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Die „Familie“ hält zusammen
Die „Familie“ hält zusammen
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15:00 01.12.2021
Lukas Brauschke vom 1. Boxclub Marburg kämpfte bei den Einlagekämpfen erstmals nach zwei Jahren Pause.
Lukas Brauschke vom 1. Boxclub Marburg kämpfte bei den Einlagekämpfen erstmals nach zwei Jahren Pause. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Auch nach knapp zwei Jahren Pandemie mutet die Realität noch merkwürdig an. Das Coronavirus hat das Weltgeschehen nach wie vor fest im Griff und macht in den vergangenen Tagen und Wochen durch eine neue Variante, steigende Infektionszahlen und überlastete Krankenhäuser weiter auf sich aufmerksam. Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf sämtliche Bereiche der Gesellschaft – auch auf den hiesigen Boxsport.

Zu Gast waren unter anderem Aktive aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Bayern. Auf ein Publikum musste aus gegebenen Gründen jedoch verzichtet werden. Wie sehr das dem Verein schmerzt, erklärt Schriftführer Ronald Leinbach: „Wenn es normal wäre, wäre die Hütte hier voll gewesen. Wir hätten bestimmt 200 Zuschauer hier reingekriegt, mit Teilnehmern, Trainern und Betreuern sogar bis 300.“

Hinzu kommt, dass das Turnier auch nur aufgrund der Einschränkungen in die vergleichsweise kleine Halle der Sophie-von-Brabant-Schule verlegt wurde. „Normal sind wir in Sporthallen wie Cappel oder anderen großen Hallen, da ist das einfach besser“, ergänzte Leinbach.

Mit dem Virus leben

Der 1. BC Marburg steht in den kommenden Wochen und Monaten also vor einer großen Herausforderung. „Wir sind alle sehr angespannt und müssen jetzt wieder zurückfahren, wie vorher auch. Mit diesem Virus müssen wir weiter leben und uns Gedanken machen, wie es überhaupt weitergeht“, erklärte Leinbach.

Die Pandemie beeinflusst mit ihren Umständen aber nicht nur die Sportart und die Vereine selbst, sondern auch die Sportlerinnen und Sportler. Einer, der schon seit acht Jahren für den 1. BC Marburg boxt, ist Lukas Brauschke. Der 25-Jährige bringt demnach schon reichlich Erfahrung mit. „Natürlich ist das eine andere Atmosphäre. Klar, wenn mehrere Zuschauer, Freunde oder Familie da sind, dann hat man ein bisschen mehr Motivation. Das ist aber nur vorher so, denn wenn man im Ring steht, merkt man das nicht mehr.“

Dennoch habe auch er sich schon Gedanken über die Umstände während der Pandemie gemacht. Direkter Körperkontakt ist im Boxen unumgänglich, zusätzlich finden Kämpfe in der Regel in der Halle statt. „Das waren meine ersten Kämpfe seit fast zwei Jahren. Die ganze Corona-Phase über habe ich mich bislang rausgehalten, aber ich bin doppelt geimpft und fühle mich hier unter 2G schon sicher“, sagte Brauschke. Generell bemüht sich Schriftführer Leinbach allerdings, der Situation möglichst positiv und optimistisch zu begegnen.

Keiner steht alleine im Ring

Demnach habe die Pandemie nicht nur negative Auswirkungen auf den Verein mit sich gebracht. „Das Team feuert ja an, und es steht keiner alleine im Ring. Es ist eine schwierige Situation, aber es fühlen sich alle relativ wohl in unserer ,Familie’“, betont Leinbach. Auch Brauschke pflichtete dem Schriftführer des 1. BC bei: „Es kann gut sein, dass uns das noch mehr zusammengebracht hat, weil man jetzt den anderen Rücken von den Verwandten oder Freunden nicht hat, die sich sonst einen Boxkampf angucken würden. Dann ist das natürlich noch wichtiger, dass wir uns gegenseitig noch mehr anfeuern und pushen.“

Und womöglich war es ja auch gerade diese Unterstützung aus den eigenen Reihen, die Brauschke bei seinem Comeback bei den Einlagekämpfen zu zwei Siegen geführt hat. Einerseits siegte er im Männer-Mittelgewicht bis 75 Kilogramm gegen Manuel Propp (BC Amberg) mit 2:1 nach Punkten und andererseits gegen Dominik Freitag (RW Koblenz) mit 3:0 nach Punkten.

Von Yann Ruppersberg