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Frauen-Bundesliga versinkt im Corona-Chaos
Frauen-Bundesliga versinkt im Corona-Chaos
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10:00 08.01.2022
Mehrere Corona-Fälle in unterschiedlichen Teams sorgen derzeit für zahlreiche Spielausfälle in der Basketball-Bundesliga der Frauen.
Mehrere Corona-Fälle in unterschiedlichen Teams sorgen derzeit für zahlreiche Spielausfälle in der Basketball-Bundesliga der Frauen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Christoph Wysocki bedient sich gerne schon mal einer bildhaften Sprache. „Inzwischen stehen unsere Mädels regelmäßig vor der Halle und zittern“, sagt der Cheftrainer des Basketball-Bundesligisten BC Pharmaserv Marburg flapsig. Er spielt damit aber nicht auf die derzeit niedrigen Temperaturen um den Gefrierpunkt an. Die Aussage steht vielmehr sinnbildlich für das, was Vereine und Ligaführung derzeit umtreibt.

Wie anderen Teams in der höchsten deutschen Frauen-Spielklasse bereitet Corona auch den Marburgern Sorge. Entsprechend testen sich die Teammitglieder laut Vorstand und Teammanager Stefan Gnau ein- bis zweimal täglich, ehe es zum Training in die Halle geht. Anfang der Woche hatte der BC bekanntgegeben, dass sich Flora Lukow und Selma Yesilova mit dem Coronavirus infiziert haben (die OP berichtete). „Beiden geht es gut, es sind mildere Verläufe“, sagt Gnau. „Das ist die einzig positive Nachricht.“ Während sich Lukow als Schülerin Ende dieser Woche frei-testen kann, sobald sie symptomfrei ist, muss Yesilova noch bis zum 13. Januar in Quarantäne bleiben.

Ob ein komplettes Team vom zuständigen Gesundheitsamt in Isolation geschickt wird, hänge laut Gnau unter anderem davon ab, ob bei einer stichprobenartigen Auswertung des Tests die ansteckendere Omikron-Variante festgestellt wird – oder, wie im aktuellen Fall, mit welchem zeitlichen Abstand zu einem Spiel eine Infektion festgestellt wurde.

Am Freitagnachmittag erhielten die BC-Verantwortlichen die Nachricht vonseiten der SNP Bascats, dass eine Heidelberger Spielerin kurz vorher einen coronapositiven PCR-Test erhalten hatte. Die Liga setzte daraufhin die Partie des Tabellenschlusslichts gegen die Blue Dolphins ab, ein neuer Spieltermin steht noch nicht fest.

Von den ursprünglich sieben angesetzten Spielen für dieses Wochenende blieb am Freitagnachmittag nur die Partie Angels Nördlingen – Lions SV Halle (So., 16 Uhr) übrig, die über die Bühne gehen soll. Alle weiteren Begegnungen des Spieltags sind wegen Corona abgesagt beziehungsweise verlegt worden. Wie die Damen Basketball Bundesligen (DBBL) auf ihrer Internetseite mitteilt, machten Quarantäne-Anordnungen beziehungsweise mehrere bestätigte Covid-Befunde bei den Mannschaften aus Saarlouis, Osnabrück und Wasserburg Spielverlegungen nötig. Angesichts dieser Entwicklung machen sich bei so manchem Verantwortlichen wie Stefan Gnau Sorgenfalten auf der Stirn breit, ob und inwieweit der Spielbetrieb in den nächsten Wochen fortgesetzt werden kann.

Die Marburgerinnen nutzen den ungewollten Spielausfall, um am Sonntag eine zusätzliche Trainingseinheit einzulegen. „Gleichzeitig appellieren wir an alle bei uns, die Kontakte zu minimieren“, sagt Gnau. Aufzuarbeiten gibt es für Trainer Christoph Wysocki zumindest genug. Nachdem die Verteidigung lange das Sorgenkind beim BC war, rückt der erfahrene Coach nun die Offensive in den Fokus. „Wir müssen den Ball besser bewegen, dürfen ihn nicht so lange in der Hand halten“, fordert Wysocki, der zudem unmittelbar vor dem Korbabschluss mehr Spielerinnen ins Angriffsspiel involviert sehen will.

Überdies lässt der frühere polnische Nationalspieler nun im Training häufiger die fünf Spielerinnen miteinander in einem Team zusammenspielen, die auch im Wettkampf zu Beginn auf dem Spielfeld stehen. Wysocki erhofft sich, dass das Team so die zuletzt häufig gezeigten Probleme insbesondere im ersten Viertel abstellt.

Von Marcello Di Cicco