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Lokalsport Der SK Marburg besitzt eine Schach-Mädchengruppe
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12:59 28.09.2021
Diana Salomka trainiert eine Mädchen-Gruppe beim SK Marburg.
Diana Salomka trainiert eine Mädchen-Gruppe beim SK Marburg.
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Marburg

16 weiße Figuren stehen 16 schwarzen gegenüber. Die elfjährige Lilya eröffnet das Spiel und schiebt eine ihrer weißen Figuren auf dem Schachbrett nach vorne, dann drückt die Schülerin auf eine Uhr, die neben dem Brett steht. Nun ist ihre Gegnerin, die zehnjährige Mathilda an der Reihe. Die beiden trainiert mit vier weiteren Mädchen, die im Alter zwischen zehn und 15 Jahren sind, jeden Samstag Schach im Foyer der großen Georg-Gaßmann-Sporthalle in Marburg.

Trainiert werden die sechs Schülerinnen seit zwei Jahren von Diana Salomka. Die 17-Jährige begann in einer AG an der Elisabethschule vor knapp fünf Jahren mit dem Schachspielen. „Ich wollte Schach damals einfach ausprobieren. Ich war auch neben 15 Jungs das einzige Mädchen in der AG“, erinnert sich die Michelbacherin. Für das Training geht die Schülerin selbst samstags um kurz nach 9 Uhr aus dem Haus, um erst gegen 14 Uhr wieder zu Hause zu sein. „Ich nehme die lange Busfahrt gerne auf mich. Denn mir macht das Training mit den Mädchen einfach Spaß. Ich gehe in dieser Arbeit total auf“, fügt die Zwölftklässlerin an, die auch die Schach-AG an ihrer Schule leitet.

Online-Training während der Pandemie

Jedoch war das Training während des Lockdowns nur online möglich. Dazu machten die Mädchen mit der Trainerin Einzeltraining. „Das war viel aufwendiger, als wenn alle sechs Mädchen gleichzeitig an einem Ort sind“, erklärt Salomka. Zudem kam ein weiteres Problem: Für das Schachspielen ist ein räumliches Verständnis notwendig – das fehlte beim Online-Training. Bereits davor hatte der Verein Schwierigkeiten, Neuanfänger zu finden, wie SK-Jugendleiter Helge Neidhardt erklärte. Grund dafür waren die fehlenden AGs an Schulen. Was muss man eigentlich mitbringen, um Schachspielen zu können? „Grundsätzlich muss man Geduld mitbringen. Außerdem muss man oft einige Zeit still sitzen und man muss sich einfach auf den Sport einlassen“, sagt Salomka, die einmal wöchentlich auch das Training für ihre eigene Altersklasse besucht.

Auch wenn sie nicht mehr selbst auf Turnieren antritt. „Wenn ich auf Turnieren war, hatte ich danach immer Kopfschmerzen. Schach ist einfach ein Denksport. Andere Sportlerinnen und Sportler haben Muskelkater nach ihren Wettkämpfen und ich hatte eben Kopfschmerzen“, merkt die 17-Jährige an. Wie sehr die Gymnasiastin in ihrer Rolle als Trainerin aufgeht, zeigt sich, wie viel Zeit sie für die Vorbereitung der Einheit benötigt. Bunte Zettel kleben an der Wand, auf denen Merkhilfen wie „Kann die Figur viele Züge machen?“ steht. Zudem bereitet sie online Schachspiele vor, die dann per Laptop und Beamer an die Wand projiziert werden. Dann werden die Mädchen zu den Zügen befragt, ob der Zug sinnvoll ist und was der nächste Zug sein könnte – jedoch geht für die Mädchen nichts über das selbst Spielen.

Am Ende des Trainings geht Salomka herum und bewertet die Schachbretter aller Mädchen, wenn kein Sieger feststeht. Das ist bei einem Brett der Fall: „Lilya steht ein bisschen besser. Deshalb gewinnt sie“, sagt die SK-Trainerin an die beiden Mädchen gewandt.

Von Leonie Rink