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20:58 17.04.2020
Ob „Gui“ da Silva (Mitte, hier gegen Baunatals Janik Szczygiel) und Stadtallendorf in dieser Saison noch mal spielen, ist angesichts der Corona-Krise ungewiss. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Im hessischen Amateurfußball ist der Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt. Dies beschloss der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) bei einer Sitzung am 4. April. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs soll 14 Tage vorher angekündigt werden.

Nicht nur Verbandsfunktionäre und Vereinsverantwortliche treibt die Frage um, wann und wie beziehungsweise ob und unter welchen Umständen die Saison abgeschlossen wird – selbstverständlich auch Spieler und Trainer.

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An die Übungsleiter der hessischen Klubs wandte sich nun Frank Illing, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung, in einem Rundbrief, der der OP vorliegt. Darin bekräftigt Illing die Absicht, „die laufende Runde regulär zu beenden“, denn dies sei „die fairste sportliche Lösung“.

Funktionäre haften privat

Aufgrund der perspektivisch kaum kalkulierbaren Entwicklungen in der Corona-Krise hatte sich Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt bereits für einen sofortigen Saisonabbruch ausgesprochen (die OP berichtete), andere Fußballkreise bevorzugen ebenfalls diese Lösung. In dem Rundbrief an die Trainer machte Illing nun die Problematik eines solchen Szenarios deutlich.

„Unsere Satzung sieht einen hessenweiten Saisonabbruch gar nicht vor. Daher musste diese Option zunächst vor allem auch haftungsrechtlich geprüft werden.“

Peter Schmidt will keine „Geisterspiele“

Das Ergebnis: Ein Saisonabbruch durch das Präsidium oder den Verbandsvorstand bedeute gleichzeitig, „dass die Mitglieder dieser Gremien für den entstehenden finanziellen Schaden auch mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden können. Beispielsweise müsste dann der Fußballwart Eures Kreises mit seinem privaten Geld einstehen“, klärt Illing auf.

Während sich Biedenkopfs Kreisfußballwart Heinz Schmidt gegenüber der OP nicht äußern will, hat Peter Schmidt eine klare Meinung: „Wer glaubt, dass vor dem 31. Mai wieder gespielt werden kann, ist sehr großer Optimist. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen können wir kein Fußball spielen. Das Abstandsgebot ist doch entscheidend“, sagt der Bauerbacher, der „Geisterspiele“ und eine Verschiebung der Saison in den (Spät-)Sommer ablehnt, denn später sei „die Fluktuation bei den Vereinen groß“.

Verbandstag als Lösung?

Wie Illing den Coaches mitteilt, könne die Saison aufgrund der genannten Problematik „nur von einem außerordentlichen Verbandstag abgebrochen werden, um ehrenamtlich tätige Verbandsmitarbeiter von einer Haftung zu befreien“. Der ordentliche Verbandstag des HFV war von Anfang Juni vorläufig auf Ende November verlegt worden. In einigen Fußballkreisen – darunter auch Biedenkopf – waren zuvor die Kreisfußballtage abgesagt worden.

Die Ladungsfrist für einen außerordentlichen Verbandstag betrage mindestens vier Wochen. Soll heißen: Eine solche Versammlung könnte frühestens Mitte beziehungsweise Ende Mai stattfinden. Peter Schmidt könnte sich dennoch vorstellen, diesen Schritt in Betracht zu ziehen, um das Votum der Kreise einzuholen.„Wenn die Rechtsexperten keine andere Möglichkeit sehen, dann muss man es so machen“, meint er.

Schmidt könnte sich als Treffpunkt die Tribüne eines großen Stadions (etwa in Haiger) vorstellen, damit Abstände zwischen den Delegierten eingehalten werden könnten – oder aber ein sogenanntes Umlaufverfahren. Dabei würden die Kreise angeschrieben, deren Delegierte könnten dann wiederum schriftlich abstimmen. Kompliziert – aber was ist schon normal in diesen Zeiten?

Von Marcello Di Cicco

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