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Lokalsport Eintracht-Fans erwarten durchwachsene Saison
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13:00 22.09.2021
Ob in der Europa League oder in der Bundesliga: Für Filip Kostic und die Frankfurter Eintracht läuft es noch nicht rund.
Ob in der Europa League oder in der Bundesliga: Für Filip Kostic und die Frankfurter Eintracht läuft es noch nicht rund. Quelle: Arne Dedert
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Marburg

Das haben sich Verantwortliche, Spieler und Fans der Frankfurter Eintracht sicherlich anders vorgestellt. Nach fünf Spieltagen hat das Team des neuen Trainers Oliver Glasner in der Fußball-Bundesliga magere vier Pünktchen auf seinem Konto, ist immer noch sieglos und rangiert auf Rang 15. Darüber hinaus kam das bittere Aus im DFB-Pokal bereits in der 1. Runde beim Drittligisten Waldhof Mannheim.

In der Europa League gab es zum Auftakt immerhin ein 1:1 gegen Fenerbahce Istanbul. Hoffnung macht eigentlich auch der Punktgewinn am vergangenen Sonntag beim bisherigen Tabellenführer VfL Wolfsburg. Allerdings räumte Trainer Glasner ein: „Ein Sieg war nicht möglich, so ehrlich müssen wir sein.“

Gegen Köln soll der erste Dreier her

Am nächsten Spieltag hat die Eintracht am Samstag, 25. September, vor heimischer Kulisse den 1. FC Köln vor der Brust, der bislang eine starke Saison unter seinem neuen Coach Steffen Baumgart ablieferte. Kein leichtes Unterfangen also für Kostic und Co., den lang ersehnten ersten Saisonsieg einzufahren und damit gleichzeitig die Wende einzuleiten. „In der Tat steht unsere Eintracht nun gegen die Geißböcke unter Druck, zumal sie danach gegen den FC Bayern ran muss. Und da gibt es wohl nichts zu holen.

Sollte man also auch gegen Köln keinen Sieg holen, wird der Druck noch größer“, sagt Eintracht-Fan Edgar Kren aus Halsdorf. Der 37-Jährige kennt sich bestens aus mit den Frankfurtern. Schließlich hat er in der Vergangenheit so gut wie kein Spiel verpasst, war nahezu immer mit vor Ort im Stadion – ob exemplarisch in Aserbaidschan, in der Ukraine, in Estland oder im heimischen Stadion. „Ich bin ein Alles-Fahrer“, sagt Kren. Er kritisiert, dass die Eintracht auf dem Transfermarkt „erst ziemlich spät aktiv geworden ist.

Neusortierung des Klubs

Allerdings müsse sich der gesamte Verein erst mal neu sortieren. Neuer Trainer, neuer Sportvorstand, neue Ideen – all das benötigt eine gewisse Zeit.“ Sicherlich hätte aus seiner Sicht auch die Unruhe um die Spieler Filip Kostic und Amin Younes einen Teil dazu beigetragen, dass es nicht so rund läuft wie erhofft. Sorge, dass die Frankfurter im Abstiegsstrudel verharren, hat Kren aber nicht: „Ich glaube, wir müssen uns nach dem großartigen fünften Platz in der zurückliegenden Spielzeit nunmehr auf eine Art Übergangssaison einstellen und landen am Ende zwischen Platz acht und zwölf.“

Auch aus der Sicht von Werner Fleckna, Manager des Eintracht-Fan-Clubs Adlerhorst Stadtallendorf, dem größten Eintracht Fan-Club Deutschlands, dürfe der hervorragende fünfte Platz der Vorsaison, als die Eintracht gar kurz vor dem Einzug in die Champions League stand, nicht der Maßstab für die laufende Saison sein.

