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Lokalsport „Relativ gut“ und mit einem „hellblauen Auge“ davongekommen
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10:58 23.09.2021
Der TSV Eintracht Stadtallendorf (Angelo Williams gegen Christian Kreß von Buchonia Flieden), die Marburg Mercenaries und der BC Pharmaserv Marburg haben Corona-Beihilfen des Bundes und des Landes Hessen in Anspruch nehmen müssen.
Der TSV Eintracht Stadtallendorf (Angelo Williams gegen Christian Kreß von Buchonia Flieden), die Marburg Mercenaries und der BC Pharmaserv Marburg haben Corona-Beihilfen des Bundes und des Landes Hessen in Anspruch nehmen müssen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Seither sind alle Regionen der Welt mehr oder weniger stark betroffen. Mittlerweile stehen Impfstoffe und damit ein weiteres, bedeutendes Mittel im Kampf gegen die Pandemie zur Verfügung.

Noch gibt es zwar keinen Grund zur Entwarnung, doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Betroffen von der Pandemie sind auch die zahlreichen Sportvereine. Der zwischenzeitliche Wiedereinstieg in den Sport hatte mit ersten Öffnungsschritten begonnen, weitere folgten seit Anfang Juni, abhängig vom Infektionsgeschehen.

Die Pandemie hatte auch große finanzielle Auswirkungen auf die beiden Bundesligisten des Landkreises Marburg-Biedenkopf, den BC Pharmaserv Marburg und die Marburg Mercenaries sowie den ranghöchsten Fußballverein des Kreises, den TSV Eintracht Stadtallendorf, der inzwischen von der Regionalliga in die Hessenliga abgestiegen ist.

Sie und auch die rund 7600 weiteren hessischen Sportvereine sind mehr oder weniger auf Hilfen angewiesen. Die OP fragte nach, welche Beihilfen die Basketballerinnen und die Footballer aus Marburg sowie die Fußballer aus Stadtallendorf bislang erhalten haben, ob diese ausreichend sind und wie es künftig weitergeht.

BC Pharmaserv Marburg

„Es gab eine Bundesbeihilfe für Bundesligisten, wo zum Beispiel ausgefallene Zuschauereinnahmen geltend gemacht werden konnten. Der BC hat 16 000 Euro erhalten. Hinzu kamen 10 000 Euro Corona-Vereinshilfe vom Land Hessen für das Jahr 2020“, sagt Björn Backes, Vorstandsmitglied des BC Marburg, zuständig für Personal, Recht und Vertragswesen.

Das Programm wird seitens des Hessischen Ministeriums auch für das laufende Jahr 2021 fortgeführt, „sodass wir davon ausgehen, eine weitere Beihilfe zu erhalten“, ergänzt Backes. Wie hoch die sein könnte, könne noch nicht beziffert werden.

Darüber hinaus erhielt der BC nach OP-Informationen 50 000 Euro aus dem Programm „Kultur und Sport“, das Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies mit einer Gesamtsumme von einer Million Euro aufgelegt hatte.

„Unter dem Strich können wir als Verein sagen, dass wir relativ gut weggekommen sind, wenn man bedenkt, dass man ständig laufende Kosten hat und wir quasi gezwungen wurden, Bundesliga zu spielen – und dies ohne Zuschauereinnahmen. Nimmt man beispielsweise ein Pokalspiel, macht man Minus, wo man zu ,normalen Zeiten’ ein Plus gemacht hätte. Darüber hinaus hat allein die Anschaffung von Coronatests den Verein in der vergangenen Saison rund 7 000 Euro gekostet“, erläutert er. Was die Zukunft betrifft, ist Backes zurückhaltend: „Man weiß ja noch nicht, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht. Immerhin können wieder Zuschauer in die Halle. Wir könnten mit der 2G-Regel 750 Zuschauer in die kleine Georg-Gaßmann-Halle lassen, werden aber vorsichtig mit maximal 400 Zuschauern (plus Kinder) planen und beginnen.“

TSV Eintracht Stadtallendorf

„Wie alle Wirtschaftsbetriebe konnten wir einen Antrag auf Corona-Soforthilfe stellen, der auch bewilligt wurde. Wir haben 20 000 Euro erhalten“, sagt Reiner Bremer, Präsident der Fußball-Abteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf. „Wir waren dankbar für die Soforthilfe, aber natürlich reichte das bei Weitem nicht aus. Eine weitere Unterstützung befindet sich noch im Antragsverfahren. Dabei müssen die Jahresabschlüsse über den Steuerberater vorgelegt werden“, räumt Bremer ein.

