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Lokalsport Im Wasser gibt es keine Widerrede
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12:58 25.07.2021
Über den sportlichen Aspekt hinaus ist den Frauen und Männern auch der soziale Wert ihrer fast allmorgendlichen Aquajogging-Treffen wichtig.
Über den sportlichen Aspekt hinaus ist den Frauen und Männern auch der soziale Wert ihrer fast allmorgendlichen Aquajogging-Treffen wichtig. Quelle: Bodo Ganswindt
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Kirchhain

Das Training des Körpers im Wasser entwickelt sich zu einem Renner, weil es sich um eine Bewegungsform handelt, die gleichermaßen von Menschen fast jeglichen Alters ausgeübt werden kann und vor allem positive Auswirkungen auf deren Befindlichkeiten hat. Darüber gibt es in der Fachliteratur kaum zwei unterschiedliche Meinungen. Das Aquajogging etwa hat sich neben den bisher bekannten Ausdauersportarten längst etabliert und bewährt.

Wenn Helmut Schaake in das Schwimmbecken des Kirchhainer Hallenbads Phoenix eintaucht, dann ist den etwa zwei Dutzend Teilnehmern an dem von ihm geleiteten Kurs klar, wer ab jetzt Chef im Wasser ist. Er fordert Aufmerksamkeit und gibt vor, was von nun an Trumpf ist.

Sein Ton ist rau, aber herzlich. Wer zu laut mit seiner Nachbarin oder seinem Nachbarn schwätzt, erhält einen dezenten Anpfiff, der in der Regel keinen Widerspruch zulässt.

Auch der Neuankömmling muss sich beim Anpassen der viel zu engen Gürtelweste, die ihm zum nötigen Auftrieb verhelfen soll, ungezogene Bemerkungen über seinen Bauchumfang anhören. Doch der Gurt hat viele Löcher und taugt auch für die größere Wampe.

Von nun an folgt eine Anweisung auf die andere. Die von Frauen dominierte Gruppe mit einem Durchschnittsalter so um die 60 Jahre läuft auf diverse Weise unter Wasser, vollzieht unter Zuhilfenahme von leichten Hanteln aus Styropor Beugungen und Streckungen mit Armen, Beinen und Rumpf, beweist Geschick in der Koordination.

Und siehe da: Es geht alles irgendwie viel einfacher als an Land. Im Schwimmbecken reduziert sich das Körpergewicht entsprechend der Gewichtskraft des verdrängten Wasservolumens. Der Körper scheint zu schweben oder wie von Zauberhand aufzusteigen.

Mit dem Kopf über Wasser verringert sich das Gewicht auf etwa ein Zehntel der an Land gewogenen Kilos.

Die muntere Gruppe lässt sich weiterhin wohlgemut von ihrem Meister triezen, eine Stunde lang, unterbrochen von lohnenden Pausen. „Wir sind froh, dass wir nach langer Corona-Unterbrechung wieder unseren Sport treiben können“, fasst eine Teilnehmerin die einhellige Meinung der Gruppe zusammen, „wir sind alle steifer geworden.“

Die Bewegung tue ihnen gut. Das ein oder andere Leiden im Rücken, den Hüft- und Kniegelenken sei so leichter zu ertragen bzw. ganz zu eliminieren. „Ich habe zwei schwere Rückenoperationen hinter mir“, betont ein 76-Jähriger, „ich habe ständig Schmerzen und muss entsprechende Mittel einnehmen. Wenn ich allerdings eine Stunde im Wasser trainiert habe, bin ich einige Zeit fast schmerzfrei.“

„Selten habe ich als Übungsleiter so viele positive Rückmeldungen von Teilnehmern bekommen wie nach den Aquajogging-Stunden“, sagt Helmut Schaake. Er selbst habe vor zwölf Jahren nach einer Knieoperation mit dem regelmäßigen Training im Wasser begonnen und sei von manchem zunächst mitleidig belächelt worden.

Die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, den Energiestoffwechsel, die Muskulatur, die Gelenke, das Gefäßsystem und die Haut seien unverkennbar. Gleichwohl gebe es auch negative Effekte, die jedoch vor allem Menschen mit bereits vorhandenen gesundheitlichen Schädigungen beträfen. Wer im Zweifel ist, sollte immer einen Arzt befragen, bevor sie oder er sich dem Fitnesstraining im Wasser zuwendet.

Über den rein sportlichen Aspekt hinaus berichten die Frauen und Männer auch vom kommunikativen und sozialen Wert ihrer fast täglichen morgendlichen Treffen. „Wir haben Spaß in der Gemeinschaft“, sagt eine Teilnehmerin. Das drückt sich unter anderem aus in gemeinsamen Reisen und sonstigem geselligen Beisammensein.

Die Nachfrage ist groß und die Anzahl der Mitglieder ist derzeit begrenzt. Gleichwohl will Schaake niemandem verwehren, einmal zu schnuppern. Dass das Training überhaupt möglich ist, sei auch dem Entgegenkommen der Betriebs-GmbH des Hallenbades Phoenix zu verdanken. „Wir finden hier günstige Bedingungen vor“, sagt Schaake. Dafür sorgt auch Peter Bittner als Geschäftsführer der Gesellschaft, die den Betrieb nicht nur am Laufen erhält, sondern auch besondere Angebote macht.

So finden aktuell in den ersten beiden Wochen der Sommerferien Schwimmkurse für Kinder statt. Dafür gab es etwa 400 Voranmeldungen. „Ich rate dazu, bereits jetzt Vierjährige anzumelden, damit sie im Alter von fünf Jahren einen Platz im Kurs erhalten.“

Von Bodo Ganswindt