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Lokalsport Eine Vision führt zu einem Football-Team
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15:00 14.07.2021
Tamara Busecke (rechts) und Frederike Seibert (links) trainieren mit der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries und sind dabei ein Frauen-Team aufzubauen. 
Tamara Busecke (rechts) und Frederike Seibert (links) trainieren mit der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries und sind dabei ein Frauen-Team aufzubauen.  Quelle: Leonie Rink
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Marburg

Für mich ist das Team eine zweite Familie geworden“, sagt Frederike „Freddi“ Seibert, die auf der Position des Linebacker spielt. Alles hat vor drei Jahren an der Philipps-Universität im Uni-Sport angefangen. „Dort wurde eine Mischung aus Tackle- und Flag-Football angeboten und unser Coach war damals schon Matthias Dalwig“, sagt Seibert, die im siebten Semester Medizin studiert. Es war ihr erster Kontakt mit dem Football. Anders war die Situation bei Tamara Busecke.

Die 24-Jährige kommt gebürtig aus der Nähe von Darmstadt und nahm bereits an einem Football-Probetraining in Mainz teil, ehe sie da Football an der Uni anfing. Bei beiden Spielerinnen war es Liebe auf den ersten Blick mit der Sportart. Die regelmäßigen Teilnahmen am Teamtraining der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries waren die Folge.

Frederike Seibert trainieren mit der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries und ist dabei, ein Frauen-Team aufzubauen.  Quelle: Leonie Rink

Doch das reichte der 21-jährigen Seibert irgendwann nicht mehr aus, da die beiden nur bei Freundschaftsspielen zum Einsatz kommen konnten. „Ich habe mich irgendwann gefragt wofür ich das alles mache. Und ich war frustriert, weil ich nicht spielen durfte. Aber aufhören war auch keine Option“, erzählt Seibert. Nach langer Überlegung entschied sie sich dazu, sich dem Frauen-Football-Team in Gießen anzuschließen und überredete die Lehramtsstudentin Busecke, die auf der Tight End oder Wide Receiver-Position spielt, mitzukommen.

Auf heißen Kohlen

„Uns hat aber die lange Anfahrt nach Gießen gestört. Und im Training mit den Jungs haben wir mehr gelernt und das haben wir vermisst“, erklärt die 21-Jährige die Entscheidung, weshalb die beiden Studentinnen nun wieder zurück bei den „Söldnern“ sind. Ende 2020 trafen die beiden Football-Spielerinnen dann eine Entscheidung: „Wir wollten uns etwas Eigenes aufbauen – in Marburg“, sagt Seibert. Aber dann durchkreuzte ein weiterer Lockdown den Plan der beiden Frauen. „Corona hat uns alles kaputt gemacht, weil auch keine Probetrainings möglich waren. Und jetzt sitzen wir auf heißen Kohlen“, merkt Seibert an.

Frederike Seibert trainiert mit der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries und ist dabei, ein Frauen-Team aufzubauen.  Quelle: Leonie Rink

Sollte das Team genügend Spielerinnen finden, könnte sich der Verein für die 2. Frauenbundesliga anmelden. Diese offizielle Liga gibt es seit 2009 und ist unterteilt in eine Nord- und eine Südstaffel – wie die 1. Frauenbundesliga auch. Fest steht aber bereits, dass das Training mit den Männern weiter beibehalten bleibt, auch wenn es im Verein eine eigene Frauen-Mannschaft geben wird. „Überall liest man den Spruch ,Football is family’ und das ist wirklich so. Wir wollen die Jungs nicht mehr missen“, sagt Seibert, die gebürtig aus der Nähe von Düsseldorf kommt.

Geschichte soll sich nicht wiederholen

Diesen Wunsch der beiden Frauen unterstützt auch der Verein und plant bereits, wie mehr Spielerinnen teil des Teams werden können. „Wir sind in der Vorbereitung für Tryouts. Wir wissen aber auch, dass das ein Prozess ist und uns niemand die Bude einrennen wird, weil Football eine Randsportart ist“, stellt Mercenaries-Trainer Matthias Dalwig fest. Obwohl das Interesse der hessischen Football-Vereine an einem Frauen-Team gestiegen ist, zeigt die Tatsache, dass Shoulderpads für Frauen knapp 100 Euro mehr kosten als die Schutzkleidung für die Männer, dass noch nicht viele Frauen den Sport ausüben.

Denn bereits in den 1990er-Jahren hatten die Marburg Mercenaries ein Frauen-Team. Nach eineinhalb Jahren des Trainings ging es in Richtung eines Spielbetriebs. „Immer mehr Spielerinnen haben dann aufgehört, und erwartungsgemäß war das unser Todesstoß“, erinnert sich Mercenaries-Präsident Carsten Dalkowski an diese Zeit zurück.

Tamara Busecke trainiert mit der zweiten Mannschaft der Marburg Mercenaries und ist dabei, ein Frauen-Team aufzubauen.  Quelle: Leonie Rink

Die Herausforderung sei es, nicht nur zehn interessierte Spielerinnen zu haben, sondern zwischen 35 und 40. Auf die Suche nach diesen Football-Spielerinnen begibt sich der Verein in den kommenden Wochen und Monaten.

Und was passiert dann? „Bei einem optimalen Verlauf sichten wir bei den Tryouts noch mehr Spielerinnen, die am Training der zweiten Männer-Mannschaft teilnehmen. Anfangs wird es zwar ein schweres Training für sie sein, aber die Entwicklung ist wichtig und das wird sich am Ende auszahlen“, prognostiziert Coach Dalwig. Und der Präsident ergänzt: „Frederike und Tamara haben eine Vision. Und wir geben ihnen gerne die Möglichkeit, diese Vorstellung zu ermöglichen.“

Von Leonie Rink

11.07.2021