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Lokalsport „Einen Topfavoriten gibt es nicht“
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14:17 10.06.2021
Eike Immel im einem Vorrundenspiel der EM 1988 gegen Dänemark. Damals nahmen nur acht Mannschaften am Turnier teil, jetzt sind es 24.
Eike Immel im einem Vorrundenspiel der EM 1988 gegen Dänemark. Damals nahmen nur acht Mannschaften am Turnier teil, jetzt sind es 24.
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Stadtallendorf

Er freut sich auf das Turnier, auf die Spiele, besonders auf die der deutschen Mannschaft. „Natürlich“ hofft Eike Immel darauf, dass das Team von Joachim Löw zu dessen Ausstand den Titel gewinnt. „In dieser Hinsicht bin ich Patriot“, sagt der frühere Weltklasse-Torhüter, hat aber nicht die allerhöchsten Erwartungen: „Wir haben eine gute Mannschaft, aber keine Spitzenmannschaft. Ich sehe andere Teams ein Stück voraus.“

„Einen Topfavoriten gibt es nicht“, sagt er. Auf dem Zettel hat er „alte Bekannte“, meint damit Frankreich und Spanien. „Auch Italien kann eine gute Rolle spielen, auch wenn es dort nicht die große Zahl an Stars gibt. Aber die Mannschaft scheint sich gefunden zu haben.“ Sein Geheimtipp – und Wunsch, sollte es für Deutschland nicht klappen – ist aber ein anderer: „Ich würde mich freuen, wenn die Engländer mal etwas gewinnen.“ Spielerisch sieht der Stadtallendorfer die Three Lions ganz weit vorn, setzt vor allem auf die Youngster wie Mason Mount, Jadon Sancho, Jude Bellingham und Marcus Rashford sowie Phil Foden von Manchester City – dem Club, für den der 534-fache Bundesliga-Spieler zwischen 1995 und 1997 zum Abschluss seiner Karriere selbst aktiv war. „Was da in den vergangenen Jahren an Klassefußballern nachgekommen ist, das ist beachtlich.“

EM mit weniger Teilnehmern wäre ihm lieber

Zunächst ist der 60-Jährige gespannt, wie es für die deutsche Mannschaft in der Vorrunde läuft: „Gegen Frankreich und gegen Portugal wird es nicht einfach“, ist der Einzug in die K.-o.-Phase für Immel kein Selbstläufer. „Wenn es blöd läuft, muss man zusehen, dass man zumindest als Dritter weiterkommt.“ Dass Thomas Müller und Mats Hummels wieder dabei sind, sieht der 19-fache Nationalspieler zwiegespalten: „Der gesamte Prozess mit dem Ziel der Verjüngung ist in die Hose gegangen.“ Andererseits sei vor allem Müller ein „Leader, den eine Mannschaft auch braucht. Er ist einer, der andere Spieler mitreißt, so ein Spieler ist enorm wertvoll.“

Auch manches andere Vorrundenspiel will er verfolgen, sagt Immel – aber längst nicht alle. Vom Modus mit insgesamt 24 Mannschaften hält er nicht besonders viel, erinnert an die Kontinentalturniere, an denen er selbst teilgenommen hatte: 1980, als er als Ersatzkeeper Europameister wurde, 1984, als er ebenfalls nur auf der Bank saß, sowie 1988, als er mit der deutschen Auswahl im eigenen Land als Stammtorhüter ins Halbfinale einzog (1:2 gegen die Niederlande), waren jeweils nur acht Teams dabei. „Da hat es dann auch mal ein Außenseiter zur EM geschafft, aber dann hatte er es auch wirklich verdient.“ Mit nun 24 Teilnehmern sei das „Niveau ziemlich verwässert“.

Von Stefan Weisbrod