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Lokalsport Beibehaltung der Lockerungen sorgt für Freude und Skepsis
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14:58 25.03.2021
Vor etwas mehr als zwei Wochen durften einige der jungen Kicker der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg wieder in Gruppentraining einsteigen.
Vor etwas mehr als zwei Wochen durften einige der jungen Kicker der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg wieder in Gruppentraining einsteigen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Zumindest ein Teil der hessischen Amateursportler durfte nach der vergangenen Bund-Länder-Konferenz aufatmen. In den Vereinen dürfen – trotz seit einigen Tagen steigender Inzidenz – weiterhin Kinder bis 14 Jahren in Gruppenstärke an der frischen Luft trainieren, auch Fitnessstudios bleiben unter Auflagen geöffnet. Es sind Signale aus der Politik, die bei Verantwortlichen mit Wohlwollen aufgenommen werden – aber auch mit Vorsicht oder gar Skepsis.

Beim 1. Box-Club Marburg trainieren deutlich mehr als 20 Kinder und Jugendliche individuell, inzwischen teilweise auch wieder zu zweit mit einem Trainer, berichtet Ronald Leinbach im Gespräch mit der OP. „Wir dürften bei den Jüngeren auch mehr Kinder zugleich bei uns haben, wir wollen aber das Risiko möglichst gering halten“, sagt der Sportwart und Cheftrainer. „Wir haben eine Verantwortung für unsere Sportlerinnen und Sportler, der wollen wir auch beim Infektionsschutz gerecht werden.“ Er und seine Mitstreiter hätten aktuell „ziemlich viel Zusatzarbeit“ durch die Koordination der Trainingseinheiten. „Die nehmen wir aber gern auf uns“, betont er, denn: „Die Kinder und Jugendlichen rennen uns die Bude ein. Wir wollen ihnen das ermöglichen, was erlaubt ist und wir verantworten können.“

Groß war der Ehrgeiz auch bei den Jugendfußballern, die draußen seit gut zwei Wochen wieder zusammen trainieren dürfen, auch weiterhin, wie Ministerpräsident Volker Bouffier am Dienstag mitteilte – trotz einer landesweiten Inzidenz von mehr als 100. „Wir machen erstmal weiter mit dem Training, wenn wir keine Anweisung vom Kreis bekommen“, sagt Kristof Kühn, Jugendkoordinator der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg, der es begrüßt, dass Gruppentraining möglich bleibt, denn: „Die Kinder brauchen die Bewegung und den sozialen Kontakt zu ihren Freunden. Außerdem ist das Ansteckungsrisiko auf dem Platz extrem gering“, gibt Kühn zu bedenken.

Doch nicht überall im Kreis geht man denselben Weg. Knapp 100 Kinder von der D-Jugend „abwärts“ profitierten beim VfB Wetter von der Öffnung für den Jugendsport. Seit vergangener Woche ruht bei den jungen Kickern aber wieder der Ball – auch weil der VfB in Mario Sauerwald über einen Jugendleiter verfügt, der im Gesundheitswesen arbeitet und tagtäglich sehe, was das Coronavirus bei Menschen verursache, erzählt der Vorsitzende Armin Schmidt im Gespräch mit der OP. „Letztlich fällt die Verantwortung für das, was passiert, auf die Vereine zurück – auch wenn dieser Schritt für die Kinder nicht schön ist“, begründet Schmidt. Am Wochenende will der Verein entscheiden, wie es weitergeht.

Zwei Herzen schlagen derweil in der Brust von Solveig Freitag-Sachwitz, B-Juniorinnen-Trainerin beim Jugendförderverein (JFV) Ebsdorfergrund, der – wie die SF BG – Gruppentraining für die Unter-15-Jährigen und Individualtraining für die älteren Kicker anbietet. „Mein Trainerherz sagt: ,Trainieren ist toll, Kinder brauchen ein Stück weit Normalität.’ Aber die Zahlen steigen – und das braucht gerade keiner“, sagt Freitag-Sachwitz.

Für die Betreiber der heimischen Fitnessstudios hieß es nach dem jüngsten Corona-Gipfel: aufatmen. Schließlich mussten sie insgesamt knapp sechs der vergangenen zwölf Monate pandemiebedingt schließen. Die Entscheidung, dass die Studios geöffnet bleiben dürfen, hat Jacek Sufczynski, Inhaber und Geschäftsführer des Physicum in Marburg, als „absolut positiv empfunden“. „Die Leute brauchen Bewegung und Gesundheit. Außerdem machen wir sehr gute Erfahrungen, was die Einhaltung der Regeln angeht“, sagt Sufczynski. Zwar sei die Resonanz von Sportlerinnen und Sportlern, die Termine für ihr Training buchen, „nicht so wie zu normalen Zeiten, aber wir sind schon gut ausgebucht“, sagt Sufczynski, der positiv in die Zukunft blickt. „Sobald die meisten Menschen geimpft sind, sollte es besser laufen.“

Urban Seifert, Geschäftsführer der Move-Sportwelt, sieht die bestehenbleibende Öffnung der Studios als Erfolg der Branche, die sich unlängst mit ihrem Anliegen an die Politik gewandt hatte (die OP berichtete). „Das Arbeiten daran, dass Studios einen anderen Stellenwert bekommen, zeigt offenbar Wirkung“, sagt Seifert. Wir sind nicht das Problem, sondern tragen zur Lösung des Problems bei“, findet er.

Von Marcello Di Cicco und Stefan Weisbrod