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Lokalsport Drei BC-Leistungsträgerinnen infiziert
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13:00 23.10.2021
Marie Bertholdt (rechts, BC Marburg) gegen Ivana Blazevic (Göttingen).
Marie Bertholdt (rechts, BC Marburg) gegen Ivana Blazevic (Göttingen). Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Im April fiel die Entscheidung um Bronze zwischen dem BC Pharmaserv Marburg und dem Herner TC. Damals war das Team aus Westfalen personell gebeutelt, sportlich chancenlos, unterlag im einzigen ausgetragenen Spiel um den dritten Platz in der Basketball-Bundesliga mit 41:82. An diesem Samstag begegnen sich die Teams beider Clubs wieder – unter komplett anderen Vorzeichen: Während Herne in guter Form und personell stark besetzt ist, fehlen beim BC fünf Spielerinnen, darunter gleich drei aus der Starting Five: Steffi Wagner, Theresa Simon und Marie Bertholdt haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Mali Sola (Knieprobleme) und Hanna Bonacker (Kreuzbandriss) sind verletzungsbedingt nicht dabei.

Gern hätte der BC die Partie verlegt. „Wir haben es beantragt, es ist mit Verweis auf die Spielordnung abgelehnt worden“, berichtet Stefan Gnau. Das Vorstandsmitglied ist darüber aus mehreren Gründen nicht glücklich: „Von Chancengleichheit kann man nicht mehr sprechen.“ Und: „Wir haben erlebt, dass sich drei Spielerinnen, die vollständig geimpft sind, infiziert und offenbar untereinander angesteckt haben.“ Aufgrund der Inkubationszeit sei trotz Isolation der infizierten Spielerinnen und negativer Tests bei den übrigen Teammitgliedern nicht komplett auszuschließen, dass es weitere Ansteckungen gegeben hat.

Bertholdts PCR-Test offenbar falsch negativ

Die Sorge scheint in Anbetracht der Erfahrungen der vergangenen Tage alles andere als unbegründet. Am vergangenen Sonntag wurde das BC-Spiel in Halle an der Saale kurzfristig abgesagt, nachdem Steffi Wagner und Theresa Simon positiv getestet wurden. Weitere Tests fielen zunächst allesamt negativ aus. Am Mittwoch ergab dann ein Schnelltest bei Marie Bertholdt ein positives Ergebnis, während ein nur kurz zuvor gemachter PCR-Test, dessen Ergebnis erst am nächsten Tag vorlag, negativ war. Bertholdt machte dann am Donnerstag einen Selbsttest, da sie sich nicht wohlfühlte, dieser war positiv, ebenso wie ein anschließend durch das Gesundheitsamt angeordneter zweiter PCR-Test im Marburger Klinikum. Offenbar war der erste PCR-Test der Nationalspielerin falsch negativ.

Philipp Reuner, Geschäftsführer der Liga-Gesellschaft, sieht im Gespräch mit der OP darin keinen Anlass für eine Absage des Spiels. Er könne die „Situation in Marburg nur aus der Ferne beurteilen“, räumt er ein. Objektiv müsse sich aber darauf verlassen werden, dass die Tests korrekt sind. „Wenn genügend einsatzberechtigte Spielerinnen einsatzbereit sind, dann hat das Spiel grundsätzlich stattzufinden“, bezieht er sich auf die Spielordnung.

Zweitliga-Team erwartet Alba Berlin

Das Erstliga-Aufgebot umfasst auch einige Spielerinnen aus dem Zweitliga-Stammkader. Voraussichtlich werden Nora Brüning, Flora Lukow, Sarah Lückenotte, Jasmin Weyell und Selma Yesilova an diesem Samstag nur beim ersten, nicht beim zweiten Team dabei sein. Entsprechend muss die Zweitliga-Mannschaft mit Spielerinnen, die sonst in der Regionalliga zum Einsatz kommen, aufgefüllt werden. Die Young Dolphins spielen Samstag um 15.30 Uhr gegen Alba Berlin. Die Marburgerinnen sind bislang sieglos, die Gäste haben zwei ihrer vier Partien für sich entschieden. Am Sonntag um 12 Uhr sind dann auch die Junior Dolphins gefordert: Das U-18-Team gastiert in der Bundesliga bei den Rhein-Main Baskets. Beide Mannschaften haben ihre bislang einzigen Partien gewonnen.

Die Blue Dolphins wollen das Beste aus der Situation machen. „Wir könnten die Punkte auch direkt mit der Post nach Herne schicken“, sagt Gnau, schiebt aber hinterher: „Wir haben unter diesen Voraussetzungen absolut nichts zu verlieren und vielleicht ist das ein Vorteil.“ Noch kämpferischer äußert sich Christoph Wysocki nach einer Woche, „in der an normales Training nicht zu denken war“. Der Chefcoach sagt: „Die Leute, die sonst weniger spielen, wollen ihre Chance nutzen.“ Er kündigt die „ein oder andere Überraschung“ im taktischen Bereich an und verspricht: „Wir werden kratzen und beißen. Unser Ziel ist, das Spiel zu gewinnen.“

Von Stefan Weisbrod