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14:58 20.02.2020
Herbert Schöck, hier auf dem Sportplatz in Gladenbach-Frohnhausen, will dem Fußball weiterhin erhalten bleiben. Quelle: Thorsten Richter
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Frohnhausen

Wenn ein Mensch mit den Charaktereigenschaften Beständigkeit und Zuverlässigkeit, aber auch Bescheidenheit und Humor eine Aufgabe übernimmt, so sind dies schon einmal gute Voraussetzungen für gelingendes Wirken.

So ist es auch beim Jugendwart des Fußballkreises Biedenkopf Herbert Schöck, dessen Tätigkeit am Freitag beim Kreisjugendtag in Wallau nach 20 Jahren endet. Bereits seit 1990 war er als Beisitzer im Kreisjugendausschuss vertreten, später fungierte er als stellvertretender Kreisjugendfußballwart, ehe er im Jahr 2000 an die Spitze des Kreisjugendausschusses gewählt wurde.

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Diese langandauernde Kontinuität ist typisch für den nunmehr 73-jährigen Herbert Schöck. Bevor er 2009 in den wohlverdienten beruflichen Ruhestand ging, war er 47 Jahre bei der Firma Balzer in Marburg tätig.

Ohne Jugendarbeit kein Verein

Und im Dienste des „runden Leders“ wirkte er ab 1964 zunächst als stellvertretender Schriftführer bei seinem Heimatverein, der SpVgg Wacker Frohnhausen. Für seine durchgehende Mitarbeit im geschäftsführenden Vorstand seines Vereins bis 2001 wurde er 2002 zum Ehrenmitglied erkoren.

Die Jugendarbeit war Schöck schon immer ein besonderes Anliegen: „Ohne sie kann kein Verein überleben“, erklärt er seine Prämisse. Sein Ratschlag für die Vereine war immer, dass da, wo es geht, eigenständige Jugendmannschaften gestellt werden sollten und nicht allzu voreilig Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen zu gründen. Man könne so besser auf die individuelle Entwicklung der jungen Spieler einwirken und schließlich bedeute es einen geringeren Organisationsaufwand. Aber Schöck weiß: „Für die kleinen Dörfer ist dies nicht so einfach.“

Während seiner Tätigkeit im Fußballkreis Biedenkopf stellte Schöck auch fest, was allgemein für den Jugendfußball gilt: „Die Fluktuation, die Zahl der Spieler, die aufhören, ist gerade bei der B- und A-Jugend sehr groß. Wenn man 18 Jahre ist kommen einfach andere Interessen auf.“

Morgens vorm Gang ins Bad am PC

Dies sei auch schwierig zu ändern. Hinzu komme auch die demografische Entwicklung mit weniger Kindern als früher: „In der E- oder D-Jugend merkt man es noch nicht so, dies wirkt sich dann bei den älteren Jahrgängen aus.“ Für sein Herzensanliegen war Schöck bereit, einen großen Teil seiner Freizeit zu investieren.

„Der Aufwand in solch einer Funktion ist schon sehr groß“, bekennt er. Und die Intensität neben den Gesprächen und Telefonaten nahm im Laufe der Zeit mit der modernen Technik noch zu: „Früher kam hin und wieder mal ein Brief vom Verband, heutzutage kommen täglich Mails im Computer an.“

Sicher ist bei diesen „elektronischen Briefen“ auch einiges Belangloses dabei, anschauen muss man sich sie dennoch. Da heißt es, morgens vor dem Gang ins Bad den Computer anstellen, um die ersten Mails zu „checken“.

Fast alle Auszeichnungen erhalten

Und abends wird noch ein letzter Blick ins elektronische Postfach geworfen. „Aber es hat sich gelohnt“, zieht Schöck trotz aller Beschwernisse ein überaus positives Fazit. „Man muss diese Position gerne machen und kann nicht immer jedem gerecht werden. Aber das Lob überwiegt, und dass freut mich.“

Anerkennungen für seine langjährig ausgeübten Ehrenämter erhielt er schon in großer Zahl, im Prinzip fehlt nur noch die Verbandsehrennadel in Gold – aber auch hierfür ist Schöck ein Kandidat in der ersten Reihe. Aber der Frohnhäuser weiß auch, von wem die wichtigste Unterstützung kam: „Ich muss vor allem meiner Familie danken, sie hat alles mitgetragen.“

„Ich habe da noch einige weitere Interessen“

Eigentlich wollte der Kreisjugendfußballwart (und stellvertretende Kreisfußballwart) bereits vor vier Jahren sein Amt „an den Nagel hängen“, doch mangels Nachfolger erklärte er sich damals bereit, noch bis 2020 weiterzumachen. Nun soll aber endgültig Schluss sein: „Wenn man so etwas so lange macht, hängt man an der Geschichte. Aber wenn man älter wird, sollen besser die ‚Jungen‘ weitermachen.“

Aber wenn sein Nachfolger als Kreisjugendfußballwart sich in seiner neuen Rolle erst noch zurecht finden muss, ist Schöck gerne bereit, in der „Eingewöhnungsphase quasi als „inoffizieller Berater“ mit Rat zur Seite zu stehen.

Sorgen, dass er in seinem „zweiten Ruhestand“ nicht mehr weiß, was er mit seiner neu gewonnenen Zeit anfangen soll, hat Herbert Schöck nicht. Mit dem Fußball bleibt er bei Besuchen der Spiele seines Heimatvereins SpVgg Wacker Frohnhausen verbunden, und: „Ich habe da noch einige weitere Interessen, denen ich dann nachgehen kann.“

von Michael Seehusen

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