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Lokalsport Wir-Gefühl trotz des Individualsports
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21:22 19.10.2020
Der 16-jährige Leon (vorn) ist Teil des neunköpfigen Bezirkskaders im Bogenschießen.  Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Moischt

Auf dem Vereinsgelände des Schützenvereins Moischt sind einmal im Monat angeregte Gespräche und Lachen zu vernehmen. Dann immer Pausen – währenddessen fliegen neun Pfeile fast gleichzeitig in Richtung der Zielscheibe. Der Bezirkskader im Bogenschießen trifft sich zum Training. Bis Oktober lassen die Schützen ihre Pfeile draußen fliegen, danach geht es in die Halle. Das liegt an den Temperaturen und Lichtverhältnissen.

Seit zwei Jahren betreuen Judith Icking und Michael Meinecke die Jugendlichen ehrenamtlich als Trainerteam. „Das Ziel des Kaders ist es, die Jugendlichen auf Turniere und Meisterschaften vorzubereiten“, sagt Icking. Aufgrund des Gewinns der Silbermedaille von Lisa Unruh bei den Olympischen Spiele 2016 stieg das Interesse am Bogenschießen in Deutschland an. Einen weiteren Anteil an der Popularität des Sports besitzen Filme wie „Die Tribute von Panem“ oder der Animationsfilm „Merida“. „Ich denke schon, dass der Ansturm auf die Sportart anhalten wird. Allerdings nur solang wie der Bogen keine Waffe bleibt“, bemerkt die 29-jährige Icking.

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Die Trainerin ist teilweise noch nicht so lange im Sport aktiv wie einige ihrer Schützlinge. „Ich bin seit 2016 Bogenschützin. In der Uni wurde ein Schnupper-Kurs angeboten. Allerdings gab es für den Bogenschieß-Kurs nur wenige Plätze. Ich habe mich dann mit meinem Freund eingeschrieben und glücklicherweise haben wir beide einen Platz bekommen“, erinnert sich die Apothekerin.

Heute sind Meinecke und Icking sowohl Lizenz- als auch Kindertrainer beim SV Moischt. „Bogenschießen ist zwar eigentlich ein Individualsport, aber jeder baut sich hier gegenseitig auf. Jedes Kind kann sich einbringen und wir albern sogar während des Trainings miteinander“, beschreibt Trainerin Icking das Gemeinschaftsgefühl.

Der Kader besteht aus drei Schützen des SV Momberg und des SV Moischt. Dazu kommen zwei Schützen des SV Sterzhausen und eine Schützin des SV Niederweimar. Die Schützen des Bezirkskaders sind zwischen elf und achtzehn Jahren alt. Die beiden Trainer gründeten den Bezirkskader nach dem Vorbild eines Vereins in Nordrhein-Westfalen, der einen Bezirkskader für seine jüngsten Schützen anbot. „Da wir im Vereins-Kindertraining nur wenige wettkampforientierte Schützen hatten, konnten wir im Training nicht genug auf sie eingehen. Dann haben wir beschlossen, mit dem Kader eine Möglichkeit zu schaffen, die Kinder besser auf Meisterschaften vorzubereiten indem sie mit anderen Kindern trainieren können, die ähnliche Ambitionen haben. Und da der Landeskader normalerweise erst ab Schüler A aufnimmt haben wir dann zwei Jahre Zeit, um die Kinder auf den vorzubereiten“, erklärt Icking.

Erster Erfolg im Landeskader

Die 13-jährige Charlotte übt seit sechs Jahren den Sport aus und ist seit Beginn des Jahres Teil des Landeskaders. „Ich habe Bogenschießen auf einer Feier ausprobiert. Das hat mir Spaß gemacht und dann habe ich es weiter gemacht“, sagt Charlotte. Zu ihren größten Erfolgen zählt der dritte Rang bei den Landesmeisterschaften 2019. „Seitdem ich Erfolge habe, macht es umso mehr Spaß!“, fügt die 13-Jährige hinzu.

Auch beim 16-jährigen Leon sprechen die Leistungen für sich. „Ich bin Landesmeister und habe die Bezirksmeisterschaft gewonnen“, sagt der Schütze des SV Moischt. Zum Bogenschießen ist Leon aufgrund seiner Liebe zum Mittelalter gekommen. „Ich bin Mittelalter-Fan und habe mir deshalb von meinem Taschengeld einen guten Bogen gekauft. Das hat mir Spaß gemacht und seitdem übe ich den Sport aus“, sagt der Landesmeister.

Der SV Moischt unterstützt den Bezirkskader mit der Nutzung des Platzes. Dieser ist zentral im Bezirk gelegen und auch weitere Distanzen können dort geschossen werden.

Von Leonie Rink