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Lokalsport Der Fußball braucht Geduld
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17:59 07.04.2020
„Nicht der DFB, nicht der HFV, nicht die Fußballkreise, sondern die Virologen und die Politik entscheiden, wann es wie weitergeht", sagt Peter Schmidt, Kreisfußballwart Marburg. Quelle: Tobias Hirsch/Archiv
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Marburg

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) setzt seinen Spielbetrieb bis auf Weiteres aus. Dies teilte der HFV am Samstag, 4. April, nach einer Video-Vorstandssitzung mit.

Damit bestätigte der HFV nochmal den Entscheid des Deutschen Fußball-Bundes vom Freitag, den Amateurfußball deutschlandweit bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Diesem hatten sich alle 21 Landesverbände angeschlossen. Insofern war der Beschluss des HFV am Samstag nur noch reine Formsache.

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Einigkeit herrscht laut HFV darüber, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit 14 Tagen Vorlauf erfolgen müsste. Ein einheitliches Vorgehen aller 32 hessischen Fußballkreise im Umgang mit der Saison 2019/2020 werde angestrebt.

Fortsetzung Mitte Mai bleibt Spekulation

„Selbstverständlich stehen wir hinter dieser Entscheidung“, sagt Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt, auch wenn er unlängst gemeinsam mit weiteren Fußballkreisen aus seiner Region (Gießen, Wetzlar, Dillenburg, Alsfeld, Biedenkopf) dem HFV Vorschläge unterbreitet hat, den Spielbetrieb komplett einzustellen. Damit einhergehend wurden von Schmidt und seinen Amtskollegen Modelle erarbeitet, wie man umgeht in Sachen Auf- und Abstieg.

Doch diese Modelle sind zunächst vom Tisch. „Wenn man davon ausgeht, dass der Fußball jetzt zumindest bis zum 30. April ausgesetzt ist und man die 14 Tage Vorlaufzeit berücksichtigt, hieße dies, dass man frühestens Mitte Mai wieder spielen könnte. Aber auch das ist reine Spekulation“, sagt Schmidt und ergänzt: „Nicht der DFB, nicht der HFV, nicht die Fußballkreise, sondern die Virologen und die Politik entscheiden, wann es wie weitergeht. Und dies steht leider in den Sternen.“

Verbandstag für 6. Juni geplant

HFV-Präsident Stefan Reuß sagte zum Beschluss seines Verbands vom Samstag: „Die aktuelle Situation lässt keine andere Entscheidung als die weitere Aussetzung des Spielbetriebes zu. Wir orientieren uns damit an der behördlichen und staatlichen Verfügungslage und reagieren auf eine nie dagewesene Krise. Wir brauchen Geduld, nicht die Schnelligkeit ist jetzt gefragt, sondern die Genauigkeit und Nachhaltigkeit unserer Entscheidungen, und dies funktioniert nur im Gleichklang mit behördlichen Entscheidungen.“

Für den ursprünglich am 6. Juni 2020 geplanten Verbandstag wurde ein alternativer Zeitplan vorgestellt. Darüber hinaus beschäftigte sich die HFV-Zusammenkunft per Videokonferenz mit den Themen Zeitstrafe sowie Satzungsänderungen zur Erleichterung der Fassung von Beschlüssen auf digitalem Wege. Außerdem erfreulich: Der HFV kommt seinen Vereinen in der Corona-Krise finanziell entgegen.

Rechtliche Fragen offen

Zum Thema Spielbetrieb fand ein ausführlicher Austausch statt, im Zuge dessen zahlreiche Modelle und Szenarien erörtert wurden, auch im Hinblick auf mögliche wirtschaftliche und rechtliche Konsequenzen. „Wir haben im Rahmen der Sitzung des Verbandsvorstandes zahlreiche Szenarien besprochen, wie wir weiterhin mit der Saison 2019/2020 umgehen könnten. Eine solche weitreichende Entscheidung muss gut vorbereitet, aus allen Perspektiven beleuchtet und mit allen möglichen Folgen durchdacht sein“, sagte HFV-Präsident Stefan Reuß. 

HFV-Vizepräsident Torsten Becker ergänzte: „Dabei spielen gerade zivil- und haftungsrechtliche Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle. Wir können erst Entscheidungen treffen, wenn es eine gesicherte juristische Grundlage gibt. Das ist ein eminent wichtiger Punkt. Zudem sind wir noch in Abstimmung mit übergeordneten Verbänden.“

Fristen beim Vereinswechsel

In den vom DFB am Freitag vorgenommenen Anpassungen in der DFB-Spielordnung und DFB-Jugendordnung als Reaktion auf die Corona-Krise geht es unter anderem um den Wegfall der Wartefristen beim Vereinswechsel von Amateuren. Normalerweise gilt, dass Amateure, die mindestens sechs Monate kein Spiel bestritten haben, den Verein wechseln können, ohne dass es dafür der Zustimmung des abgebenden Clubs bedarf.

