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Lokalsport Landessport will Wiederaufnahme des Vereinssports
Sport Lokalsport Lokalsport Landessport will Wiederaufnahme des Vereinssports
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18:55 02.05.2020
Bis Vereinssportler – wie hier die Bezirksoberliga-Handballerinnen des TV Burgsolms – wieder miteinander abklatschen dürfen, wird es wohl noch etwas dauern. Der Landessportbund Hessen spricht sich aber zumindest dafür aus, dass Vereine wieder in ihren Sportbetrieb einsteigen dürfen. Quelle: Nadine Weigel/Archiv
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Marburg

Noch bevor sich Bund und Länder am Donnerstag ein nächstes Mal zur Corona-Krise beraten, macht sich der organisierte Sport bereit für einen „an die Gegebenheiten der Corona-Pandemie angepassten Wiedereinstieg in den Vereinssport“. So heißt es in einer Pressemitteilung des Landessportbundes Hessen (LSBH), in dem 7.600 Sportvereine organisiert sind.

Der LSBH fordert, dass Sportvereine, „die Vorgaben zum Gesundheitsschutz wie das Einhalten von Distanzregeln und Hygienevorschriften gewährleisten können“, ab Anfang Mai wieder Sport anbieten dürfen. Zunächst soll jedoch nur der Trainingsbetrieb stattfinden, noch keine Wettkämpfe.

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Darüber hinaus plädiert der LSBH dafür, dass in den weiteren Beratungen „auch die schrittweise Öffnung der Schwimmbäder aktiv aufgenommen wird“. Aufgrund gesperrter Trainingsstätten sind die Wassersportler besonders von den Einschränkungen des öffentlichen Lebens betroffen (die OP berichtete).

„Es geht auch um soziale Kontakte“

LSBH-Präsident Rolf Müller sieht in der Wiederaufnahme des institutionalisierten Sportbetriebs die „zumindest teilweise Rückkehr in eine an die Gegebenheiten angepasste Normalität“ – zumal Aspekte wie soziales Miteinander und Gemeinschaftsgefühle unter den Einschränkungen litten. Ein Argument, das Ulrike Ristau, Vorsitzende des VfL Marburg, nur bekräftigen kann.

„Gerade für unsere älteren Mitglieder, die das Internet weniger als Kommunikationsmedium nutzen, sind Sportangebote wichtig. Es geht beim Vereinssport nicht nur um das Sich-Bewegen, sondern auch um soziale Kontakte“, gibt die Vorsitzende des in 15 Abteilungen gegliederten Mehrspartenvereins zu bedenken. Mit 2.800 Mitgliedern ist der VfL Marburg einer der größten Sportvereine im hiesigen Landkreis.

„Irgendwann muss es ja mal wieder losgehen“

Wenngleich Jürgen Hertlein, der Vorsitzende des Sportkreises Marburg-Biedenkopf, wie jüngst im OP-Interview weiter mahnt, „sehr vorsichtig zu sein“, so unterstützt er das Bestreben nach einer behutsamen Öffnung des Vereinssports.

„Irgendwann muss es ja mal wieder losgehen, irgendwann muss das normale Leben wieder beginnen“, sagt der Vorsitzende des Sportkreises, dem 400 Vereine mit knapp 85.000 dem Landessportbund angeschlossene Vereinssportler angehören.

Hertlein gibt jedoch auch zu bedenken, dass jeder Verein für sich entscheiden müsse, unter welchen Bedingungen und dass nur unter Berücksichtigung auf die jeweilige Vereinsstruktur der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden könne.

Distanzregeln sowie Hygienevorgaben bleiben

Darauf weist auch der Landessportbund hin, der auf ein Konzept des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verweist, nach dem der Infektionsschutz weiter Vorrang haben müsse. Die Einhaltung von Distanzregeln sowie Hygienevorgaben und der Verzicht auf Körperkontakte zählen dazu.

„Beim Training Abstand zu halten ist nicht ganz einfach, aber möglich“, meint Hertlein. Weiter heißt es vonseiten des LSBH, dass „Vereinsheime und Duschanlagen geschlossen bleiben, Trainingsgruppen verkleinert und Risikogruppen besonders geschützt werden“ müssten.

Akzeptanz für die Einschränkungen ist groß

Geht es nach Ulrike Ristau, dürften diese Vorkehrungen aber nicht zu einer Selektion führen – etwa dahingehend, dass in Outdoor-Sportarten wie Leichtathletik oder Lacrosse wieder der Trainingsbetrieb anläuft, während Hallensportler auf der Strecke bleiben.

„Insofern ist es eine ganz schwierige Abwägung“, weiß Ristau, „vielleicht könnte man dieses Problem aber umgehen, indem man die Sportler der einen bei denen der anderen Sportart mittrainieren lässt.“

Generell sei die Akzeptanz bei den hiesigen Vereinen und Sportlern groß, was das Verständnis für die Einschränkungen angeht. „Die Vereine richten sich an der ganz großen Linie der Gesellschaft aus“, lobt Hertlein – genau wie Peter Jacobi, Geschäftsführer des hiesigen Sportkreises: „Die meisten Vereine versuchen bestmöglich, ihre Angebote ins Homeoffice zu übertragen, etwa mit Sport im Freien“, sagt Jacobi.

Lösungen sind gefragt

Ristau ist zumindest guter Dinge, dass die Vereine „ab nächster Woche zumindest wieder einen Teil ihres Sportbetriebes aufnehmen können“, sagt sie – und mahnt an, für bestimmte Probleme nach Lösungen zu suchen.

Ein Beispiel: das Coronavirus-Abstrichzentrum beim Marburger Georg-Gaßmann-Stadion, in dem (potenziell) Erkrankte und Sportler Gefahr laufen, in direkten Kontakt zu treten. „Unsere Geschäftsstelle ist ganz in der Nähe. Auch dorthin haben sich schon Leute verirrt, die sich testen lassen wollten“, sagt die VfL-Vorsitzende.

Von Marcello Di Cicco

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