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Mehr als nur ein Team
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14:58 15.07.2021
Die Marburg Splatter Fairies in den weißen T-Shirts gegen die Bone Crushing Hyenas Bologna beim Scrimmage in Marburg (Archivfoto).
Die Marburg Splatter Fairies in den weißen T-Shirts gegen die Bone Crushing Hyenas Bologna beim Scrimmage in Marburg (Archivfoto). Quelle: Michael Hoffsteter
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Marburg

Frauen auf Rollschuhen, die in einem Parkhaus oder auch auf Parkdecks skaten. So kann man die Anfänge der Splatter Fairies Marburg beschreiben – auch wenn es das Team unter diesem Namen 2014 noch nicht gegeben hat. Und doch sind die Frauen, die den Sport Roller Derby betreiben - bei dem das Ziel ist, eine Spielerin zu beschützen, die Punkte einfährt (siehe Infobox) – in der Corona-Pandemie wieder zurück zu den Wurzeln gegangen – ins Parkhaus, um an der Luft und mit genug Abstand skaten zu können.

Doch wie kommt man zu einem Sport, den die wenigsten Menschen kennen? „Ich habe 2013 einen Clip von dem Team von St. Pauli in einem Presseartikel gesehen und fand, dass das nach Spaß aussieht“, erinnert sich Wiebke Dierkes, die im Spiel unter dem Namen „Ginny K. Kong“ bekannt ist. Auch die Aspekte, dass es ein reiner Frauensport ist und unter anderem feministische Themen behandelt, begeisterten Dierkes.

Das Teamleben und Gemeinschaftsgefühl

Bei Annika Schmidt-Ehry war der Film „Whip It“ der Grund, weshalb sie sich mit dem Sport auseinandergesetzt hat. „Ich fand den Film zwar cool, aber ich hatte Angst vor dem Hinfallen. Durch Zufall habe ich dann von einem Recruiting Day bei den Splatter Fairies gehört“, sagt Schmidt-Ehry, die ein halbes Jahr vor der Corona-Pandemie mit dem „Rollern“ angefangen hat. Und trotz keines gemeinsamen Vollkontakt-Trainings ist sie beim Team geblieben. „Es gibt hier einen unfassbaren Teamgeist und ich habe mich immer gut aufgenommen gefühlt“, sagt Schmidt-Ehry.

Das ist es auch, was den Frauen in der Corona-Pandemie vom Team aufrechtgehalten wurde: Das Teamleben und das Gemeinschaftsgefühl. Egal ob im Zusammensitzen im Garten, mit virtuellem Rollschuh-Training in der eigenen Wohnung, die das Team, das aus 30 Spielerinnen besteht, gemacht hat. „Wir haben viel miteinander gesprochen, weil viele Spielerinnen in der Pflege arbeiten oder Kinder haben. Da waren wir im Austausch, weswegen für uns die Sicherheit im Vordergrund stand“, sagt Wiebke Dierkes.

Keine Enttäuschung über fehlendes Training

Sie fügt an, dass aus diesem Grund niemand enttäuscht war, weshalb kein Training stattfinden konnte. Dieser Zusammenhalt zeigt sich auch in der Organisation rund um das Team, denn die Verantwortlichkeiten werden in Komitees aufgeteilt. „Jeder kann seine Meinung sagen, jeder kann bei uns mitgestalten und wir versuchen, dass die Verantwortung auf mehrere Köpfe aufgeteilt ist“, sagt Lisanne Ames. Eine der wenigen Dinge, die die Splatter Fairies bedauern, ist die abgesagte Reise nach Irland zu einem Roller-Derby-Partie.

Das erste offizielle Roller Derby Scrimmage in Marburg: die Marburg Splatter Fairies (schwarze Kleidung) gegen die Prussian Fat Cats (Archivfoto). Quelle: Miriam Prüßner

„Eigentlich wären wir letztes Jahr im November nach Cork in Irland geflogen, weil wir von dem Team eine Einladung bekommen haben“, erklärt Lisanne Ames, die unter dem Namen „Lady Klopperfield“ spielt. Der Grund, weshalb im Roller Derby auch problemlos Partien im Ausland gespielt werden können, ist das gemeinsame Regelwerk des Dachverbandes Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA). Aber Wiebke Dierkes merkt an, dass dennoch nationale Spiele anders seien: „Wir kennen in Deutschland die meisten Spielerinnen. Deshalb finde ich schon, dass es andere Spiele sind“.

Zwei Heimspiele pro Jahr

Im vergangenen Jahr hätten auch wieder zwei Heimspiele in Marburg stattfinden sollen. „Wir spielen zwei Spiele hier, damit der organisatorische Aufwand nicht zu hoch ist“, erklärt Lisanne Ames. Das würde anders aussehen, wenn die Splatter Fairies in der Bundesliga an den Start gehen würden. „Wir wollen ein gutes Team sein, aber vor allem wollen wir den Spaß am Spiel beibehalten. Und wir haben uns gegen die Liga entschieden, weil es mit sehr viel Stress verbunden wäre“, begründet Ames die Entscheidung.

Ein weiterer Grund ist für Wiebke Dierkes die Freiheit, verschiedene Einladungen von anderen Teams anzunehmen, um – wie 2018 in Italien – dort eine Partie auszutragen. „Wenn wir in der 3. Bundesliga starten würden, könnten wir solche Einladungen nicht mehr einfach so annehmen“, sagt Dierkes. Unabhängig von kommenden Einladungen freut sich das Team aber jetzt, dass wieder trainiert werden kann – auch wenn beim nächsten Training erstmal mit wenig Kontakt begonnen wird.

Spielregeln beim Roller Derby

Der Sport wird auf Rollschuhen ausgeübt. In zwei 30-minütigen Halbzeiten fahren die Teams so viele zweiminütige „Jams“ wie möglich.

In diesen Runden fahren die Spielerinnen auf einer ovalen Bahn. Es treten immer zwei Teams mit maximal 14 Spielerinnen gegeneinander an.

In jeder Spielrunde dürfen höchstens fünf Spielerinnen auf der Bahn sein, jedoch kann nur eine dieser fünf einen Punkt erzielen. Diese Spielerin, die Punkte erzielen kann, wird „Jammer“ genannt. Die Jammerinnen beider Teams fahren gleichzeitig auf der Bahn und starten hinter zweimal vier Spielerinnen. Diese „Blocker“ versuchen der gegnerischen Jammerin den Weg zu versperren, damit diese keine Punkte erzielen kann. Bei der eigenen Jammerin wird versucht, die Gegner so zu blocken, dass die Jammerin des eigenen Teams vorbei kommt, um Punkte zu erzielen. Wichtig ist aber, dass beide Jammerinnen Punkte erzielen können. Die Jammerin, die zuerst an allen Blockern vorbei ist und Punkte erzielt, wird „Lead-Jammerin“. Diese Spielerin hat dadurch die Möglichkeit, mit einem Signal – mit beiden Händen auf die Hüften zu klopfen – das Spiel vorzeitig abzubrechen, damit die Gegnerinnen keine Punkte mehr erzielen können. Die Jammer können daran erkannt werden, dass sie einen farbigen Stern auf ihrem Helm tragen.

Von Leonie Rink