Nun heißt es darin für die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021: „Die Mitgliedsverbände können insbesondere festlegen, dass Zeiträume, in denen aufgrund der Covid-19-Pandemie kein Spielbetrieb durchgeführt wird, bei der Berechnung des 6-Monats-Zeitraums nach vorstehendem Absatz nicht berücksichtigt werden.“

Mit Beginn der Saison 2021/2022 sollen dann wieder die vorherigen Bestimmungen in Kraft treten. „Hier werden wir entsprechende Anpassungen aufgrund der kurzfristigen Entscheidungen des DFB in unseren Regularien beraten und aufnehmen. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer hessenweiten Lösung und werden diese zeitnah vorstellen“, sagte HFV-Vizepräsident Torsten Becker.

Zudem wurde für den ursprünglich am 6. Juni 2020 in Grünberg geplanten Verbandstag ein alternativer Zeitplan vorgestellt. Demnach könnte der Verbandstag mit der vorherigen Austragung sämtlicher noch ausstehender Kreisfußballtage am 28. November nachgeholt werden.

Zeitstrafenregelung

Nach der Zustimmung des DFB zur Wiedereinführung der Zeitstrafe bei Seniorenspielen auf Kreisebene Anfang März war auch dieses Thema – zu dem noch detaillierte Abstimmungen notwendig sind – Bestandteil der Sitzung des Verbandsvorstandes.

Dazu präsentierte HFV-Präsident Stefan Reuß den aktuellen Stand. Die Zeitstrafenregelung wurde erörtert und soll nach dem entsprechenden Beschluss voraussichtlich zur kommenden Saison eingeführt werden.

Satzungsänderung

Bei Satzungsänderungen ging es um die gerade in diesen Tagen eminent wichtige Erleichterung der Fassung von Beschlüssen auf digitalem Wege.

Die Ergänzungen der neuen Fassung besagen nun, dass Beschlüsse des Präsidiums, des Aufsichtsrates, des Verbandsvorstandes und der Verbandsausschüsse über das Umlaufverfahren per E-Mail hinaus auch auf sonstigen elektronischem Wege, insbesondere auch durch elektronisches Umlaufverfahren sowie im Rahmen einer Telefon- oder Videokonferenz herbeigeführt werden. Beschlüsse des Verbandstages können auch auf elektronischem Wege herbeigeführt werden.

Auch die finanziellen Einbußen der Vereine des HFV sind durch die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie erheblich.

Der HFV ist durch die Schließung der Sportschule und des Sporthotels Grünberg, die voraussichtlich ausbleibende sechsstellige Abgabe aus den Zuschauereinnahmen der hessischen Bundesligisten, gestoppte Qualifizierungsmaßnahmen und abgesagte Veranstaltungen in großem Ausmaß betroffen. Als Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts der hessischen Fußballfamilie möchte der HFV seine Vereine in finanzieller Hinsicht in diesem Jahr aufgrund der besonderen Umstände wie folgt entlasten:

Schiedsrichterpflichtsoll

Da das Schiedsrichterpflichtsoll nicht erhoben werden kann, erfolgen auch keine Bestrafungen (Geldstrafen/Punktabzüge). Die Zahlungen, die sich bezüglich des Schiedsrichterpflichtsolls aus der Saison 2019/2020 ergäben, werden – unabhängig vom weiteren Fortgang der Spielzeit – ausgesetzt.

Die Gebühren der Pflichtabonnements des Verbandsmagazins „Hessen-Fußball“ werden im Kalenderjahr 2020 aufgrund der derzeitigen Situation rund um das Coronavirus bis auf Weiteres nicht in Rechnung gestellt.

Indirekte finanzielle Hilfe

„Die aktuelle Kontaktsperre – verbunden mit der Aussetzung des Spielbetriebs – tut uns allen weh, nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Es ist aber erfreulich zu sehen, wie viele Menschen und Vereine sich in die Gesellschaft einbringen und helfen.

Auch der HFV lebt diesen Solidargedanken und möchte, dass unsere Vereine nicht stärker belastet werden, als sie es durch die Corona-Krise ohnehin schon sind. Direkte Zuwendungen sind uns aus steuerrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Deshalb gewähren wir diese indirekte finanzielle Hilfe“, erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß.

Von Michael E. Schmidt

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