„Wir hoffen also, dass noch Ausgleichszahlungen kommen, denn wir sind trotz Verkleinerung des Kaders im vergangenen Winter und maßvollem Wirtschaften, wobei uns auch die Spieler entgegengekommen sind, finanziell in einer sehr angespannten Lage. Das kann sich jeder denken, wenn man keine Zuschauereinnahmen hatte“, ergänzt Bremer und nennt ein Beispiel: „Gegen Kickers Offenbach kann man mit Zuschauern inklusive Catering einen Umsatz von bis zu 40 000 Euro erzielen. Wir haben gegen Offenbach vor null Zuschauern gespielt, aber die Ausgaben hatten sich durch die ständigen Coronatests und weitere Maßnahmen noch erhöht.“ Zudem würden die Zuschauer die Hessenliga aktuell nicht so gut annehmen, wie vor der Pandemie. „Die Menschen haben sich teilweise andere Beschäftigungen gesucht. Wir müssen nun versuchen, Besucher wieder zurückzugewinnen.“

Marburg Mercenaries

„Es hat ausgereicht, will heißen, wir sind nochmal mit einem hellblauen Auge davongekommen“, sagt Carsten Dalkowski, Präsident der Marburg Mercenaries, zu den gezahlten Beihilfen an die American Footballer. „Wir haben vom Bund im Zuge des Programms ,Coronahilfe Profisport’ finanzielle Hilfe bekommen, dort wurden 80 Prozent der fehlenden Ticketeinnahmen übernommen. Das Programm wird auch in 2021 fortgeführt. Das Soforthilfe-Programm der Stadt Marburg für ,Kultur und Sport’ hat besonders am Anfang der Corona-Krise in 2020 geholfen, die fehlenden Einnahmen bei gleichzeitig laufenden Ausgaben auszugleichen. Für beide Hilfen sind wir außerordentlich dankbar“, fügt Dalkowski hinzu. Das Land Hessen habe den Verein aber nicht unterstützt: „Hier sind wir durch alle Raster gefallen und haben keinen positiven Bescheid erhalten“, sagt Dalkowski.

Mit der Beihilfe des Bundes und der gleichzeitigen Hilfe durch das Soforthilfe-Programm der Stadt Marburg für „Kultur und Sport“ hätten die Mercenaries bislang circa 75 000 Euro an Fördermitteln erhalten, um den laufenden Betrieb in den Jahren 2020 und 2021 zu gewährleisten.

Stellt sich die Frage, ob die Beihilfen ausgereicht haben und ausreichen werden, um alle anfallenden Kosten zu decken, um etwa Zuschauerausfälle zu kompensieren. „Die Beihilfen haben ausgereicht, bei entsprechender Reduzierung der Kosten einen ausgeglichenen Haushalt darzustellen. Die fehlenden Einnahmen wurden im großen Teil kompensiert. Wir sind also – wie bereits erwähnt – mit einem hellblauen Auge bislang durch die Krise gekommen.“

Der Präsident des Vereins, der in der German Football League aktiv ist, ist der Auffassung, „dass uns die Krise auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Die Auswirkungen sind jetzt schon absehbar. Dabei nicht nur bei den Zuschauern, die sicherlich weniger geworden sind (ca. 50 Prozent im Vergleich zu 2019 bei uns), sondern auch im Verein selbst. Bereits jetzt wird deutlich, dass Mitglieder den Verein über Maß verlassen haben und auch über ein Jahr nur sehr wenige neue Jugendliche den Weg in den Verein gefunden haben. Auch im ehrenamtlichen Bereich ist die Anzahl der Engagierten deutlich weniger geworden. Es wird Jahre dauern, die Auswirkungen der Corona-Krise wieder auszugleichen.“

Sein Verein sei dabei allerdings guten Mutes, „dass wir – und damit meine ich uns alle im Sport – diese Herausforderung gemeinsam meistern werden“.

Von Michael E. Schmidt

Corona-Beihilfen für Sportvereine

Die hessischen Sportvereine konnten für das vergangene und auch für das laufende Jahr von der Corona-Vereinshilfe des Bundes und des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport profitieren. Der hessischen Landesregierung sei es in dieser Situation ein besonderes Anliegen, das Sportland Hessen mit seiner in Jahrzehnten gewachsenen und bewährten Sportstruktur zu erhalten. Die rund 7 600 hessischen Sportvereine und die Sportverbände, die alle einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt erbringen, sollen nach dem Ende der Krise ihre Arbeit möglichst in dem früheren Maße fortsetzen können.

Um die finanziellen Folgen der Coronavirus-Pandemie zu minimieren, können Sportvereine von verschiedenen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen profitieren, beispielsweise den Regelungen zum Kurzarbeitergeld. Auch die Überbrückungshilfen des Bundes sind für Vereine mit wirtschaftlichem Geschäfts- und/oder Zweckbetrieb zugänglich. In Ergänzung zu diesen Maßnahmen hat die Hessische Landesregierung im Jahr 2020 das Förderprogramm „Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit“ speziell für die Existenzsicherung von gemeinnützigen (Sport-)Vereinen aufgestellt. Dieses Programm wird 2021 fortgeführt.

Anträge auf Corona-Vereinshilfe können noch bis 15. November dieses Jahres beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport eingereicht werden.

  • Richtlinie und Antragsformular finden Sie zusammen mit weiterführenden Informationen unter https://innen.hessen/sport/corona-hilfen-2021