Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Der fast perfekte Abschied des Kevin Vidakovics
Sport Lokalsport Lokalsport Der fast perfekte Abschied des Kevin Vidakovics
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 07.06.2021
Applaus von seinen Mitspielern und den Zuschauern im Herrenwaldstadion sowie unter anderem einen Blumenstrauß gab es vor dem letzten Regionalliga-Heimspiel von Eintracht Stadtallendorf für Kevin Vidakovics, der die Herrenwälder nach elf Jahren im Sommer verlässt – genau wie Jascha Döringer, Laurin Vogt, João Borgert, Ibrahim Mirza Aral und Yannis Grönke.
Applaus von seinen Mitspielern und den Zuschauern im Herrenwaldstadion sowie unter anderem einen Blumenstrauß gab es vor dem letzten Regionalliga-Heimspiel von Eintracht Stadtallendorf für Kevin Vidakovics, der die Herrenwälder nach elf Jahren im Sommer verlässt – genau wie Jascha Döringer, Laurin Vogt, João Borgert, Ibrahim Mirza Aral und Yannis Grönke. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Stadtallendorf

Im Hessenderby der Fußball-Regionalliga Südwest bricht die 90. Minute an. 0:3 liegt der TSV Eintracht Stadtallendorf gegen den FC Gießen zurück, die Messe ist längst gelesen. Was die wegen Corona nur zugelassenen 200 Zuschauer im Herrenwaldstadion nicht wissen: Der emotionalste Moment des Tages kommt erst noch. Damijan Heuser bringt den Ball per Freistoß in den Strafraum, wo Kevin Vidakovics hochsteigt und einköpft. Dass der 30-Jährige damit nur den 1:3-Endstand markiert, stört kaum jemanden. Schließlich ist dies das hollywoodreife Ende – nicht das eines Tages, nicht das einer Saison, sondern das einer Ära.​

Denn in Vidakovics traf nicht nur der Kapitän, der Führungsspieler schlechthin, nicht nur der Akteur, der wegen einer kurz vor Saisonstart zugezogenen schweren Knieverletzung in einem Testspiel gegen Gießen bis dato alle Partien der Mammutsaison verpasst hatte und seine Rückkehr feierte. Es traf der Spieler, für den es nach elf Jahren im Trikot der Eintracht das letzte Heimspiel war, vielleicht die letzte Partie überhaupt. „Das war das schönste Geschenk“, kommentierte Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja den Treffer, über den sich in Ex-Profi Michael Fink sogar der Kapitän des FC Gießen freute – zumindest ein wenig: „Er hat mich in der Szene zwar mit dem Ellenbogen am Kopf getroffen, dem Schiri reichte das aber nicht für ein Foul. Egal, ich wünsche Kevin das Tor. Er hat elf Jahre hier eine super Arbeit geleistet und ist ein toller Spieler.“

Nach seiner „Bude“ fiel der 30-Jährige zu Boden, blieb sekundenlang liegen, hielt seine Hände vors Gesicht. „Laurin Vogt fragte mich, ob etwas mit meinem Knie ist. Ich sagte nur: ,Nein, ich kann es einfach nicht fassen’“, verriet ein aufgewühlter Vidakovics, der im Abschlusstraining noch mit Sicaja darüber gesprochen hatte, was passiert, wenn er trifft – und seinem Coach das Tor ankündigte. Er hielt Wort. Für Vidakovics war es sein dritter Treffer im 55. Regionalligaspiel, letztmals traf er im April 2019 gegen Wormatia Worms.

Vor dem Anpfiff war der „Capitano“ nicht der einzige, der verabschiedet wurde, während das Lied „Niemals geht man so ganz“ von Trude Herr aus den Lautsprecherboxen tönte. In Laurin Vogt und Jascha Döringer gehen zwei weitere Leistungsträger der vergangenen Jahre. Beide erhielten – wie Kristian Gaudermann – ein Sondertrikot für mehr als 100 Regionalliga-Partien für den TSV. Neben dem Trio kehren dem Absteiger auch Yannis Grönke und Ibrahim Mirza Aral den Rücken, überdies João Borgert, den es nicht nur aus privaten Gründen zurück nach Brasilien zieht. „Wir hätten ihn gerne gehalten“, sagte Sicaja. Doch der 20-Jährige will seinen Traum vom Profitum anderswo realisieren.

Zuvor erwies der Torhüter aber noch seinem Kapitän die Ehre, als dieser in der 75. Minute unter Kevin-Vidakovics-Sprechchören aus der Fankurve für Ben-Luca Fisher das Spielfeld betrat. Alle Eintracht-Spieler auf dem Platz begrüßten den Innenverteidiger dabei an der Seitenlinie. „Das war richtig geil, sehr emotional – auch wenn es den Schiri etwas genervt hat, weil er weiterspielen wollte“, schmunzelte Vidakovics, der eine kräftige Umarmung von Gaudermann erhielt, als der ihm die Kapitänsbinde überreichte – ein letztes Mal.

Denn der Außenverteidiger sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt damit am kommenden Samstag (14 Uhr) am letzten Spieltag beim VfB Stuttgart II. Ob das Gießen-Spiel damit auch für „Gaudi“ das letzte im TSV-Dress war, wird sich nach Abschluss der Runde entscheiden. Der 25-Jährige hat dem Verein mitgeteilt, im Sommer trotz eines laufenden Vertrages eine neue sportliche Herausforderung annehmen zu wollen.

Diese sucht Vogt nach 217 Partien im Eintracht-Trikot seit 2014 ab Sommer bei Stadtallendorfs künftigem Hessenligakonkurrenten Rot-Weiß Walldorf. Das neue Ziel von Döringer ist noch nicht fix, wie er der OP verriet. „Ich habe keinen Stress, werde mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Es geht auch darum zu entscheiden, in welcher Konstellation ich mich am wohlsten fühle, worauf ich den Fokus lege“, sagte Döringer, dem nicht bange um die Eintracht ist, denn: „Es bleiben wichtige Stützen – Spieler wie Malcolm Phillips, der der Mannschaft seinen Stempel aufgedrückt hat oder Damijan Heuser, der Führungsspieler werden wird“, prophezeite der 24-Jährige an einem Tag, an dem alles perfekt lief – abgesehen vom Spielausgang.

Von Marcello Di Cicco