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Lokalsport Der TTV Richtsberg löst sich auf
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10:00 25.06.2020
Petra Frank spielte bislang erfolgreich für den 1. TTV Richtsberg. Weil der Verein den Spielbetrieb einstellt, geht die ehemalige Regionalligaspielerin künftig für den TTC Ginseldorf an die Platte. Quelle: Michael Hoffsteter
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Marburg

50-jährige Bestehen sind Jubiläen, die Vereine in der Regel groß feiern – mit Festakt, Party oder Sportfest. Beim 1. TTV Richtsberg würde im kommenden Jahr eben jener runde Geburtstag anstehen. Dass nicht gefeiert wird, liegt aber nicht an der Coronavirus-Pandemie, die für planerische Ungewissheiten sorgt, sondern hat einen einfachen Grund.

„Der Verein wird nur noch bis Ende des Jahres bestehen“, sagt die TTV-Vorsitzende Sabine Knierim schweren Herzens. Denn die 57-jährige Marburgerin ist seit 33 Jahren im Vorstand des TTV tätig, davon 15 Jahre als Vorsitzende. Aus gesundheitlichen und privaten Gründen ist es Knierim allerdings nicht möglich, sich weiter zu engagieren, auch nicht Kassenwart Peter Grzybowski. Nachfolger für beide Schlüsselämter finden sich beim TTV nicht. „Das ist sehr schade“, bedauert Knierim, laut der das fehlende ehrenamtliche Engagement „schon länger“ Hauptproblem des TTV sei, der zu den erfolgreichsten Tischtennisvereinen im Landkreis Marburg-Biedenkopf zählt.

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Nach dem Weggang von Trainer Asen Asenov 2015 ging es mit der Jugendarbeit stetig bergab. Anfang 2019 stellte der Verein seine Nachwuchsarbeit komplett ein – notgedrungen. „Die Kinder, die wir aufgebaut haben, konnten wir nicht für unsere Verbandsliga-Mannschaft halten“, erklärt Knierim. Top-Talente wie Adam Janicki, Marco Grohmann oder Johannes Linnenkohl spielten noch vor einigen Jahren für den TTV, der in der Saison 2012/2013 Hessischer Mannschaftsmeister bei den Schülern wurde. Nun heißt die Zukunft für 23 TTV-Spieler: TTC Ginseldorf. Sie wechseln zum 1. Juni zum Konkurrenten aus dem Marburger Stadtteil.

„Mit den Ginseldorfern hatten wir schon immer ein gutes Verhältnis“, sagt Knierim, „und ehe wir den Verein ganz zumachen, wollten wir unseren Sportlern zumindest eine Perspektive bieten.“ Da beide Vereine bereits 2018 ein gemeinsames Jugendprojekt angestoßen hatten und einige Spieler beider Teams schon beim anderen Verein aktiv waren, lag die Idee nahe, beim TTC anzuklopfen – was schließlich im März dieses Jahres geschah, kurz vor den Corona-Beschränkungen.

Laut Martin Althaus gab es unter den eigenen Aktiven kaum bedenken, die TTVer in so ungewöhnlich großer Anzahl aufzunehmen. „Wir haben das nicht nur im Vorstand, sondern mit jedem Spieler persönlich besprochen“, betont der 35-Jährige, der seit 2009 TTC-Vorsitzender ist.

Statt wie zuletzt vier Teams mit 30 aktiven Spielern meldet der TTC für die kommende Saison acht Männermannschaften – gleich zwei davon in der Verbandsliga, weil das dortige Spielrecht des TTV übernommen wird. „In der Verbandsliga wollen wir zu den Top drei gehören“, formuliert Althaus ein Ziel. Weil es keine Frauen-Kreisliga geben wird, bilden Spielerinnen mit den Männern Mixed-Teams, so etwa Petra Frank. Die Bad Berleburgerin gehörte vor einigen Jahren noch zur Regionalliga-Mannschaft und damit zum damaligen sportlichen Aushängeschild der Richtsberger und des hiesigen Tischtenniskreises.

Althaus sind im Zuge der Integration der TTV-Akteure mehrere Dinge wichtig: So solle es „keine Blockbildung“ unter den arrivierten und neuen Spielern geben, Teams würden gemischt. „Jeder soll sich mit dem Verein identifizieren können“, wünscht sich der 35-Jährige – ganz im Sinne des Vereinsmottos, das da lautet: „Leidenschaft, Gemeinschaft, Tradition“. So sei es auch von beiden Seiten nie Thema gewesen, den Namen des Vereins zu ändern.

Weiterhin freut sich Althaus, dass mit dem Zustrom die sportliche Bandbreite gestärkt wird, die der Verein zu bieten hat – mit Mannschaften von der Verbandsliga bis zur Kreisklasse. „Damit können wir jedem unserer Jugendlichen eine Perspektive bieten, wenn sie zu den Senioren wechseln“, sagt Althaus. Denn auch künftig sollen Spieler jeder Leistungsstärke beim TTC ihr sportliches Zuhause finden können. Apropos Zuhause: Als Trainings- und Spielstätten können die Aktiven künftig sowohl die Sporthalle der Richtsberg-Gesamtschule als auch das Bürgerhaus Ginseldorf nutzen.

Ein kleines Trostpflaster gibt es dann für die neuen TTC-Spieler vom Richtsberg auch noch. Denn die Ginseldorfer feiern im kommenden Jahr ebenfalls runden Geburtstag. Anlässlich des 70-jährigen Bestehens richtet der TTC am 10. und 11. April die Hessenmeisterschaften der Klassen A bis E aus. 256 Sportler kommen dann nach Marburg, wo die Titelkämpfe ausgetragen werden.

„In den 1980er- und 1990er-Jahren haben wir schon Deutsche Meisterschaften und auch Deutsche Rollstuhlmeisterschaften ausgerichtet“, erinnert sich Althaus. Soll heißen: Erfahrung mit großen Turnieren hat man beim TTC zur Genüge. Mehr helfende Hände können aber sicher nicht schaden.

Zu den Vereinen

Der 1. Tischtennisverein (TTV) Richtsberg wurde 1971 gegründet. Mit der Aufgabe des Spielbetriebs zur kommenden Saison und der Auflösung des Vereins Ende des Jahres wechseln 23 Aktive und damit etwas weniger als die Hälfte aller Vereinsmitglieder zum Tischtennisclub (TTC) Ginseldorf. Der Verein aus dem Marburger Stadtteil besteht seit 1951, zählt 280 Mitglieder und ist ein Mehrspartenverein, der auch Damengymnastik, Aerobic, Walking, Kinderturnen, Eltern-Kind- Turnen und Zumba anbietet.

Von Marcello Di Cicco

22.06.2020
21.06.2020
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