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Lokalsport Breidenbacher stellt Drittliga-Rekord auf
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11:00 09.06.2021
Da ist das Ding! Der Breidenbacher Paul Will (Mitte) posiert nach dem letzten Saisonspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden mit seinen Dresdner Mitspielern Kevin Ehlers (links) und Max Kolke sowie dem Meisterschaftspokal der 3. Liga.
Da ist das Ding! Der Breidenbacher Paul Will (Mitte) posiert nach dem letzten Saisonspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden mit seinen Dresdner Mitspielern Kevin Ehlers (links) und Max Kolke sowie dem Meisterschaftspokal der 3. Liga. Quelle: Foto: Sven Sonntag
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Breidenbach

Paul Will hat es geschafft. Mit Dynamo Dresden ist der gebürtige Breidenbacher Meister in der 3. Fußball-Liga geworden. Es ist die dritte Meisterschaft für ihn in Folge: Im Vorjahr holte der 22-Jährige mit dem FC Bayern München II den Titel in der 3. Liga, 2019 war er mit der FCB-„Zweiten“ Meister der Regionalliga Bayern geworden. Mit der OP sprach der zentrale Mittelfeldspieler darüber, wie es sich als Drittliga-Rekordhalter anfühlt, was der Trainerwechsel bei den Sachsen im Saisonendspurt bewirkte und ob er beim Zweit­liga-Aufsteiger bleibt.

Herr Will, zweimal in Folge Drittliga-Meister zu werden, kommt nicht alle Tage vor.

Will: Das stimmt. Ich habe auch erst nach dem letzten Spiel gegen den SV Wehen erfahren, dass ich der erste Spieler bin, der zweimal hintereinander Drittliga-Meister geworden ist. Insofern ist es sehr besonders, Rekordhalter zu sein. Das freut mich sehr.

Wann wurde Ihnen klar, dass es mit dem Meistertitel klappen könnte?

Ich hatte erwartet, dass wir von Anfang an „oben“ mitspielen – trotz einer kleinen Schwächephase zu Saisonbeginn. Zur Mitte der Runde stellte sich die besondere Qualität der Mannschaft heraus, hinzu kamen Faktoren wie Stadion und Trainingszentrum. Da wurde irgendwann klar, dass wir um den Aufstieg mitspielen müssen. Wenn man es an einem Spiel festmachen will, würde ich die Partie gegen den Hamburger SV Mitte September im DFB-Pokal nehmen. Da haben wir beim 4:1-Sieg das erste Mal unsere Qualität gezeigt.

Wie ärgerlich war es für Sie, dass Sie im vorletzten Saisonspiel, als Dynamo den Aufstieg gegen Türkgücü München klarmachte, wegen einer Gelbsperre zuschauen mussten?

Will (schmunzelt): Sehr. Denn es war einfach maßlos bescheuert, wie ich mir davor gegen Viktoria Köln die fünfte Gelbe Karte abgeholt hatte. Ich hatte einen Spieler an der Schulter gezogen, obwohl noch acht Mitspieler hinter dem Ball waren. Es bestand also keine Not, dass wir ein Gegentor kassieren. Ärgerlich war es auch, weil ich mehr als zehn Spiele lang drei Gelbe Karten auf meinem Konto hatte und zunächst keine weitere bekam. Dann habe ich mir innerhalb von drei Spielen zwei Gelbe Karten abgeholt.

Was hat der Trainerwechsel von Markus Kauczinski zu Alexander Schmidt kurz vor Saisonende aus Ihrer Sicht bewirkt?

Im ersten Moment war der Trainerwechsel ein Schock für uns alle, weil er aus dem Nichts kam. Eine ähnliche Schwächephase hatten wir ja schon in der Phase davor. Anfangs war es schwer, das zu verarbeiten und sich auf den neuen Trainer einzulassen. Letztlich hat es aber gut geklappt. Weil sich jeder neu beweisen musste, hatten wir im Training plötzlich eine ganz andere Intensität. Viele Spieler haben eine neue Chance bekommen. Das hat sich positiv auf unsere Mannschaft und auf unsere Spiele ausgewirkt.

Was hat sich unter Alexander Schmidt in der Spielausrichtung geändert?

Wir spielen deutlich offensiver, absolutes Angriffspressing. Im Training haben wir viel mehr das Spiel mit Ball als das Spiel gegen den Ball geübt. Das war für viele sehr angenehm – auch für mich, weil mir das flache Spiel mit dem Ball deutlich besser liegt. Ich komme aber mit beiden Trainern gut klar, habe von beiden viel gelernt.

Ihr Vertrag hat sich mit dem Aufstieg automatisch verlängert. Bleibt es dabei, dass Sie bei Dynamo bleiben wollen?

Daran hat sich nichts geändert. Ich bleibe gerne in Dresden, fühle mich hier sehr wohl. Der Trainer will mich fördern. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall.

Sie bringen drei Meisterschaften in Folge mit in die 2. Liga. Müssen sich Clubs wie der Hamburger SV und Schalke 04 im Aufstiegskampf vor Paul Will und Dynamo in Acht nehmen?

Wir haben intern noch kein Ziel ausgegeben, würde mich aber einer öffentlich geäußerten Meinung unseres Sportdirektors Ralf Becker anschließen, der Platz 15 aufwärts als Ziel genannt hat. Das halte ich für realistisch. Wir sollten kleinere Brötchen backen, uns mit einer jungen, Zweitliga-unerfahrenen Mannschaft in der 2. Liga etablieren. Deswegen ist der Klassenerhalt das große Ziel.

Wer sind für Sie die Topfavoriten auf den Bundesliga-Aufstieg?

Ich bin fast geneigt zu sagen, dass es der HSV nach der abgelaufenen Saison nicht mehr ist. Aber im Ernst: Klassischerweise sind die Bundesliga-Absteiger favorisiert. Ich hoffe, dass es Werder Bremen wieder „hoch“ schafft, weil es sonst extrem schwer wird, wenn man nicht direkt wieder aufsteigt. Auch Schalke 04 wird im Aufstiegskampf eine große Rolle spielen.

Von Marcello Di Cicco