teilnehmenden Vereine und die Regionalliga Südwest GbR vertraglich verpflichtet, und zwar in Kenntnis der Staffelgröße und im Bewusstsein, dass es erheblicher Anstrengungen bedarf, um sämtliche Spiele austragen zu können.“

Die Eintracht und acht weitere Vereine hatten sich am 12. November in einer Erklärung vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für Ende Januar und für eine Verlängerung der Spielzeit bis Juli ausgesprochen.

Bremer sieht Amateurvereine in der Zwickmühle

Bremer hat zwar Verständnis dafür, dass einige Profivereine – insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen – auf den Re-Start drängen, hebt aber zugleich den Widerspruch hervor, der mit der Entscheidung einhergehe. Schließlich habe die Politik die Kontaktbeschränkungen jüngst nochmal verschärft, um Infektionsketten zu unterbinden. Dies könnten die auf Amateurbasis arbeitenden Klubs – wozu auch der TSV gehört – nun jedoch nicht gewährleisten.

Denn im Gegensatz zu den Profiklubs gehen Spieler, Trainer und Verantwortliche bei der Eintracht Studium oder Beruf nach, können sich abseits des Sportbetriebs also nicht isolieren und liefen damit Gefahr, künftig andere Personen zu infizieren. „Als Amateure sind wir ein Spiegelbild der Gesellschaft“, mahnt Bremer im Gespräch mit der OP. „Im Moment tut es nicht Not, zu spielen. Es geht derzeit um Gesundheit und Menschenleben“, sieht der Präsident den Verein zuerst in sozialer Verantwortung.

Viele offene Fragen

Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja räumt zwar ein, dass ihn aus sportlicher Sicht die bisherige Ungewissheit über die Fortführung der Saison belastet hatte, schließt sich Bremers Meinung aber vollends an – und sieht fortan viele offene Fragen hinsichtlich der Organisation des Spielbetriebs. „Etwa was die Benutzung der Kabinen, die Auswärtsfahrten oder die Testungen angeht“, zählt der Kroate auf.

Wie die Liga mitteilte, sollen „vor den Spielen“ Testungen von Spielern und Teamoffiziellen anhand von Antigen-Tests durchgeführt werden. Die Kosten dafür, die Bremer pro Partie auf 500 bis 600 Euro schätzt, seien nur das eine Problem. Das andere: „Uns erklärten verschiedene Ärzte, dass diese Tests nur eine Aussagekraft zum Zeitpunkt des Tests anzeigen“, schreibt Bremer in der Stellungnahme des Vereins. Dass ein Spieler wenig später infektiös ist, könne nicht ausgeschlossen werden, warnt er gegenüber der OP vor Ansteckungsgefahren trotz vorheriger Testungen.

Zwei Spieler kehren zurück

Dass bei Auswärtsfahrten nun mehr Kosten anfallen, weil alle Personen des Teams verteilt reisen müssen und dass die nächsten Partien als Geisterspiele ausgetragen werden, was zu massiven Einbrüchen auf der Einnahmenseite der Vereine führt, erhöht den finanziellen Druck weiter.

Nach den Entscheidungen von Montag hat die Mannschaft um Sicaja noch am selben Abend den regelmäßigen Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, steht doch am Samstag, 12. Dezember (14 Uhr), gegen den SSV Ulm schon wieder das erste Spiel an (siehe untenstehenden Infokasten). Angesichts von noch drei Begegnungen vor Weihnachten und der Fortsetzung der Runde im kommenden Jahr bereits ab dem 8. Januar sagt Sicaja: „Eine Trainingspause machen wir nicht im Winter. Um Weihnachten und Silvester wird die Mannschaft zwei, drei Tage frei bekommen.“ Um weitere Spielausfälle in den Wintermonaten zu vermeiden, müssen alle Vereine, die – wie die Eintracht – über keine Rasenheizung verfügen, einen Kunstrasenplatz melden, auf dem alternativ gespielt werden könnte.

Etwas Gutes hatte die Saisonunterbrechung derweil: Malcolm Phillips und Ibrahim Aral, die zuletzt ausfielen, kehren in den Kader zurück. Auf die Rückkehr der Langzeitverletzten, Torhüter Dusan Olujic, Abwehrchef Kevin Vidakovics, Perry Ofori und Matthias Pape, „werden wir noch einige Zeit warten müssen“, bedauert Sicaja.

Die nächsten Spiele der Eintracht

Sa., 12. Dezember (14 Uhr): (Heim) SSV Ulm.

Di., 15. Dezember (19 Uhr): (Auswärts) TSG Hoffenheim II.

Sa., 19. Dezember (14 Uhr): (A) FC Gießen.

8. bis 10. Januar*: (H) Kickers Offenbach.

15. bis 17. Januar*: (H) TSG Balingen.

19. und 20. Januar*: (A) TSV Steinbach Haiger.

22. bis 24. Januar*: (H) SC Freiburg II.

29. bis 31. Januar*: (H) VfB Stuttgart II.

* Spiele sind noch nicht zeitgenau angesetzt.

Von Marcello Di Cicco

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