Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Damijan Heuser ist plötzlich auch Torjäger
Sport Lokalsport Lokalsport Damijan Heuser ist plötzlich auch Torjäger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 30.04.2022
Schoss zuletzt fünf Tore in zwei Spielen: Damijan Heuser (links; hier gegen Nino Cassaniti vom SC Hessen Dreieich).
Schoss zuletzt fünf Tore in zwei Spielen: Damijan Heuser (links; hier gegen Nino Cassaniti vom SC Hessen Dreieich). Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Stadtallendorf

Es ist ja nicht so, dass Damijan Heuser in der Vergangenheit keine Tore erzielt hätte. Hat er durchaus. Ein Kracher im Kasseler Auestadion bei einem 2:2 gegen den KSV Hessen hätte ohne schlechtes Gewissen in die Auswahl der Sportschau zum „Tor des Monats“ im August 2019 aufgenommen werden können. Weniger spektakulär, dafür sehr zahlreich, waren die Treffer, die der 24-Jährige in den beiden jüngsten Hessenliga-Partien der Stadtallendorfer Eintracht erzielte: drei beim 5:0-Sieg über den SC Waldgirmes, zuvor zwei beim 2:1-Erfolg über Rot-Weiß Hadamar.

Darauf angesprochen, hebt Heuser zuerst den Erfolg der Mannschaft hervor. Der stehe „über allem“. Aber „natürlich“ sei es „immer ein schönes Gefühl, Tore zu schießen“. Sind es dann auch noch die entscheidenden wie gegen Hadamar – erzielt in einem Spiel, in dem sich die Stadtallendorfer lange schwertaten und dann auch noch in Unterzahl gerieten –, „gibt einem das ein besonders gutes Gefühl“. Und fraglos eine Menge Selbstvertrauen. Der Kirchhainer, aus der Ohmstadt stammend, dort weiterhin lebend, ist nicht gerade für forsche Aussagen bekannt. In der jetzigen Situation aber, in Anbetracht von sechs Punkten Vorsprung in der Tabelle, lässt er im Gespräch mit der Oberhessischen Presse am Ziel keinen Zweifel mehr: „Wir wollen zurück in die Regionalliga und wir wollen Hessenliga-Meister werden.“

Niederlagen seien „nie schön“

Heuser spielt seine sechste Saison bei den Herrenwäldern, seine dritte davon in der Hessenliga – und wohl auch die dritte, die mit dem Aufstieg in die Regionalliga Südwest endet. Einmal, in der Premierenspielzeit 2017/2018, blieb er mit dem TSV Eintracht in der vierthöchsten Klasse, 2019 und 2021 erlebte er Abstiege. „Nie schön“ seien die. Ihm ist bewusst: Schafft die Stadtallendorfer Mannschaft den erneuten Sprung nach oben, wird sie in der Tabelle im nächsten Jahr wieder weit unten erwartet. „Da spielen überwiegend Profiteams, wir sind Amateure“, sagt er. „Aber ich bin davon überzeugt, dass wir diese Klasse spielen können. Andere haben den Druck, den wir nicht haben.“

Aktuell ist es noch genau andersherum, ist es die Eintracht, die ihre Position an der Hessenliga-Spitze verteidigen will, die gejagt wird, gegen die alle Gegner besonders motiviert sind. Dass die Mannschaft in dieser Saison diese Rolle einnehmen würde, war vor Rundenbeginn nicht unbedingt zu erwarten, fiel der personelle Umbruch für Stadtallendorfer Verhältnisse doch sehr groß aus. „Die Mannschaft musste sich erst finden, aber das hat sehr schnell funktioniert“, sagt Heuser im Rückblick. Er selbst hat dabei die Rolle behalten, die er schon in den vergangenen Jahren hatte: als Flitzer auf dem Flügel, derzeit meist auf dem rechten.

Potenzial in der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor

Dort sieht Dragan Sicaja den technisch versierten Linksfuß am stärksten. Die Entwicklung des 24-Jährigen, der 2016 aus der Talentschmiede der TSG Wieseck kam, hat den Trainer nicht überrascht. Er ist überzeugt: Heuser hat noch weiteres Potenzial – nicht zuletzt in einem Bereich: der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. „Er hat immer seine Chancen, trifft dann aber im entscheidenden Moment noch zu oft die falschen Entscheidungen“, sagt der Coach. Explizit auf die jüngsten beiden Partien, in denen sich der Außenbahnspieler plötzlich als Torjäger präsentiert hat, ist diese Aussage freilich nicht bezogen. Sicaja hofft, dass nun „der Knoten geplatzt“ ist, dass es so weitergeht, gern bereits an diesem Samstag im Rückspiel in Hadamar.

Heuser, der ein duales Mittelstandsmanagement-Studium am Bad Wildunger Standort der Technischen Hochschule Mittelhessen absolviert, ist weder auf noch neben dem Platz ein „Lautsprecher“. Sicaja bezeichnet ihn als „zurückhaltenden Jungen. Es ist nicht sein Charakter, laut zu sein.“ Dennoch werde ihm von seinen Mitspielern zugehört. Dieses Empfinden hat der Kirchhainer auch selbst: „Ich denke, dass mein Wort in der Kabine ein gewisses Gewicht hat“ – ein Standing, das er sich über seine Leistung erarbeitet hat.

Von Stefan Weisbrod