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Fans zwischen Optimismus und „großer Sorge“
Fans zwischen Optimismus und „großer Sorge“
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10:58 25.06.2021
Der Schuss ins Achtelfinale: Leon Goretzka (rechts) trifft zum 2:2 gegen Ungarn. Für die deutsche Mannschaft geht es bei der EM am Dienstag mit dem Viertelfinale in London gegen England weiter.
Der Schuss ins Achtelfinale: Leon Goretzka (rechts) trifft zum 2:2 gegen Ungarn. Für die deutsche Mannschaft geht es bei der EM am Dienstag mit dem Viertelfinale in London gegen England weiter. Quelle: Foto: Christian Charisius/dpa
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Marburg

Kampf und Krampf, am Ende ein 2:2, das zum Weiterkommen gereicht hat. Dass es keine spielerische Meisterleistung war, die die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwochabend gegen Ungarn gezeigt hatte, ist allen klar. Aber war es einfach ein schlechtes Spiel? War es gegen einen tiefstehenden Gegner einfach extrem schwer? Und wie sind nun die Aussichten fürs Achtelfinale am kommenden Dienstag im Wembleystadion gegen England? Die OP hat mit heimischen Fans gesprochen ...

Maurice Jauernick ist in der Vergangenheit häufig bei Spielen des DFB-Teams gewesen, unter anderem bei den Partien der EM vor fünf Jahren in Frankreich. Diesmal verfolgt der 40-Jährige, der zur neuen Saison als Trainer zu Verbandsligist SF BG Marburg zurückkehrt, das Turnier aus der Ferne, aber trotzdem sehr interessiert. Er spricht von einem „Auf und Ab“ der deutschen Mannschaft. „Im Vergleich zum 4:2 gegen Portugal war das Ungarn-Spiel natürlich ein Schritt zurück“, sagt er. „Der Gegner stand tief, das macht es nicht einfach. Trotzdem muss man es schaffen, sich mehr Chancen zu erspielen.“

Gefehlt hat es ihm vor allem an Kreativität und Mut: „Leroy Sané ist jemand, der auch mal ins Eins-gegen-Eins gehen kann, aber da ist nichts gekommen. Jamal Musiala hat das nach seiner Einwechslung gemacht, damit Leute auf sich gezogen und das entscheidende Tor eingeleitet.“ Auch Serge Gnabry, Ilkay Gündogan und Toni Kroos überzeugten ihn nicht. „Leon Goretzka muss in die Startelf. Er bringt eine ganz andere Dynamik ins Spiel.“ Thomas Müller erwartet er im Achtelfinale auch wieder in der Startelf. Eine Prognose gegen die englische „Wundertüte“ traut er sich nicht zu: „Alles ist offen.“

Carolin Lotz hofft ebenfalls, dass Müller bis zum kommenden Dienstag wieder richtig fit ist. Die 18-jährige Schiedsrichterin, die in der neuen Spielzeit als Assistentin in der 2. Bundesliga der Frauen zum Einsatz kommen soll, war von Musialas Kurzauftritt angetan. „Für die Startelf kommt er wahrscheinlich noch nicht infrage, aber ich hoffe, er bekommt wieder seine Chance.“ Für sie ist klar: „Es wird ein ganz anderes Spiel, weil England offensiver agiert.“ Wie es ausgeht? „Ich bin Optimistin. Unsere Mannschaft gewinnt.“

Julia Heidelbach ist eher pessimistisch. Das war sie auch schon vor dem Turnierstart, setzte bei einem Tippspiel auf Niederlagen gegen Frankreich und gegen Portugal, wie sie verrät. „Die Leistung im Spiel gegen Portugal hat mich positiv überrascht“, sagt sie. Vor dem Ungarn-Spiel war sie sich daher sicher, dass Löws Mannschaft souverän ins Achtelfinale einzieht – und wurde enttäuscht. In der ersten K.-o.-Runde wird wohl Schluss sein, glaubt die 34-Jährige aus Sterzhausen, hätte aber nichts dagegen, mit dieser Einschätzung falsch zu liegen.

Ein offener Schlagabtausch könnte es werden, meint Stefan Gnau. Der Vorstand des Marburger Basketball-Clubs war vom Auftritt der Nationalelf gegen Ungarn „etwas erschrocken“ – und er ärgerte sich: „Die Mannschaft hat sich ängstlich über die letzten fünf Minuten gerettet. Das zeugt nicht gerade von Selbstvertrauen.“ Dennoch ist er „nicht so pessimistisch“, denn: „Die Engländer werden sich nicht hinten reinstellen, sondern deutlich offensiver agieren, ähnlich wie die Portugiesen. Das liegt unserem Team.“

Darauf setzt auch Eike Immel. Der frühere Nationaltorhüter, 1980 Europameister und 1988 Stammkeeper bei der EM in Deutschland, wünscht sich aber nicht nur mehr Kreativität in der Offensive, vor allem müsse die Verteidigungsarbeit verbessert werden: „Die Probleme in der Defensive sind schwerwiegend. Fast jeder gegnerische Angriff führt zu einer guten Chance oder sogar zu einem Tor.“ Die Engländer hätten zwar bislang „auch nicht wie aus einem Guss“ gespielt, „sie haben aber riesiges Potenzial in der Offensive. Wenn sie zeigen, was sie können, mache ich mir bei unserer Verteidigung große Sorgen.“

Von Stefan Weisbrod