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Michelbach verpasst KOL-Aufstiegsrunde
Michelbach verpasst KOL-Aufstiegsrunde
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16:59 20.12.2021
Erksdorfs Sercan Sarica (links) lässt den Ball im Zweikampf gegen Michelbachs Michael Ruebe nicht aus den Augen.
Erksdorfs Sercan Sarica (links) lässt den Ball im Zweikampf gegen Michelbachs Michael Ruebe nicht aus den Augen. Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Es bricht die 83. Minute an. In der Nachholpartie der Kreisoberliga zwischen dem TSV Erksdorf und dem TSV Michelbach steht es seit einer Minute 2:2. Ein Ergebnis, das beiden Mannschaften nichts bringt. Mit dem Remis schafft es Michelbach nicht in die Aufstiegsrunde und Erksdorf verliert Zähler in der Abstiegsrunde.

Einige Zuschauer stellten zu diesem Zeitpunkt bereits Vermutungen auf: „Vielleicht haut sich Erksdorf noch ein Tor selbst rein oder die Spieler passen mal kurz nicht auf.“ Doch es kam alles anders: Michelbachs Adrian Fricke foult Paul Christ im Strafraum. Schiedsrichter Philipp Henry zeigt in der dritten Minute der Nachspielzeit auf den Punkt. Serkan Erdem schnappt sich den Ball und schiebt den Strafstoß flach links ins Tor. Damit erzielt er nicht nur einen Doppelpack (1:0, 41.) in dieser Partie, es ist auch der Siegtreffer zum 3:2-Endstand.

„Wir waren bereit, zwei Punkte liegenzulassen, wenn wir unentschieden gespielt hätten. Wir haben keine krummen Dinger gemacht und uns den Ball noch selbst reingeschossen, sondern haben bis zum Ende Gas gegeben, um das Spiel sportlich fair zu Ende zu bringen“, erklärt Erksdorfs Trainer Serdar Özsoy, der mit der Leistung seines Teams zufrieden war.

Im Gegensatz dazu bedarf es bei den Gästen einer deutlichen Ansprache des Übungsleiters Kai Ranke in der Halbzeitpause. „Alles, was wir uns vorgenommen hatten, haben wir komplett vermissen lassen. Unser Zweikampfverhalten. Dann haben wir uns bei eigenem Ballbesitz versteckt und wollten Serkan Erdem doppeln – dann macht er ausgerechnet im eins-gegen-eins das Tor“, sagte Ranke, der diese Punkte in der Kabine „lautstark“ ansprach.

Das zweite Gesicht

In der zweiten Hälfte trat Michelbach dann mit einem anderen Gesicht auf. Sieben Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da trifft Michelbachs Florent Raishtaj zum 1:1-Ausgleich.

Damit nicht genug: Nur vier Minuten später ist es wieder Raishtaj, der den Ball an die Querlatte schießt, der von dort ins Tor springt – die Partie ist mit 2:1 aus Sicht der Gäste gedreht.

„Die zweite Halbzeit war spielerisch, läuferisch und auch kämpferisch im Vergleich zur ersten in Ordnung. Aber wir haben unsere Chancen nicht gemacht. Nach dem 2:1 hätten wir den Sack zu machen müssen. Ganz klar müssen“, stellt Ranke fest. Damit meint der Michelbacher Coach Möglichkeiten wie die, als drei seiner Spieler allein vor Erksdorfs Keeper auftauchen und Raishtaj den Ball neben das Tor schießt (73.). „Wenn man vorne die Dinger nicht selbst macht, dann rächt sich das – und das war heute leider wieder der Fall. Wir hatten schon die Chancen, das Spiel ganz klar entscheiden zu können oder eher zu müssen“, fügt Ranke an. Neun Minuten vor Ende der Partie kommt Erksdorfs Serder Tokas zum Schuss und verwandelt den Ball zum 2:2-Treffer.

In den letzten Spielminuten foult Erksdorfs Guenay Oezbay einen Gegenspieler – seit der 73. Minute war er schon mit Gelb vorbelastet. Ohne den Pfiff des Unparteiischen abzuwarten, läuft Oezbay zur Seitenlinie, um seine Zehn-Minuten-Sperre abzusitzen und ruft: „Ich hab’ schon Gelb“. Diese Aktion entsprach den Forderungen seines Trainers.

„Wir wollten heute Fußball spielen und mit Sportlichkeit überzeugen. Meine Mannschaft war nicht nur sportlich, sondern auch in puncto Fairness phänomenal. Das hat mir imponiert, wie mein Team heute Kampfgeist gezeigt hat“, sagte Özsoy.

Von Leonie Rink