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Es hält nur fünf Jahre, aber die Erinnerung bleibt
Es hält nur fünf Jahre, aber die Erinnerung bleibt
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11:58 13.06.2021
Die Frauenmannschaft des TSV 1888 Amöneburg vor dem Spiel gegen Amöneburg/Wiesbaden am 2. August 1971 mit (hinten von links) Betreuer Ernst Nebel, Christiane Henge, Christel Kliem, Marie-Luise Kliem, Loni Dickhaut, Heidi Ebert, Gutrun Weber, Brigitte Zimmer, Maria Maus, Gabriele Weber, Rita Braun, Lucia Braun und Trainer Hermann Kliem sowie Doris Papst (vorn von links), Hannelore Michel, Monika Braun und Elsa Müller.
Die Frauenmannschaft des TSV 1888 Amöneburg vor dem Spiel gegen Amöneburg/Wiesbaden am 2. August 1971 mit (hinten von links) Betreuer Ernst Nebel, Christiane Henge, Christel Kliem, Marie-Luise Kliem, Loni Dickhaut, Heidi Ebert, Gutrun Weber, Brigitte Zimmer, Maria Maus, Gabriele Weber, Rita Braun, Lucia Braun und Trainer Hermann Kliem sowie Doris Papst (vorn von links), Hannelore Michel, Monika Braun und Elsa Müller. Quelle: Privatf
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Amöneburg

Das Frauenteam des TSV Amöneburg hat von 1971 an erfolgreich gespielt – nicht nur in der heimischen Region. „Damals haben wir uns in Niederklein ein Fußballspiel der dortigen Frauen gegen die aus Wahlen angeschaut“, erinnert sich Hermann Kliem. Das war am Pfingstmontag vor 50 Jahren und quasi die Geburtsstunde des Frauenfußballs im TSV 1888 Amöneburg.

Seinerzeit befindet sich der organisierte Fußball der Frauen noch in der Etablierungsphase. Allerorten gibt es von Chauvis zuweilen milde belächelte Bestrebungen der Frauen, sich auch in dieser vermeintlichen Männerdomäne zu emanzipieren. Heute genießt der Frauenfußball weltweit hohes Ansehen und Zuspruch, auch wenn er als Werbemarkt weniger attraktiv zu sein scheint und somit die Millionen in die Töpfe der Männerligen fließen.

Nachfrage war groß

Kliem, ein begeisterter Fußballer durch und durch, der erst im 59. Lebensjahr seine Karriere als Aktiver in diversen Teams beim TSV Amöneburg beendete, hat sich mit dem Gedanken an die Gründung eines Frauenteams im TSV angefreundet.

„Nach der Partie in Niederklein haben wir uns mit den Frauen in gemütlicher Runde getroffen und beschlossen, auch in Amöneburg eine Damenmannschaft zu gründen“, sagt Kliem, der inzwischen 81 Jahre alt ist. Gesagt, getan! Die Nachfrage ist groß, und die erste Frauenmannschaft Amöneburgs startet 1971 in der Kreisliga Marburg, und Kliem fungiert als Trainer und Betreuer.

In Top-Form

Er bringt seine Spielerinnen in Top-Form und führt akribisch Buch über Aufstellungen und Torschützinnen. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Die Frauen besuchen Turniere in Deutschland und darüber hinaus. Sie knüpfen freundschaftliche Bande mit Teams aus Dänemark und Holland. „Wir hatten auch untereinander ein sehr gutes Verhältnis“, betont Kliem, „in den erfolgreichen Jahren hatten wir mehr Zuschauer als das Männerteam des TSV.“

Andere Vereine werden aufmerksam auf die ein oder andere Spielerin. So wechseln Heidi Ebert und Regina Schwarz in die 1. Division nach Holland bzw. zum TSV Battenberg in die Bundesliga.

Die Bilanz lässt sich sehen

Die Blüte des Amöneburger Frauenfußballs dauert jedoch nur fünf Jahre. Deren Bilanz lässt sich allerdings sehen: Kliems Schützlinge erringen jeweils die Kreismeisterschaft verbunden mit dem Aufstieg in den Spieljahren 1974/75 sowie 1975/76. Auch in der Halle stellen sie ihr Können unter Beweis. Im ersten Cappeler Damen-Hallenfußballturnier holen sie im November 1974 nach einem 1:0 im Finale gegen Cappel den Siegerpokal. Heidi Ebert erzielt das entscheidende Tor.

„Ich hatte nach dem letzten Titelgewinn wie angekündigt mein Traineramt niedergelegt und mich auch nicht mehr umstimmen lassen.“ Ein Jahr später ist der Frauenfußball in Amöneburg Geschichte. Doch die Erinnerung an diese Zeit bleibt. „Es gab noch ein Treffen der ehemaligen Mannschaft. Fast alle waren gekommen“, sagt Kliem.

Von Bodo Ganswindt