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Nach dem Aufstieg geht der Blick nach vorn
Nach dem Aufstieg geht der Blick nach vorn
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18:06 30.11.2021
Eines der Talente in Reihen der KTV Obere Lahn: Lukas Lippert, hier bei einer Übung am Pferd.
Eines der Talente in Reihen der KTV Obere Lahn: Lukas Lippert, hier bei einer Übung am Pferd. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Mission erfüllt! Ganz deutlich hatten Verantwortliche und Aktive der KTV Obere Lahn vor der Saison gesagt, was sie erreichen wollen: den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Sie haben es geschafft. Letztlich mit einem knappen Sieg im Finale, insgesamt aber doch souverän. Ein paar Tage später geht der Blick bereits nach vorn.

Neuland erwartet die Titans keineswegs. Biedenkopfer Kunstturner sind schon in ganz anderen Bereichen unterwegs gewesen. 2018 wurde das damalige Team aus dem Hinterland zwar nicht sensationell, aber doch überraschend Deutscher Meister – das zu einem Zeitpunkt, als bereits beschlossen war, einen anderen Weg zu gehen, statt auf Stars wie Lukas Dauser, Nick Klessing und zuvor auch Fabian Hambüchen auf lokale Kräfte, auf regionale Youngster zu setzen. Es läuft: Die Kunstturnvereinigung ist eine Talentschmiede. Turnern wie Karl Becker, Sunny Joe Fiecker (beide 18 Jahre), Lukas Lippert (17) und Lewin Forkert (16) ist der Sprung in die nationale Spitze zuzutrauen.

Finalwettkampf stand wegen Pandemie auf der Kippe

Sie sollen an der Lahn bleiben. Geht es nach Teamchef Albert Wiemers, geht es nach Kapitän Maik Wehn, bleiben alle, die in der 3. Bundesliga zum Aufstieg beigetragen haben, an Bord, sollen eine Klasse höher zeigen, was sie drauf haben. Wiemers ist optimistisch, dass das klappt. Manche Gespräche stehen aber noch aus.

In der 2. Bundesliga waren die Biedenkopfer schon 2019 aktiv, stiegen letztlich überaus unglücklich ab – weil ausgerechnet in den Wettkämpfen gegen die direkten Konkurrenten wenig funktionierte, weil Verletzungspech hinzukam. 2020 verhinderte die Pandemie den angepeilten Wiederaufstieg. Dieses Jahr wurde bis zum Schluss geturnt, wenn auch unter teils widrigen Umständen. Noch bis wenige Tage vor dem Finalwettkampf war ungewiss, ob die Veranstaltung im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl aufgrund der hohen Corona-Inzidenzen in Bayern würde stattfinden können. „Wir haben uns in gewisser Weise ins Nichts vorbereitet“, sagt Wehn. „Das ist nicht einfach. Du weiß nicht, ob wirklich geturnt wird oder nicht.“ Umso glücklicher ist er, dass geturnt wurde, dass der Wettkampf gegen die WTG Heckengäu mit 40:35 gewonnen und das Saisonziel erreicht wurde.

Trainingslager im Frühjahr in Armenien geplant

Fest steht ein Zugang, der eigentlich nicht neu ist: Justus Sporleder ist in dieser Saison bereits dabei gewesen, hat sich teilweise sogar bei Wettkämpfen eingeturnt, durfte aber noch nicht eingesetzt werden – weil er mit 15 Jahren noch zu jung dafür war. In der nächsten Saison, die wieder komplett in der zweiten Jahreshälfte ausgetragen werden soll, wird das anders sein. Wehn schwärmt: „Er ist eine absolute Verstärkung für uns.“ Und das nicht nur an einem Gerät: „Er ist ein Allrounder. Er hat das Niveau an allen sechs Geräten.“

Die Ausländerposition – an jedem der sechs Geräte darf je ein nicht-deutscher Athlet turnen – sollen sich auch künftig Andrey Likhovitskiy, der in Biedenkopf längst heimisch geworden ist und den Nachwuchs trainiert, und Artur Davtyan teilen. Davtyan, der sich bei den Olympischen Spielen in Tokio mit Bronze am Sprung seinen sportlichen Traum erfüllt hat, will dafür im Herbst wieder für einige Wochen nach Deutschland kommen – zuvor aber will er seine Kameraden einladen: „Geplant ist, dass wir im Frühjahr ein Trainingslager bei Artur in Armenien machen“, erzählt Wiemers.

Gearbeitet wird schon vorher, genauer gesagt: sofort. Wehn zieht den Vergleich zum vorherigen Aufstieg (der damaligen zweiten Riege) aus der 3. Bundesliga vor drei Jahren: „Damals waren wir vom Zweitliga-Niveau noch ein Stück weg. Dieses Mal ist das anders, aber wir müssen uns verbessern.“ Heißt: sowohl an Schwierigkeiten als auch an Ausführungen zu arbeiten. „Wir haben es in dieser Saison geschafft, nur wenige Fehler zu machen. Da müssen wir weitermachen, aber auf höherem Niveau“, erklärt der 24-jährige Kapitän und ist überzeugt: „Wir können eine Klasse höher mithalten. Wir freuen uns alle darauf.“

Von Stefan Weisbrod