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Lokalsport Als Reitvereine in der Corona-Pandemie
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10:29 23.11.2020
Der Reitverein Marburg-Marbach hält seine 40 Pferde in gemischten Herden. 14 Tiere davon gehören zum Reitverein Quelle: Foto: Leonie Rink
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Marburg

Was ist erlaubt und was nicht? Das sind zwei der vielen Fragen, die sich Reitvereine aktuell stellen. Aufgrund von immer mehr Corona-Regelungen seit Anfang November sind die meisten Reiter nur noch verwirrt. „Es ist schade, dass es so wenig nachvollziehbar ist. Es leuchtet uns allen ein, dass wir uns einschränken müssen. Aber wenn es doch gar keine Kontakte gibt – warum das auch noch verbieten?“, fragt Reitwirtin Monika Kickartz vom Pferdeland Rohan und bezieht sich damit auf das Reiten in Gruppen.

Beim ersten Lockdown im Frühjahr war das Reiten nur aus Tierschutzgründen erlaubt. „Bei diesem Lockdown sind wir jetzt fast außen vor, weil Reiten ein Individualsport ist. Nur einen Tag durften wir die Reithallen und Reitplätze nicht mal mehr alleine nutzen“, schildert Kickartz. „Seit ein paar Tagen ist auch erlaubt, dass gleichzeitig mehrere Personen in der Halle reiten dürfen. Aber unterrichtet werden dürfen sie nicht. Wo ist denn die erhöhte Infektionsgefahr bei Unterricht? Zumindest dann, wenn – anders als vielleicht im Anfängerbereich nötig – auch aus der Distanz problemlos unterrichtet werden kann“, kritisiert Kickartz, deren Ehemann Kurt Feußner Vorstand des Reitvereins ist.

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Der Vorsitzende des Kreisreiterbundes Marburg-Biedenkopf, Thorsten Engelbach, ist froh, dass überhaupt Reitsport ausgeübt werden kann. „Im Frühjahr waren wir so eingeschränkt, dass wir uns ausschließlich auf freiem Gelände bewegen durften. Und das nur, weil die Pferde aufgrund des Tierwohls bewegt werden müssen. Dann ist auf freiem Gelände ein Reiter schwer gestürzt. Diesmal sind wir von den Einschränkungen kaum betroffen, was ich gut finde“, erklärt der Vorsitzende des Kreisreiterbundes.

Fast jeden Tag trudelten neue Regelungen bei Monika Kickartz ein. „Das ist nicht mehr nachvollziehbar “, klagt sie.

Denn über fehlendes Interesse kann sich der Reitverein Marburg-Marbach nicht beschweren. „Wir haben knapp 130 Mitglieder und fast noch mal so viele auf einer Warteliste“, sagt Kickartz. Einzelunterricht hat der Verein seit längerer Zeit nicht mehr gegeben. „Dies wären Kapazitäten, die an eine Person gebunden sind“, merkt Monika Kickartz an.

Im Frühjahr hatte es ein weiteres Problem für den Reitverein gegeben: zu viele Menschen. „Hier im Feld war die Hölle los, weil es alle wie einen Freizeitpark genutzt haben, in dem die Pferde der Streichelzoo waren. Außerdem hat mein Telefon nicht mehr stillgestanden, weil alle reiten wollten – scheinbar hat jeder gedacht, dass es im Freien und damit in Ordnung ist“, sagt Kickartz. Strikte Stallzeiten waren die Folge. „Wir haben Zeitfenster eingeführt, damit ganz genau vorgegeben ist, wer sich wann und wo aufhält. Aber zum Glück ist es im Moment nicht so schlimm, dass wir das wieder brauchen“, sagt die Pferdewirtin.

Eine weitere Schwierigkeit kommt mit der Umstallung auf den Reitverein zu. „Beim nächsten Regen müssen die Pferde in den Stall. Wann sie dann wieder auf die Weide raus können, hängt davon ab, wie das Gras gewachsen ist. Damit haben wir aktuell auch zu kämpfen: Die Futterreserven sind aufgebraucht. Deshalb hoffen wir jetzt auf die Ernte und können nicht ganz so großzügig sein mit dem Füttern wie noch in den Vorjahren“, erklärt Kickartz. Deswegen hat der Verein auch freigewordene Einstellplätze nicht an neue Pferde vergeben. Damit hat der Verein finanzielle Einbußen.

Außerdem kommt mit der Umstallung mehr Arbeit auf die Reiter zu, da die Pferde mindestens einmal am Tag aus dem Stall müssen. Dazu kommen drei Mahlzeiten für die Vierbeiner. „Reiten ist nicht einfach mal so ein Hobby, was man mal macht und wieder ablegt. Da steckt schon mehr dahinter“, sagt Kickartz, die ihr Hobby auch zum Beruf gemacht hat.

Von Leonie Rink