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Lokalsport „Für mich ist Man City der Favorit“
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17:58 29.05.2021
Die Premier League als Sahnehäubchen einer erfolgreichen Karriere: Im März 1996 spielte Eike Immel (links) mit Manchester City gegen den FC Arsenal um David Platt, der nach seiner aktiven Karriere zeitweilig Co-Trainer der Citizens war.
Die Premier League als Sahnehäubchen einer erfolgreichen Karriere: Im März 1996 spielte Eike Immel (links) mit Manchester City gegen den FC Arsenal um David Platt, der nach seiner aktiven Karriere zeitweilig Co-Trainer der Citizens war. Quelle: imago
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Marburg

Manchester City oder FC Chelsea? Fragt man Eike Immel, wer sich an diesem Samstag (29. Mai, 21 Uhr / Sky und Dazn) im Finale der Champions League den Henkelpott sichert, hat der frühere Fußballprofi eine klare Tendenz: „Für mich ist Manchester der Favorit. Der Club hat momentan die beste Mannschaft der Welt“, meint der 19-fache deutsche Nationaltorwart, „und für Trainer Pep Guardiola wäre dieser Titel wohl die Krönung.“ Für den Fußball im Allgemeinen, so Immel, „wäre es aber wohl schöner, wenn es Chelsea macht“.

Dass sich der gebürtige Erksdorfer das Endspiel der Königsklasse anschaut – keine Frage. Und dass sein Herz eher für Manchester schlägt, mag auch nicht so recht verwundern. Denn zum Abschluss seiner Karriere, nach Teilnahmen bei der EM und WM, nach der Deutschen Meisterschaft 1992 mit dem VfB Stuttgart und 534 Bundesligaspielen, zog es Immel im Sommer 1995, sozusagen im Herbst seiner aktiven Laufbahn, auf die Insel, zu den Citizens.

Kaderwert von mehr als einer Milliarde Euro

„Das war eine wunderschöne Zeit, das Sahnehäubchen auf meine Karriere“, blickt Immel gerne zurück. Auch wenn der ehemalige Klassekeeper aufgrund einer Hüftverletzung, wegen der er letztlich seine aktive Laufbahn im Sommer 1997 beenden musste, nur 38 Mal in der ersten Liga und nach dem Abstieg viermal in der zweiten­­ ­Liga für die Skyblues zu Einsätzen kam.

Ist der amtierende englische Meister derzeit das Nonplusultra im Weltfußball, mit einem laut dem renommierten Internetportal transfermark.de taxierten Kader-Marktwert von 1,03 Milliarden Euro gar das teuerste Team der Welt, gehörte der Club Mitte der 1990er-Jahre selbst im englischen Fußball-Oberhaus nicht zu den Topmannschaften, stieg zwischenzeitlich sogar in die dritte Liga ab. „Man City heute und vor 25 Jahren zu vergleichen, ist so, als würde man ein Fahrrad mit einem Formel-1-Rennwagen vergleichen“, bringt es Immel auf den Punkt. Es mag auch – oder vor allem – daran liegen, dass ein Investmentunternehmen aus dem Emirat Abu Dhabi seit etwas mehr als zehn Jahren sehr viel Geld in den Verein pumpt.

Früher: Improvisiertes Trainingsgelände

1995 war dies anders. Der erste Eindruck nach seiner Ankunft sei „ernüchternd“ gewesen, sagt Immel – zumindest bedingt, denn: „Ich erhielt verwaschene Trainingsklamotten, die offensichtlich schon jemand vor mir getragen hatte, auf denen meine Initialen draufstanden. Ich habe mir dann einfach eigene Sachen besorgt“, erzählt Immel, der sich zudem an ein – im Vergleich zu seinem vorigen Arbeitgeber VfB Stuttgart – Trainingsgelände mit zwei Rasenplätzen mitten im Manchester erinnert, das improvisiert wirkte.

„Ansonsten war der Verein aber unheimlich professionell aufgestellt“, unterstreicht der Ex-Nationaltorhüter. Und die Citizens bezahlten gut, daraus macht Immel keinen Hehl. „Ich habe dort viel mehr, doppelt so viel wie davor in Stuttgart verdient“, erinnert er sich. Knapp 10.000 Pfund pro Woche erhielt er, wobei ein Pfund seinerzeit etwas mehr als zwei D-Mark entsprach. Dies war auch deshalb möglich, weil schon damals laut Immel „30, 40 Millionen Pfund“ an Fernsehgeldern für Clubs wie Manchester City flossen.

Viele Erinnerungen an die Liga

Sportlich erinnert sich Immel an die bekannte harte Gangart im britischen Fußball, an Fouls, bei denen er nach seinem Wechsel zusammenzuckte, weil sie hierzulande wohl Rote Karten nach sich gezogen hätten. „Dafür war das Fairplay aber auch sehr groß“, merkt Immel an, der die Eindrücke von der Maine Road, der damaligen Spielstätte des Clubs, nicht missen möchte – genau wie Spiele in Anfield (Liverpool), Old Trafford (Manchester United) oder an der White Hart Lane (Tottenham).

Am heutigen Samstag (29. Mai) steigt das wohl bis dato wichtigste Spiel für den siebenfachen englischen Meister in Porto – ohne den Spieler Eike Immel, dafür mit dem Fußballfan Eike Immel vor dem Fernseher. „Das Spiel gucke ich mir auf jeden Fall an“, freut sich der 60-Jährige.

Von Marcello Di Cicco