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Lokalsport Gabriela Göbel will mindestens einen WM-Titel holen
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10:59 28.05.2022
Gabriela Göbel mit ihrem Mann Uwe im Dartzimmer in ihrer Wohnung in Marburg. An diesem Wochenende spielt die 63-Jährige bei der WM in Chicago.
Gabriela Göbel mit ihrem Mann Uwe im Dartzimmer in ihrer Wohnung in Marburg. An diesem Wochenende spielt die 63-Jährige bei der WM in Chicago. Quelle: Stefan Weisbrod
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Marburg

Die Sammlung von Pokalen und Urkunden ist beeindruckend. Und was hier im Dartzimmer der Göbels steht, sind fast nur Trophäen, die Gabriela erspielt hat. Die, die ihr Mann Uwe gewonnen hat, sind eingelagert. „Ist kein Platz mehr dafür“, sagt er. Findet er aber nicht schlimm: „Sie ist die, die für die Erfolge sorgt“, sagt er über seine Frau.

So ganz stimmt das – jedenfalls beim Blick in die Vergangenheit – nicht: Uwe Göpel war viele Jahre an der Scheibe schwer zu besiegen, gewann Silber im WM-Einzel, wurde Weltmeister mit der Mannschaft, holte einige Europameistertitel. Und heute? „Ich kann’s nicht mehr“, sagt er. Das bezieht er auf das hohe Niveau, auf dem er bis vor wenigen Jahren aktiv war. Ihm fehlt die Muße, täglich stundenlang zu trainieren. Deshalb fördert der 61-Jährige jetzt seine Frau, sozusagen als Manager und Coach in einem.

Immer mit Spaß im Training

Gabriela Göbel ist auch „ein bisschen faul“ geworden, sagt sie selbst. Früher habe sie täglich um die vier Stunden trainiert. Und heute? „Vormittags meist so anderthalb Stunden, nachmittags noch mal eine oder etwas mehr.“ Ihr Mann verweist dann noch auf das Training und die Ligaspiele mit ihrem Bürgelner Team. So viel weniger an Zeit ist es dann doch nicht, die sie mit Pfeilwerfen verbringt. Immer mit Spaß daran? „Ja, immer. Wenn ich irgendwann das Gefühl haben sollte, dass ich nicht mehr spielen will, sondern spielen muss, höre ich lieber auf.“

Sie spielt auf der ganzen Welt

Dazu wird es wohl auch in näherer Zukunft nicht kommen. Wenn die Marburgerin von ihrem Sport erzählt, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. Wo sie schon überall gespielt haben – in Asien, in Nordamerika, in verschiedensten Ländern –, davon berichtet ihr Mann. Sie spricht am liebsten über das Spiel an sich, darüber, dass „die Pfeile jedes Mal anders fliegen“, dass die E-Dart-Variante, die sie am liebsten spielt und in der sie unzählige Erfolge gefeiert hat, für sie besonders attraktiv ist.

Gemeint ist Bullshooter. Die Doppel- und Triple-Felder sind doppelt so groß wie auf einer normalen Dartscheibe. Das macht es zwar einfacher, diese Felder zu treffen. Aber, hebt Uwe Göbel hervor: „Das gilt ja für alle im Wettbewerb. Es ist also nicht einfacher, zu gewinnen.“

WM in Chicago

Aber genau das will seine Frau an diesem Wochenende: gewinnen. In Chicago wird die Bullshooter-WM an diesem Wochenende ausgetragen. Bis Montag, dem „Memorial Day“ in den Vereinigten Staaten, treten mehr als 3 000 Frauen und Männer in verschiedenen Klassen an, spielen verschiedenste Disziplinen. Gabriela Göbel tritt gleich in sieben an: vom klassischen 501, bei dem gewinnt, wer am schnellsten bei null ist, bis zu Teamwettkämpfen. Pausen wird sie zwischen ihren Spielen kaum haben. Und sie will nicht nur dabei sein: „Ich will mindestens einen Titel holen. Das ist mein Ziel, ganz klar“, sagt die Weltmeisterin von 2017 im Cricket-Doppel selbstbewusst.

Sie hat keine Zweifel, dass sie mit teilweise deutlich jüngeren Konkurrentinnen mithalten kann, betont die 63-Jährige, die sich selbst als „Dart-Oma“ bezeichnet, tatsächlich zweifache Großmutter ist. „Letztlich“, weiß sie, „gehört auch ein bisschen Glück dazu.“ Aber wieso sollte sie es nicht haben? Können ist jedenfalls vorhanden, wie sie Anfang Mai bei den Europameisterschaften im spanischen Tarragona unter Beweis stellte: Dort gewann sie nicht nur in der Disziplin Cricket, sondern wurde auch als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet.

Von Stefan Weisbrod