Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport „So wie früher findet’s nicht mehr statt“
Sport Lokalsport Lokalsport „So wie früher findet’s nicht mehr statt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 30.04.2021
Wandern ist für viele in der Corona-Zeit ein Ausgleichssport geworden. Die Wandervereine profitieren davon jedoch kaum.
Wandern ist für viele in der Corona-Zeit ein Ausgleichssport geworden. Die Wandervereine profitieren davon jedoch kaum. Quelle: Archiv
Anzeige
Marburg

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust. Vielmehr kommt es in diesen Tagen all jenen gelegen, denen während der Corona-Epidemie die Decke auf den Kopf zu fallen scheint. Also gilt es, aus „grauer Städte Mauern“ durch „Täler weit und Höhen“ zu wandern beziehungsweise „im schönsten Wiesengrunde“ eine willkommene und überdies gesunde Abwechslung zu genießen.

Scharen von Spaziergängern entdecken die Natur in besonderem Maße, indem sie etwa mit Vesper gefüllten Rucksäck Feld, Wald und Flur durchstreifen.

Zweigeteilte Stimmung

Die zahlreichen Wandervereine betrachten dies mit lachenden und weinenden Augen. Sehen sie sich doch einerseits in ihrer Passion bestätigt, andererseits nimmt das organisierte Wandern in starkem Maße ab. „Wenn Corona vorbei ist, wird es viele Wandervereine nicht mehr geben“, bedauert das Neustädter Wander-Urgestein Ludwig Nothvogel, „nach zwei Jahren ohne eine offizielle Veranstaltung haben wir fast nur noch Mitglieder der Altersklasse 70 plus.“

Immerhin zählen die Wanderfreunde noch 120 Mitglieder, davon sind allerdings etliche passiv. Viele Vereine der Region betrifft dies gleichermaßen. „Unser Vereinsleben war vor allem auch durch ein hohes Maß an Geselligkeit geprägt“, betont der 77-jährige Nothvogel, der in der Vergangenheit viele Veranstaltungen maßgeblich mitorganisiert hat, zu der Hunderte von Teilnehmern aus ganz Deutschland nach Neustadt gekommen waren.

Tageswanderungen in der Umgebung

Ein Wanderplan für dieses Jahr kann schwerlich aufgestellt werden. Corona macht dem einen Strich durch die Rechnung. „Aber auch kleinere Tageswanderungen brauchen einen Ausgangs- und Zielpunkt.

Dafür geeignete Gaststätten sind geschlossen“, sagt Nothvogel. Ein abschließendes Beisammensein in gemütlicher Runde kann also nicht stattfinden. „Das Wandern an sich ist mehr angesagt als je zuvor, aber so wie früher findet es nicht mehr statt“, befindet Robert Korbel, der Wanderwart der Neustädter, „bevor im vergangenen Jahr die Corona-Beschränkungen ausgerufen wurden, haben wir noch zwei Veranstaltungen ausrichten können“.

Viele Menschen unterwegs

Doch er und seine Frau Brunhilde wollen sich den Spaß am Wandern in freier Natur nicht nehmen lassen. Die sogenannten permanenten Wanderwege seien entsprechend ausgeschildert, und wer wolle, könne sich deren Bewältigung nach vorherige Rücksprache auch im Wanderbuch abstempeln lassen. „Ansonsten haben wir in unserem Landkreis wunderschöne Strecken verschiedener Länge, die etwa an herrlichen Streuobstwiesen vorbei zu Schutzhütten führen.“

Dass dies auch von vielen anderen so gesehen wird, haben die Eheleute Korbel auf ihren Touren in Reddehausen, Schönbach und Amöneburg und auf dem Rund-Wander- und Radweg in Neustadt erfahren. „Es sind so viele Menschen unterwegs, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagt der pensionierte Soldat Korbel.

Hinweise zum Wandern

Der Deutsche Wanderverband (DWV) hat auf seiner Homepage ( www.wanderverband.de ) Hinweise über regionale Beschränkungen und Corona-Regeln aufgeführt, die sich aus der aktuellen Verordnung ergeben. Ein Corona-Wegweiser des DWV gibt zehn Empfehlungen für das angemessene Verhalten von Wanderern und Spaziergängern auf dne Wegen, im Wald und auf der Flur.

Von Bodo Ganswindt