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Lokalsport Faszination für ganz großes Tennis
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11:00 16.11.2020
Jubel und Erleichterung: Roger Federer nach seinem Fünf-Satz-Sieg im packenden Australian-Open-Halbfinale 2017 gegen Stan Wawrinka. Quelle: Dita Alangkara/AP/DPA
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Marburg

Ende 2016, Anfang 2017, das war eine spannende Zeit für Daniel Rodenhausen. Das Abitur hatte er in der Tasche, sein duales Studium begann noch nicht. Diese Möglichkeit nutzte der junge Bürgelner für einen Trip nach Australien, für „Work and Travel“. Er erlebte eine Menge – auch ein sportliches Ereignis, das ihm für immer in Erinnerung bleiben wird. Und das ihn zum großen Tennis-Fan machte.

Für den Sport hatte er sich schon vorher interessiert, hin und wieder mal ein Spiel im Fernsehen gesehen, „wenn es eben gepasst hat“, berichtet er im Gespräch mit der OP, in dem er seine persönliche Fan-Story erzählt. Denn seine Route über den Kontinent brachte ihn auch nach Melbourne, ganz früh im Jahr 2017 – dann, wenn dort stets einer der größten Tennis-Turniere der Welt stattfindet, wenn um einen von nur vier Grand-Slam-Titel gespielt wird. „Die Australier haben es alle geschaut. Ich dachte mir, da muss ich auch mal dabei sein.“

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Fast 500 Dollar für Tickets

Sein Budget war nicht gerade üppig. Er schaute sich den Spielplan an, kalkulierte, wann er Angelique Kerber und Roger Federer würde live sehen können, sicherte sich für 180 Australische Dollar Halbfinal-Tickets für eine „Day Session“ – also die Partien am Mittag und Nachmittag –, hatte aber etwas Pech: Kerber schied im Viertelfinale aus, bei Federer hatte er sich vertan, der sollte doch erst am Abend ran. „War bisschen blöd gelaufen“, sagt er im Rückblick.

Enttäuscht wurde er dennoch nicht, sah die Spiele der Williams-Schwestern Serena und Venus – und anschließend eben doch noch Roger Federer: „Ich weiß nicht, ob da etwas verlegt wurde oder ob ich mich einfach vertan hatte“, blickt er zurück. Jedenfalls fasste er den Entschluss: „Ich will Federer sehen!“ Und deshalb setzte er sich am Vortag hin, suchte online nach Karten. Auf dieselbe Idee kamen noch andere, immer wieder waren Webseiten überlastet. Dann hatte er Glück – und war nochmals rund 300 Dollar, umgerechnet fast 200 Euro, los. „Ich habe mir gesagt, ich bin nur einmal hier unten. Das muss sein.“

Daniel Rodenhausen bei den Australian Open 2017. Quelle: privat

So verbrachte er den ganzen Tag im Melbourne Park, inklusive der „Night Session“ mit einem grandiosen Match zwischen Federer und dessen Schweizer Landsmann Stan Wawrinka. Der „Wow-Effekt“ war ganz schnell da: „Tennis im Fernsehen zu sehen, ist das eine. Aber live kommt erst richtig rüber, was dort geleistet wird“, erzählt Rodenhausen, war vor allem von der einhändigen Rückhand, die beide spielen, beeindruckt.

Der damals 19-Jährige hatte beste Sicht aufs Geschehen. Für sein Geld hatte er einen Platz schräg und etwas erhöht hinter dem Schiedsrichter ergattert – „besser geht’s kaum“. Er erlebte, wie sich Federer den ersten Satz mit 7:5 erkämpfte und den zweiten Durchgang mit 6:3 gewann, wie das Match anschließend zu kippen schien: Wawrinka glich mit 6:1 und 6:4 aus, das Momentum war auf seiner Seite. Doch Federer hatte die richtige Antwort parat, zeigte seine ganze Klasse, holte sich ein Break zum 4:2 und schließlich nach mehr als drei Stunden Spielzeit den entscheidenden Satz mit 6:3.

Ungewohnte Atmosphäre

Es hatte Daniel Rodenhausen komplett gepackt, er war völlig mitgerissen – vom ganz großen Sport, aber auch von der für ihn ungewohnten Atmosphäre: „Im Fußballstadion ist es meistens laut. Aber beim Tennis ist es während der Ballwechsel ja ruhig, nur dazwischen wird angefeuert.“ Gerade das imponierte ihm: „Diese Spannung, die so ein Spiel bietet, spürt man dadurch noch intensiver.“

Gern hätte sich Rodenhausen auch das Endspiel angesehen, in der Rod Laver Arena erlebt, wie Federer seinen zweiten Lieblingsspieler, Rafael Nadal, in fünf Sätzen bezwingt. „Aber das hat das Budget leider wirklich nicht mehr hergegeben.“ Ein riesiges Fan-Erlebnis war es für ihn trotzdem – und eines, das ihn selbst animierte, zum Schläger zu greifen. Ursprünglich wollte er nur mit einem Kumpel spielen, inzwischen ist er Mitglied beim TV Wehrda, steht häufiger auf dem Platz. Ohne seine Erfahrungen in Australien wäre es dazu wohl nicht gekommen.

Fan-Storys gesucht

Sind Sie schon einmal für ein Eishockey-Spiel nach Schweden gefahren? Haben Sie sich in einer Saison zehn Skisprung-Wettbewerbe in verschiedenen Ländern angesehen? Haben Sie bei einem Strandurlaub einen Fußball-Nationalspieler kennengelernt? Wir suchen Ihre persönliche Fan-Story, möchten sie gern in der OP erzählen. Wenn Sie etwas Außergewöhnliches erlebt haben und uns davon berichten möchten, kontaktieren Sie uns bitte – am einfachsten mit einer E-Mail an sportwelt@op-marburg.de oder mit einer Nachricht über die Facebookseite „OP Sport“, erreichbar unter www.facebook.com/sportwelt.

von Stefan Weisbrod