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Lokalsport Viel Aufwand für den großen Traum
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13:00 21.09.2019
Sebastian Wöhr spielt und trainiert für die U-17-Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Der 16-jährige Cappeler träumt von einer Profikarriere. Quelle: Thorsten Richter
Cappel

Den Weg zum Profi-Dasein im Fußball begann er beim FSV Cappel. „Das hatte sich damals angeboten, weil wir dort leben“, sagt er. Heute ist er überzeugt, dass die fünf Jahre, die er insgesamt beim heutigen Kreisoberligisten verbracht hat, eine wichtige Rolle gespielt haben. „Von meinem ersten Trainer Gerhard Vollhardt habe ich sehr viel gelernt“, sagt er, schiebt aber direkt nach, dass „mir auch die anderen Trainer geholfen haben. Das wurde von Jahr zu Jahr fachlich immer ­etwas besser.“ 

Nach der Zeit in Cappel zog es ihn zu den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg, bei denen er aber nur ein Jahr verbrachte. „Bei Blau-Gelb stand eher der Spaß im Vordergrund. Ich wollte mich aber weiterentwickeln“, begründet Sebastian den Wechsel zum VfB Marburg. Während der zwei Jahre bei den „Schimmelreitern“ spielte er sich zeitgleich in die Regionalauswahl Hessens, durch die „die ersten Gedanken an Profimannschaften aufkamen“.

Zunächst wechselte er aber zur TSG Wieseck in die U-15-Mannschaft. „Wir haben dort in der höchstmöglichen Liga gespielt. Außerdem war ich noch näher an Marburg“, sagt Sebastian. Nach einem Jahr mit überzeugenden Leistungen schloss er sich Eintracht Frankfurt an. Dort spielt er inzwischen unter dem ehemaligen Zweitligaprofi Jan Fießer. Bei der SGE steht er nun vor einem der wichtigsten Jahre.

Sehr gute Spielintelligenz und Aufnahmefähigkeit

„Die U 17 ist mit einer der wichtigsten Schritte. Wenn du dich da nicht weiterentwickelst, wird es sehr schwer, übernommen zu werden“, weiß Sebastian. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Eintracht keine U 18 mehr hat, sondern es direkt in die U 19 geht. „Nach der U 17 wird fast die halbe Mannschaft aussortiert“, betont der Steinmühlen-Schüler.

Er gibt sich mit Blick auf seine Chancen aber selbstbewusst. „Aktuell glaube ich nicht, dass ich nicht übernommen werde. Allerdings kann in einem Jahr auch viel passieren.“ Damit er den Traum vom Profifußballspieler verwirklichen kann, arbeitet und trainiert Sebastian Wöhr hart. „Wir haben einerseits vier- bis fünfmal pro Woche Mannschaftstraining und zweimal individuelles Training, in dem die eigenen Schwächen trainiert werden“, erklärt er.

Zu seinen persönlichen Schwächen zählt er vor allem das generelle Tempo. Weil Sebastian aber als Innenverteidiger eingesetzt wird, falle dies nicht allzu schwer ins Gewicht. Bezüglich seiner Stärken wird er dann konkreter. „Ich würde sagen, dass ich eine sehr gute Spielintelligenz und Aufnahmefähigkeit habe. Dazu kommen noch Zweikampf und Spielaufbau“, sagt der 16-Jährige.

Auch neben den Platz möchte Sebastian immer mehr lernen und vorangehen. „Das ist genauso wichtig wie deine Leistung auf dem Platz“, meint er. Dementsprechend fällt die Auswahl seiner Vorbilder aus: In Sergio Ramos, Virgil van Dijk oder auch Mats Hummels nennt er nicht nur Spieler, die die gleiche Position wie er einnehmen, sondern auch Akteure, die in ihren Vereinen zu den Führungsspielern gehören.

"Steinmühle unterstützt mich schon sehr"

Die Zeit, um sowohl fußballerisch als auch menschlich zu reifen, findet Sebastian auch dank seiner Schule. „Ich werde häufig von der Schule befreit. Die Steinmühle unterstützt mich schon sehr“, sagt er. Auch wenn die Anwesenheit zwar etwas unter seiner Fußballkarriere leidet, „ist das Ziel auf jeden Fall das Abitur“.

Neben der Schule sind aber auch seine Eltern sowie sein Onkel, durch den er überhaupt erst zum Fußball kam, ein wichtiger Faktor. „Wenn sie die Zeit finden, fahren mich meine Eltern oder schauen mir zu. Ohne sie und die Schule wäre das alles nicht möglich“, sagt er stolz. Auf der anderen Seite ist ihm bewusst, dass er „sehr viel Freizeit verliert“ und gibt zu, dass ihm seine Freunde und Familie „manchmal auch ein bisschen Leid tun“.

Allerdings zahlt sich dieser Aufwand, den Sebastian und sein Umfeld betreiben, aus. Vor wenigen Wochen trat er mit der Eintracht bei einem internationalen Turnier in Italien an, bei dem er unter anderem auf Nachwuchsmannschaften von Juventus Turin oder AC Florenz traf. In der Bundesliga Süd/Südwest misst sich die Eintracht beispielsweise mit den Nachwuchsteams von Bayern München, dem VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim.

Von schwierigen Phasen bisweilen verschont

Zu guter Letzt sind da noch die „fesselnden Europapokal-Abende“ in Frankfurt, die Sebastian als Balljunge unmittelbar von der Seitenlinie aus mitverfolgte. „Das sind Momente und Erinnerungen, die nicht jeder erlebt und für das Leben bleiben. So etwas macht einen schon stolz“, sagt er.

Nach den zwei Jahren blickt der junge Innenverteidiger also auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurück. „Die Jungs und auch das Trainerteam haben mich in Frankfurt direkt gut aufgenommen. Ich fühle mich sehr wohl.“ Auch von schwierigeren Phasen blieb Sebastian Wöhr bisweilen verschont.

„Als wir im vergangenen Jahr in Korea waren, habe ich mir nach einem Foul mal das Außenband gerissen“, erzählt Sebastian. Allerdings nimmt er auch das Positive aus dieser Phase mit. „Für mich war das ein unbekanntes Gefühl. Aber dann lernt man auch, mit Verletzungen und Regeneration umzugehen.“

von Yann Ruppersberg