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Lokalsport Eintracht-Fans sind nicht komplett zufrieden
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18:00 11.11.2020
Frankfurts Amin Younes (links) im Kofballduell mit Münchens Bouna Sarr. Geht es nach den heimischen Eintracht-Anhängern, müsste SGE-Trainer Hütter stärker auf den Neuzugang setzen. Quelle: Matthias Balk
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Marburg

Gut ein Fünftel der Bundesliga-Saison ist vorbei, jetzt geht's erst einmal in die Länderspielpause. Die Frankfurter Eintracht verbringt die Zeit auf dem elften Tabellenplatz. Mit zehn Punkten aus sieben Partien ist etwa Rang fünf, den Union Berlin mit zwölf Zählern belegt, nicht weit weg. Wie schätzen heimische SGE-Fans die Lage ein?

Christian Heidelbach macht's aktuell „schon Spaß, die Eintracht zu sehen“ – was aber nicht heißt, dass er komplett zufrieden ist: „Zehn Punkte aus sieben Spielen sind okay, aber es hätten ein paar mehr sein dürfen.“ Der Sterzhäuser ärgert sich über vergebene Chancen, wie etwa zuletzt in der ersten Hälfte gegen den VfB Stuttgart, als die Gäste nach 0:2-Pausenrückstand am Ende noch ein 2:2 holten.

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Aber auch mit der Taktik von Trainer Adi Hütter hadert er, würde sich wünschen, dass der Österreicher von seiner „Standardaufstellung“ abrückt, offensiver ausgerichtete Spieler aufbietet: „Steven Zuber und Almamy Touré haben auf den Flügeln zu wenig Zug nach vorn. Wenn Amin Younes und Aymen Barkok eingewechselt werden, ist es ein ganz anderes Spiel. Dann ist die Mannschaft für den Gegner nicht mehr ausrechenbar.“

Neben der Rückkehr von Filip Kostic, der nach seiner Knieverletzung wieder dabei ist, stimmt ihn vor allem die Einstellung des Teams froh: „Die Moral ist da. Allen ist anzumerken, dass sie wollen und auch bei einem Rückstand nicht aufgeben.“ Wofür es am Ende reichen kann? Heidelbach würde sich wünschen, die SGE in der nächsten Saison wieder auf europäischer Bühne zu sehen: „Der Trainer muss mutiger spielen lassen. Dann ist das realistisch.“

Auch Solveig Freitag-Sachwitz würde sich über die Rückkehr auf die europäische Bühne freuen – auch die Juniorinnen-Trainerin beim JFV Ebsdorfergrund meint, dass es dafür einer offensiveren Spielweise bedürfe: „Warum diese Zurückhaltung? Warum lässt man sie nicht los?“, fragt sie mit Blick auf Younes und Barkok, die „mit ihren Fähigkeiten den Unterschied machen“ könnten. Hütter werde seine Gründe für seine Aufstellungen haben, „für mich ist das aber nicht nachvollziehbar“, sagt Freitag-Sachwitz, die mit der bisherigen Punkteausbeute der Frankfurter daher „nicht wirklich glücklich“ ist.

Jörg Wolf vertritt einen etwas anderen Standpunkt. Der Regionalbeauftragte des Hessischen Fußball-Verbandes für Gießen/Marburg hält den aktuellen Tabellenplatz auch als Saison-Endplatzierung für realistisch. „Wer von der Champions League geträumt hat, war einfach nicht realistisch genug“, meint Wolf.

Der „taktisch gut spielenden Mannschaft“ von Hütter fehle „ein Individualspieler, der mehr Taktiker als Handwerker ist“. Eine spielerische Klasse, wie es sie in der Saison 2018/2019 mit Leistungsträgern wie Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic vorhanden war, gebe es nicht mehr. Ihre Abgänge habe man „einfach nicht kompensieren“ können, findet Wolf.

Günther Keifler hatte in den späten 1960ern und frühen 1970ern selbst für die Eintracht gespielt. Der 72-Jährige verfolgt die Frankfurter Begegnungen, würde sich aber „nicht als Experten bezeichnen, so nah bin ich nicht mehr dran“, sagt der Bürgelner.

Auch er findet die bisherige Punkteausbeute in Ordnung, aber auch er meint, dass mehr drin gewesen wäre, erinnert an die Unentschieden gegen Bielefeld (1:1), in Köln (1:1) gegen Bremen (1:1) und eben zuletzt in Stuttgart: „Das waren alles Spiele, die man auch gewinnen kann. Andererseits könnte man auch weniger Punkte haben, wenn André Silva nicht so einen guten Lauf hätte.“ Der Portugiese erzielte bislang fünf der zehn Frankfurter Saisontreffer, darunter je eines bei den vier Remis. Er sei „nicht enttäuscht“ und zugleich „hoffnungsfroh, dass es in der Tabelle noch nach oben gehen kann“, sagt Keifler.

Von Leonie Rink und Stefan Weisbrod

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