Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport BC gegen Keltern: Philosophien prallen aufeinander
Sport Lokalsport Lokalsport BC gegen Keltern: Philosophien prallen aufeinander
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:57 02.11.2019
Trainer Patrick Unger gibt den BC-Spielerinnen Anweisungen. Am Sonntag trifft das Team auf Titelfavorit Keltern. Quelle: Michael Hahn
Marburg

Joey Klug wird nicht auf dem Parkett stehen. Nach ihrem Bänderriss, den sich die Flügelspielerin vor knapp zwei Wochen beim 83:57-Sieg über Göttingen zugezogen hat, kommt ein Einsatz am Sonntag (16 Uhr, Georg-Gaßmann-Halle) gegen die Rutronik Stars Keltern noch deutlich zu früh.

Somit werden nicht sechs, voraussichtlich aber doch fünf Blue Dolphins, die auch zum Kader der deutschen Nationalmannschaft gehören, im Einsatz sein: Finja Schaake, Alex Wilke, Steffi Wagner, Marie Bertholdt und Theresa Simon. Am 14. November treffen sie mit der DBB-Auswahl in der EM-Qualifikation auf Nordmazedonien, am 17. November gastieren sie dann in Kroatien. Auch Emma Stach ist dafür nominiert.

Stach spielte vergangene Saison noch für Keltern, schaffte es mit den „Sternen“ bis ins Finale. Die Serie gegen den Herner TC ging mit 2:3 Siegen verloren. Mit einem weitgehend neuen Team unternimmt der Meister von 2018 einen neuen Anlauf auf den zweiten Titel: Neben Stach, die jetzt für PINKK Pécsi in Ungarn aktiv ist, gingen bis auf Jasmine Thomas und Milica Deura auch alle anderen Spielerinnen nach Abschluss der Vorsaison.

Basketball-Bundesliga

Hier geht's zur Tabelle.

Zehn Zugänge gehören zum Kader, eine deutsche Spielerin ist nicht darunter – ein Novum in der Frauen-Bundesliga, in der bis zur Saison 2015/2016 ein Gentlemen’s Agreement, also eine inoffizielle Vereinbarung, vorsah, dass stets eine Deutsche auf dem Parkett stehen sollte. Keltern, aber auch andere Teams, hatten es seinerzeit gebrochen.

Eine verpflichtende Regelung, wie sie etwa in der Bundesliga der Männer besteht (pro Spiel dürfen lediglich sechs Akteure, die keinen deutschen Pass oder nicht bereits als Jugendliche in Deutschland gespielt haben, im Zwölf-Mann-Spieltagskader stehen), gibt es bei den Frauen nicht.

Kelterns Trainer Christian Hergenröther rechtfertigte vor Saisonbeginn den Verzicht auf deutsche Spielerinnen: Es gebe in Deutschland Studentinnen und leistungsorientierte Athletinnen, sagte er gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“: „Diejenigen, die sich auf Basketball fokussieren, spielen meistens im Ausland, weil dort auch bessere Gehälter gezahlt werden können.“ Die Studentinnen kämen nicht infrage, denn: „Bei uns ist es so, dass wir uns über Leistung definieren und auch international spielen.“ Zusätzlich zu Liga und Pokal noch Begegnungen im Eurocup unter der Woche zu bestreiten, sei „nicht der Idealzustand für eine Vollzeitstudentin“.

Für den Marburger Coach sind solche Aussagen seines Kollegen nicht nachvollziehbar: „Natürlich ist es auch für Spielerinnen, die nicht nur Basketballerinnen sind, möglich, international zu spielen“, sagt Unger im Gespräch mit der OP. „Wir spielen ja auch international, und das funktioniert. Es ist nur eine Frage der Organisation.“

Dass Keltern „diesen Weg geht, ist legitim“, sagt Unger, „dort steht das Gewinnen über allem“, meint der 36-Jährige, der auch Nationaltrainer ist. „Wir wollen natürlich auch gewinnen, aber unser Anspruch ist es auch, kontinuierlich zu arbeiten und ein Team zu entwickeln. Das ist eine andere Philosophie. Spielerinnen entscheiden sich für uns, weil sie sehen, dass sie bei uns besser werden können. Keltern holt sich fertige Spielerinnen, da geht es nicht ums Ausbilden.“

Trotz der großen Fluktuation im Kader sieht Unger Keltern als kommenden Meister: „Das ist mit Abstand die stärkste Mannschaft“, meint er, betont aber auch: „Unschlagbar ist sie nicht.“ In bislang sechs Ligaspielen gelangen den Baden-Württembergerinnen zwar sechs Siege, im Eurocup gab es aber nicht nur eine herbe 48:83-Klatsche am Mittwoch im ungarischen Szekszard, zuvor ging auch das nationale Duell gegen Herne mit 65:79 verloren.

„Die Motivation ist auf jeden Fall da“, berichtet Marburgs Coach, für einen Extraschub könnte eine besondere Zuschauerin sorgen: Katie Yohn, bis zum Frühjahr vier Jahre für die Blue Dolphins und zuletzt in einer Sommerliga in Australien aktiv, hat ihren Besuch angekündigt. „Wenn wir viel Energie aufs Parkett bringen und nah ans Maximum kommen, dann haben wir eine Chance“, sagt Unger und hofft, dass seine Spielerinnen aus der jüngsten 65:74-Niederlage in Herne gelernt haben: „Wir haben in der zweiten Hälfte die Struktur verloren. Das darf uns nicht passieren.“

von Stefan Weisbrod