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Lokalsport Bronzemedaille ist zum Greifen nahe
Sport Lokalsport Lokalsport Bronzemedaille ist zum Greifen nahe
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12:00 22.04.2021
Marburgs Theresa Simon (rechts) bahnt sich ihren Weg vorbei an Hernes Laura Zolper.
Marburgs Theresa Simon (rechts) bahnt sich ihren Weg vorbei an Hernes Laura Zolper. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Eigentlich“, sagt Wolfgang Siebert, Vorsitzender des Herner TC, „wollten wir mit dem kompletten Kader Keltern etwas ärgern.“ Dies war für den Tabellenzweiten der Bundesliga-Hauptrunde in den Playoffs jedoch nicht möglich, eine ganze Reihe personeller Ausfälle hat dazu beigetragen. Und jene angespannte Personalsituation war es auch, die nun dazu führt, dass es nicht wie üblich Hin- und Rückspiel um Platz drei gibt, sondern lediglich ein Kräftemessen. Einem entsprechenden Antrag des amtierenden Deutschen Meisters (2020 wurde wegen der Pandemie kein Meister ermittelt) stimmten sowohl Liga-Leitung als auch der BC Pharmaserv Marburg zu.

So kommt es heute (19 Uhr) zum entscheidenden Spiel um Bronze zwischen den Blue Dolphins und den Hernerinnen. BC-Trainer Christoph Wysocki ist dies angesichts von Corona, deshalb fehlender Zuschauer in der Georg-Gaßmann-Halle und drohenden Verletzungen durchaus recht – dennoch bekräftigt er: „Wir wollen Bronze gewinnen und werden alles dafür tun.“ Wie viel ihres Leistungsvermögens BC-Kapitänin Marie Bertholdt und Co. dafür abrufen müssen? Niemand weiß es genau, denn die Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen dürfte im letzten Saisonspiel einer Wundertüte gleichen.

„Wahrscheinlich reisen wir mit nur sechs Spielerinnen an“, macht Siebert die prekäre Situation im Gespräch mit der OP deutlich. Wegen zwei Langzeiterkrankten und weiterhin verletzten Spielerinnen, die laut Siebert „Angst vor Langzeitschäden“ hätten, werden in der 15-jährigen Lara Langermann und der 17-jährigen Jule Groll erneut zwei Youngster aushelfen müssen. Von der realistischen Chance, mit diesem Rumpfteam eine Medaille zu holen, will Siebert gar nicht erst träumen. „Wir wären schon froh, wenn sich keine weitere Spielerin verletzt. Eine Chance sehen wir eigentlich nicht“, sagt der TC-Vorsitzende, der die Partie am liebsten abgesagt hätte – die Marburger wollten aber gerne eine Entscheidung auf sportlichem Wege herbeiführen.

Wysocki nimmt die Situation beim Herner TC durchaus wahr, hat sich zuletzt auch mit seinem Trainerkollegen ausgetauscht, der ihm gesagt habe: „Ich weiß noch gar nicht, mit wem ich komme.“ Doch der Marburger Coach warnt inständig davor, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen – er mahnt vielmehr zur Seriosität: „Auch diese Mannschaft kann Basketball spielen und über sich hinauswachsen.“ Letzteres wollen die Blue Dolphins unter allen Umständen verhindern. Wysocki geht gar soweit zu sagen, dass eine Niederlage „absolut peinlich“ wäre. „Damit würden wir alles mit Füßen treten, was wir in den vergangenen Monaten erreicht haben“, spielt der Coach auf die positive Entwicklung nach zwei Quarantäneanordnungen wegen Coronafällen, dem Trainerwechsel im Januar und einer zwischenzeitlich schwierigen sportlichen Situation an, als der BC als Tabellenletzter gar gegen den Abstieg in die Zweitklassigkeit kämpfte. Gegen Herne hat der Übungsleiter alle Spielerinnen an Bord – und er macht klar, dass er sie heute nicht zum letzten Mal sehen wird.

„Sicher werden wir danach zwei bis vier Wochen Pause machen, mit den Spielerinnen, die in Marburg sind, aber ein wenig Sport machen – und wenn es nur Fußball oder Volleyball spielen ist. Man kann den Körper jetzt nicht abrupt herunterfahren“, sagt Wysocki. Ehe es soweit ist, liegt der Fokus ganz auf dem Gewinn der Bronzemedaille.

Von Marcello Di Cicco