Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Spielen oder nicht spielen?
Sport Lokalsport Lokalsport Spielen oder nicht spielen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:58 23.10.2020
Weiter kicken – oder aufgrund hoher Corona-Infektionszahlen zunächst pausieren? Quelle: Symbolfoto: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Der VfB Wetter empfängt am Samstag am späten Nachmittag die SG Waldsolms – so die Planung. Um 17 Uhr soll das Spitzenspiel des Dritten der Gruppenliga Gießen/Marburg gegen den Tabellenführer angepfiffen werden. Maximal 100 Zuschauer, das hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf verfügt, dürfen dabei sein. Aber es soll gespielt werden, weder der Landkreis noch der Hessische Fußball-Verband oder der Fußballkreis Marburg haben bis gestern etwas anderes entschieden – nach Meinung von Clemens Drescher ist das gut so.

„Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten an die Spielregeln halten“, sagt der VfB-Trainer, meint damit: Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, etwa auch in der Kabine. „Die Gefahr einer Übertragung auf dem Platz ist laut Virologen gering, daher spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dass gespielt wird.“ Aber: „Es muss für alle klar sein, dass sie sich vorher und nachher entsprechend verhalten müssen.“ Die Hygienekonzepte der Vereine seien gut, „sie bringen aber nur was, wenn sie befolgt werden“.

Anzeige

In diesem Bereich sieht auch Stefan Clasani vom FV Wehrda das größte Problem: „Die Hygienekonzepte sind gut für den Sommer, wenn alle nach dem Spiel draußen bleiben.“ Im Gebäude werde es schwerer, die Vorgaben zu befolgen, meint er, betont aber: „Bei uns ist klar kommuniziert, dass die befolgt werden müssen.“ Bei anderen Teams – er möchte keine Namen nennen – sei das zuletzt nicht immer so gewesen: „Es bringt halt wenig, sich nach dem Aussteigen aus einem Auto die Masken aufzusetzen, wenn man vorher zu fünft da drin gesessen hat.“

Er habe Verständnis für die Entscheidung der Verantwortlichen des RSV Kleinseelheim, vorerst nicht mehr spielen oder trainieren zu wollen (die OP berichtete gestern), sagt Clasani. Der FV Wehrda werde zunächst weiterspielen, wenn es keine andere Entscheidung durch Verantwortliche gebe. Der Sportliche Leiter hat aber eine klare Meinung: „Der Landkreis sollte klar Stellung beziehen und verfügen, dass die Saison unterbrochen werden muss.“

Auch wirtschaftlich sei die Lage unbefriedigend: „Es kommen oft sowieso nicht viel mehr als 100 Zuschauer. Aber wenn, wie vom Kreis angekündigt, keine Würstchen und keine Getränke verkauft werden dürfen, dann spüren das die Vereine in der Kasse.“

Der TSV Caldern wird wohl am Sonntag mehrere hundert Euro weniger einnehmen als ursprünglich kalkuliert. „Zum Derby gegen die SG Rosphe haben wir mit 200 Zuschauern gerechnet“, erklärt der Vorsitzende Tobias Quentin. Und wenn mehr als die 100 erlaubten kommen? „Dann müssen wir erklären, dass niemand mehr rein darf“, antwortet er. „Wir werden uns ganz sicher nichts zu Schulden kommen lassen und uns strikt an die Auflagen halten. Das Essen und Getränke haben wir schon abbestellt“, berichtet er und erwartet: „Ich glaube nicht, dass jemand, der nicht mehr aufs Sportgelände darf, dann wieder geht. Die Leute werden draußen bleiben und das Spiel von dort anschauen. Von denen nehmen wir dann nichts ein, während die laufenden Kosten für Strom, Wasser, Schiedsrichter und so weiter nicht wegfallen.“

Also Saison ab- oder zumindest unterbrechen? Quentin ist zwiegespalten, denn: „An sich bin ich dafür, dem Hobby nachzugehen, solange es möglich ist.“

Von Stefan Weisbrod