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Lokalsport Coach Unger fordert bessere Defensive
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20:38 08.09.2019
BC Marburgs Neuzugang Candice White (rechts) versucht, an Hannovers Aliaksandra Tarasava ­vorbeizuziehen. Der BC verlor die gestrige Partie mit 78:102. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg.

Keine zwei Minuten sind gespielt, als Patrick Unger die erste Auszeit nimmt und seine Spielerinnen zu sich zitiert. Der Coach kniet und wird laut. Es sind keine  Lobeshymnen. Wenige Minuten später kommt die nächste Auszeit. Diesmal tritt der Trainer des BC Marburg so heftig gegen seinen Stuhl, dass die wehrlose Sitzgelegenheit durch die Gegend poltert.

Der Gastgeber des Turniers, ausgetragen in der Georg-Gaßmann-Halle, erwischte gestern einen schlechten Start in die Partie gegen den TK Hannover und schaufelte sich so ein zu großes Grab, um wieder heraus zu krabbeln. Dementsprechend entgeistert war Unger auch nach dem letzten der drei Turnierspiele seiner Mannschaft. Das größte Manko benannte er klar und deutlich: „Ich bin gar nicht zufrieden. Wir haben nicht umgesetzt, was wir machen wollten. Das Spiel geht ganz klar über Energie und Verteidigung. Wenn man 102 Punkte bekommt, kann man nicht zufrieden sein.“

Hannover enteilt dank vieler Drei-Punkte-Würfe

78:102 verlor der BC vor 110 Zuschauern gegen Ligakonkurrenten TK Hannover, der durch den Sieg auf Rang zwei landete. Trainerin Tatiana Gallova, in ihrer ersten Saison beim Erstligisten aus Niedersachsens Hauptstadt, war von der Leistung ihrer Schützlinge hingegen angetan. „Wir haben unser System gut umgesetzt und unsere Würfe getroffen“, benannte sie die offensichtlichen Gründe für den Triumph.

Allerdings spielten die Defensivschwächen des BC den Gästen mehr als nur in die Karten. Es war phasenweise ein Kinderspiel, Marburgs Verteidigung zu überrumpeln. Die Hannoveranerinnen kamen durch ballsichere und schnelle Ballzirkulation zum Abschluss. Schlecht aus Marburger Sicht: Diese Würfe waren viel zu oft ungedeckt. Die Spielerinnen setzten die vorgegebene Verteidigungsstruktur nicht um und verloren in der Deckung zu oft den Überblick.

„Wir waren oft viel zu weit von unseren Gegenspielern weg“, kritisierte Unger. Besonders die Kreisverteidigung war äußerst löchrig. Wobei die TK-Schützinnen sehr treffsicher waren und dank vieler Drei-Punkte-Würfe nach dem ersten Viertel 26:11 führten. Insbesondere die erfahrene amerikanische Aufbauspielerin, Stephanie Gardner, entpuppte sich als fleischgewordener Albtraum für den BC.

Heimklatsche soll laut Coach Unger Weckruf sein

„Als wir angefangen haben richtig Defensive zu spielen, waren wir schon mit 15 Punkten hinterher. Das ist gerade gegen ein Team wie Hannover, das viel Qualität hat, viel zu spät“, bemerkte Unger. Im zweiten Spielabschnitt rappelten sich die Marburgerinnen wieder auf und punkteten mehr als die Gäste, sodass es mit 45:36 für Hannover zum Pausentee ging. Die Aufholjagd wurde allerdings nach der Halbzeit vom TK abgeblasen. Erneut spielten viele Dreier eine Rolle. 32 Punkte legte er im dritten Viertel nach, während der Gastgeber nur 20 Zähler auf die Anzeigetafel hieven konnte – 77:56.

Ergebnisse

TK Hannover - Panthers Osnabrück          67:76
BC Marburg - Sharks Würzburg              107:39
Sharks Würzburg - TK Hannover              60:96
BC Marburg - Panthers Osnabrück              66:67
Sharks Würzburg - Panthers Osnabrück    38:82
BC Marburg - TK Hannover    78:102
  
 1.    Panthers Osnabrück  3  3  0   225:171  6
 2.     TK Hannover           3  2  1   265:214  4
 3.     BC Marburg             3  1  2   251:208  2
 4.     Sharks Würzburg    3   0  3   137:285  0

Die Gäste hatten viele Spielerinnen, die den Ball in den Korb befördern konnten. Bei den Marburgern war Alex Kiss-Rusk mit 14 Punkten beste Werferin. Die deutliche Niederlage, letztlich artete sie in ein 78:102 aus, sollte laut Unger einigen Athletinnen klarmachen, dass die vergangene Spielzeit Schnee von gestern sei und ein neuer Wind wehe „Es ist ein anderes Team als in der Vorsaison. Und ich hoffe, dass ein paar Leute das jetzt auch mal realisieren. Es wird im Gegensatz zu den drei vorherigen Jahren eine ganz schwere Saison für uns“, unterstrich Unger. Vor dem Hintergrund, dass in der Vorbereitung noch nicht viele Offensiv-
Inhalte trainiert wurden, war Unger mit den Darbietungen im Angriff weitgehend zufrieden. Mit knapp 70 Punkten in jedem Spiel könne er gut leben.

Das Turnier gewann Erstliga-Aufsteiger Giro-Live Panthers Osnabrück, gegen die der BC am Samstag denkbar knapp 66:67 verloren hatte. Im Vergleich zum Hannover-Spiel eine Leistung mit deutlich mehr Licht. „Es gab Phasen, in denen wir gut verteidigt haben und richtig gut Basketball gespielt haben“, befand Unger. Und wenn der Turniersieger in drei Spielen nur 171 Punkte zulässt, verdeutlicht das Ungers Forderung nach mehr Hingabe bei der Defensivarbeit.

von Benjamin Kaiser