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„Der Chlorgeruch hat mir doch sehr gefehlt“
„Der Chlorgeruch hat mir doch sehr gefehlt“
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13:00 10.12.2021
In ihrer Wohnung hat sich Ilka Herbener einen kleinen Fitnessraum eingerichtet.
In ihrer Wohnung hat sich Ilka Herbener einen kleinen Fitnessraum eingerichtet. Quelle: Foto: Bodo Ganswindt
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Marburg

Sie ist mit jungen Jahren nicht geradewegs ins kalte Wasser geworfen worden. Im Gegenteil: Die heute 46 Jahre alte Ilka Herbener hat als Fünfjährige einen idealen Lehrer, der ihr seinerzeit das Schwimmen behutsam beibringt. Ihr Onkel Peter Augustat, Schwimmmeister in diversen Marburger Bädern, nimmt die Kleine und ihre beiden älteren Schwestern unter seine Fittiche, sodass die Mädels alsbald frei und mit großer Lust schwimmen.

„Es machte und macht mir noch heute einen Heidenspaß“, sagt Ilka Herbener, „und ein bisschen Talent hatte ich auch.“ Dabei bevorzugt sie das Schwimmen in einem fest umrissenen Raum. Das Meer ist eher weniger ihr Medium. Sie schließt sich der Schwimmabteilung des VfL Marburg an und trainiert, um sich auch mit anderen im Wettbewerb zu messen.

Drei Titel bei hessischen Masters-Meisterschaften

Die ersten Wettkämpfe bestreitet sie in der hiesigen Region mit den Schwimmerinnen und Schwimmern aus Marburg gegen die aus Frankenberg, Gießen und Kirchhain. Die Begegnungen tragen dazu bei, dass man sich untereinander kennt. Es entstehen bei aller sportlicher Konkurrenz Freundschaften, an die sich Ilka Herbener gerne erinnert.

Und im Verein selbst wächst der soziale Zusammenhalt, der sich über die Wettkämpfe hinaus auch während etlicher Fahrten ins Ausland entwickelt. „Wir waren zum Beispiel in den USA, in Schottland, Italien, Frankreich, Tschechien und Holland.“ Es verfestigen sich Eindrücke, die sie nicht mehr missen will. Ihre Paradedisziplinen sind das Rücken- und Brustschwimmen. Sie ist recht erfolgreich als Einzelstarterin und mit der Mannschaft, ohne die absolute Spitze zu erreichen. Aber sie hat diese im Blick. Immerhin erreicht sie in ihrer Altersklasse mit der Staffel einen Deutschen-Meister-Titel. Auf Hessenebene sammelt sie zahlreiche Titel. Allein 2019 steht sie neunmal auf dem Siegerpodest. Aktuell schwimmt sie die 100-Meter-Rücken in 1:19 Minuten, und über die 100-Meter-Brust benötigt sich zehn Sekunden mehr. „Natürlich war ich schon mal schneller“, betont sie,“ aber ich freue mich auch über zweite Plätze oder einfach nur über eine gute Zeit.“ Jüngst ergattert sie in Gelnhausen in der Altersklasse 45 drei Siegertitel bei den hessischen Masters-Meisterschaften und wird zweimal Zweite.

Herbener fühlt sich als „Urgestein“ akzeptiert

Dafür trainiert sie regelmäßig mit den Masters – so nennt man die älteren Sportler auf Neudeutsch – im Marburger Aquamar sowie im Wehrdaer Hallenbad. Auch sie muss wegen der Corona-Pandemie zwangsweise pausieren. „Der Chlorgeruch hat mir doch sehr gefehlt, als die Bäder geschlossen waren“, sagt sie. Nun darf sie wieder ihre Bahnen schwimmen. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist?

Einmal pro Woche trainiert die Industriekauffrau, die bei einem heimischen Keksfabrikanten arbeitet, 16 Erwachsene einer Breitensportgruppe. Das macht ihr Spaß. Sie fühlt sich als „Urgestein“ akzeptiert und freut sich, wenn die Jugend sagt: „Wir möchten auch mal so lange den Schwimmsport betreiben.“

Anerkennung und Unterstützung erfährt sie auch in unmittelbarer Nähe. Ihr Partner Marco Schwarz hat ebenfalls eine Affinität zum feuchten Nass. Er paddelt mit Hingabe in einem Drachenboot. Solange sie fit bleibe, will Ilka Herbener schwimmen. Wohl wissend, dass es eben das Schwimmen ist, was sie fit hält. Und in der Altersstaffel gibt es nach oben eigentlich keine Grenzen.

Von Bodo Ganswindt