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Lokalsport Einer der besten Springreiter im Land
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16:58 31.07.2021
Springreiter David Will (hier beim Mannheimer Maimarkt-Turnier auf Primus vom Neumühler Hof) hofft auf eine Nominierung für die Europameisterschaft im August.
Springreiter David Will (hier beim Mannheimer Maimarkt-Turnier auf Primus vom Neumühler Hof) hofft auf eine Nominierung für die Europameisterschaft im August. Quelle: Foto: Hansjürgen Britsch/Imago
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Marburg

Die Koffer für einen Urlaub zu packen ist lästig. An viele Dinge ist zu denken – oft vergisst man auch mal etwas. Aber wie ist es, für ein Turnier wie die Olympischen Spiele zu packen und nicht zu wissen, ob man überhaupt die Reise nach Tokio antreten wird?

So ging es dem für die Reitsportanlage Dagobertshausen an den Start gehenden Athleten David Will, der als Fünfter der deutschen Equipe hinter Daniel Deußer, Christian Kukuk, Maurice Tebbel und André Thieme Ersatzreiter für die Olympischen Spiele in Tokio ist. „Man kann sagen, dass ich bis zum Abflug der Springreiter am vergangenen Samstag nach Tokio auf gepackten Koffern saß. Und ich wäre – was zum Glück nicht passiert ist – mit zu Olympia gefahren, wenn ein Reiter für die Spiele hätte absagen müssen“, berichtet Will, der nicht enttäuscht über die verpasste Teilnahme ist. Aus diesem Grund war sein Pferd namens C Vier vom 16. bis 24. Juli in Quarantäne auf dem Bundesstützpunkt in Warendorf.

Will selbst war zu dieser Zeit in der Nähe von Bratislava in der Slowakei auf Turnieren mit einem anderen Pferd. „Ich habe am vergangenen Freitag meinen letzten Corona-Test in Bratislava gemacht, für den Fall, dass ich am Samstag doch noch nach Tokio geflogen wäre“, sagt Will.

Für die Olympischen Spiele hat es am Ende allerdings knapp nicht gereicht. Darüber ist Will auch nicht traurig: „Ich male mir deshalb reale Chancen für eine Teilnahme an der Europameisterschaft aus. Dort möchte ich erst mal Erfahrungen sammeln. Da bin ich sehr nah dran, und darauf bin ich stolz“, fügt der 33-Jährige an. Die EM findet vom 30. August bis 4. September statt, die Teilnehmer werden von Otto Becker, Disziplin-Bundestrainer Springen, nominiert. „Aber man weiß nie, wer am Ende starten darf – auch das entscheidet sich erst nach Olympia“, erklärt der Reiter.

Eine weitere Besonderheit würde sich für Will bei dieser EM ergeben: Der Austragungsort ist Riesenbeck in Nordrhein-Westfalen. „Als Sportler träumt man selbstverständlich von der Teilnahme bei einer EM. Wenn das Turnier dann im eigenen Land ausgetragen wird und die Zuschauer die deutschen Reiter und Reiterinnen besonders anfeuern – dass ist noch mal besonders. Denn auch die Pferde spüren die Stimmung und kämpfen noch einmal mehr“, sagt Will, der mit C Vier eine Medaille nach Marburg holen möchte.

Der gebürtig aus Prien am Chiemsee stammende Will ist durch seine Eltern, die beide Reiter waren, zum Sport gekommen. „Die Liebe zu Pferden und auch zum Sport war da. Man kann sagen, dass ich als Baby das erste Mal auf dem Pferd saß“, erzählt Will. Erst vergleichsweise spät – im Alter von neun Jahren – begann Will damit, einmal die Woche zu reiten. Heute ist das Reiten nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Von montags bis mittwochs lebt er in Marburg und arbeitet mit Richard Vogel in der gemeinsamen Firma. „Bei uns steht die Ausbildung von Pferd und Reiter, der Sport und der An- und Verkauf von Pferden im Vordergrund“, erklärt Will.

An den anderen vier Tagen in der Woche ist der Sportler auf Reitturnieren. „Ich bin sehr viel auf Achse. Deshalb packe ich in die drei Tage, die ich in Marburg bin, auch immer sehr viel rein“, sagt Will. Der gebürtige Bayer ist also das Kofferpacken gewohnt – ob er nun eine Reise antreten muss oder nicht. Für die Europameisterschaft in Riesenbeck hofft er, nicht erneut auf gepackten Koffern sitzen zu bleiben.

Von Leonie Rink