Umbruch auf allen Ebenen

„Das kann und darf im Moment nicht unser Anspruch sein. Da bin ich Realist. Schließlich hat sich der Verein ja nahezu komplett neu aufgestellt. Das muss sich erst nach und nach einpendeln. Nach solch tiefgreifenden Veränderungen auf nahezu allen Ebenen kann man noch keine Wunder erwarten. Das muss wachsen.“ Fleckna ist sich allerdings auch bewusst, „dass die Fans ungeduldig sind. Lange hat die Eintracht sicherlich nicht Zeit, um die Kurve in die richtige Richtung zu kriegen.“

Will er damit andeuten, dass möglicherweise auch bald Diskussionen um den Trainer Glasner aufkeimen? „Klar ist, der Trainer wird immer als Erstes infrage gestellt. Ich könnte derzeit aber noch nicht sagen, ob Glasner der richtige ist oder nicht. Das ist noch zu früh.“ Daraus könnte man schließen, dass Werner Fleckna Trainer Adi Hütter nachtrauert. „Klar denke ich an Adi Hütter. Aber nur, wenn ich mir die Ergebnisse seines neuen Vereins Borussia Mönchengladbach anschaue. Sonst nicht. Das ganze Hickhack um seinen Wechsel habe ich abgehakt.“

Abgänge allein sind nicht der Grund

Eintracht-Fan Alexander Usinger aus Wehrda, der trotz Dauerkarte noch nicht im Stadion war („Wir gehen erst wieder, wenn alle rein dürfen“), blickt insbesondere auf die personelle Situation der Frankfurter und stellt dabei fest: Die Eintracht hat zwar ihren Rekordtorschützen André Silva an Leipzig verloren. Er ist sicherlich schwer zu ersetzen, aber vom vorjährigen Stammpersonal auch der einzige Abgang.

Daran allein könne der „durchwachsene Saisonstart“ nicht liegen. „Vielmehr haben scheinbar die Veränderungen in der Führungsebene, ein neuer Trainer und die Wechseltheater um Kostic und Younes doch den einen oder anderen Etablierten etwas aus der Bahn geworfen.“

Leistungsträger noch nicht in Form

Vorjährige Leistungsträger wie Martin Hinteregger oder Daichi Kamada und selbst ein Kevin Trapp spielten noch weit unter Normalform. Der Brasilianer Tuta sei nach schnellem Aufstieg aktuell komplett draußen. „Und ein Danny da Costa hat seine Qualitäten nach seiner Leihe in Mainz scheinbar vergessen. Trainer Oliver Glasner macht nach Meinung Usingers einen sehr klaren und zielstrebigen Eindruck. „Wenn er es schafft, die Etablierten wieder in die Spur zu bekommen und die Neuen entsprechend einzubauen, ist am Ende ein einstelliger Tabellenplatz möglich.“

Das Erreichen der internationalen Plätze sei jedoch schwierig, „aber man kann ja auch nicht jedes Jahr so viel durch Europa reisen“. Usinger ist sich aber sicher, dass am Ende der Saison mindestens einer, Hütter oder Bobic, mit ihren neuen Teams hinter der Eintracht landen werden.

Rückblick

Eigentlich ist es gar nicht schlecht, wenn die Frankfurter Eintracht in der Fußball-Bundesliga schlecht oder nur mäßig aus den Startlöchern kommt – zumindest dann, wenn man auf die Statistiken der vergangenen sechs Saisons nach fünf Spieltagen blickt: In den vergangenen vier Spielzeiten hat das Team seinen Platz nach fünf Spieltagen zum Saisonende dreimal verbessert, einmal gehalten: 2017/2018 von Platz 10 auf 8, 2018/2019 von Platz 15 auf 7, 2019/2020 Platz 9 gehalten und 2020/2021 von Platz 8 auf Rang 5. Die beiden Spielzeiten davor sah das noch ganz anders aus: In der Saison 2016/2017 rutschte man von Platz 5 auf 8 und 2015/2016 von Platz 8 gar auf den Relegationsplatz 16 ab. Dabei lohnt sich noch einmal ein genauerer Blick auf die Saison 2018/2019: Die Eintracht präsentierte ihren neuen Trainer Adi Hütter und hatte nach fünf Spieltagen mit nur vier Punkten ebenso viele wie aktuell unter ihrem neuen Coach Oliver Glasner. Auch das Torverhältnis ist gleich: 5:8 unter Hütter, 6:9 unter Glasner. Wenn das kein Hoffnungsschimmer ist ...

Von Michael E. Schmidt