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20:28 21.10.2020
Wolfgang Pfeiffer (links) und Ralf Luthe vom Spielausschuss des RSV Kleinseelheim. Quelle: Thorsten Richter
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Kleinseelheim

Zwei Spieler hatten zuvor Bedenken darüber geäußert, trotz steigender Infektionszahlen weiter zu spielen. „Wir wollen vernünftig sein“, sagt Spielausschuss Ralf Luthe. „Fußballspielen passt nicht zu dem, was derzeit in der Gesellschaft läuft.“

Wenn drei Menschen aus unterschiedlichen Haushalten zusammen ein Bier trinken, erhalten sie einen Bußgeldbescheid. „Da kann es nicht sein, dass 22 Spieler aus unterschiedlichen Haushalten gegeneinander Fußball spielen“, sagt Luthe. Man trage als Verein auch Verantwortung für Mitglieder, die der Risikogruppe angehören. „Wir haben im Landkreis Eskalationsstufe 5 erreicht – mehr geht nicht“, macht er deutlich.

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Wichtig ist Luthe und seinem Spielausschuss-Kollegen Wolfgang Pfeiffer im OP-Gespräch vor allem eins: „Wir wollen keinem das Fußballspielen verderben.“ Luthe hofft auf Solidarität und ein Umdenken. „Wir wissen aber auch, dass es Gegenwind geben wird“, sagt Pfeiffer. Die Kommentare unter einem entsprechenden Beitrag auf der Facebook-Seite des RSV zeigen ein anderes Bild. Dort erhielt der A-Ligist viel Zuspruch und hunderte Likes.

Luthe und Pfeiffer wissen nicht, wie es jetzt weitergehen wird. „Wir tragen aber alle Konsequenzen“, sagt Pfeiffer. Im schlimmsten Falle bedeutet dies nach drei Spielabsagen den Mannschaftsrückzug und den Abstieg in die B-Liga, wie Kreisfußballwart Peter Schmidt auf OP-Anfrage mitteilt. „Wir müssen alle gleich behandeln.“ Wenn ein Spieler nicht spielen wolle, müsse man einen Ersatzspieler spielen lassen. „Ich kann die Sorgen und Nöte verstehen, aber es gibt bestimmt in jedem Verein Leute, die derzeit unsicher sind“, sagt Schmidt.

Der Fußballkreis Marburg könne nicht alleine entscheiden, ob weitergespielt werden solle oder nicht. Sonst könne es zu Problemen bei kreisübergreifenden Spielklassen kommen. „Uns sind die Hände gebunden. So lange Kontaktsport erlaubt ist, müssen wir es zulassen“, sagt auch Klassenleiter Christoph Witzel.

Der Hessische Fußballverband plant nicht, etwas am aktuellen Spielbetrieb zu ändern. Das sagte ein Sprecher auf OP-Anfrage. „Wir halten uns an die behördlichen Vorgaben und wollen den Spielbetrieb aufrechterhalten.“ Man müsse erst weitere Anordnungen des Landes Hessen abwarten.

Auch der Landkreis will Kontaktsportarten nicht untersagen, teilt der stellvertretende Pressesprecher Sascha Hörmann mit. Allerdings müsse dies noch mit der Landesregierung abgestimmt werden. „Was es geben wird, ist eine Begrenzung der Zuschauerzahl. Bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel werden zukünftig nur noch 100 Zuschauer erlaubt sein. Bei Wettkämpfen oder Sportveranstaltungen in Sporthallen werden keine Zuschauer zugelassen.“ Eine Ausnahme gebe es nur für minderjährige Sportler. Sie dürfen jeweils einen Erziehungsberechtigten mitbringen. Zudem soll der Verkauf und Verzehr von Speisen und Getränken bei Sportveranstaltungen grundsätzlich verboten werden.

Eine herbe Einschränkung; vor allem für kleine Dorfvereine aus den Kreisligen, die auf ihre sonntäglichen Umsätze angewiesen sind. Mit einem halben Dutzend von ihnen hat Wolfgang Pfeiffer noch am Dienstagabend telefoniert, bevor der RSV seine Entscheidung ins Internet stellte. Viele teilten seine Bedenken. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht“, sagt Pfeiffer. „Aber worauf sollen wir noch warten?“, fügt Luthe hinzu. In Schulen und in den Betrieben werden Gruppen strikt voneinander getrennt, sagt Luthe. „Aber wir vermischen hier Menschen. Das passt doch nicht zusammen.“

Was den Kleinseelheimern bleibt, ist neben der Hoffnung auf Unterstützung durch andere Vereine das Warten auf bessere Zeiten. „Wenn die Zahlen wieder runtergehen, bin ich der Erste, der wieder auf den Sportplatz geht“, sagt Luthe.

Von Tobias Kunz

21.10.2020
21.10.2020