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Lokalsport Ein Abend im Zeichen der Inklusion
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11:00 21.12.2019
Das Basketball-Handicap-Team mit den Bundesliga-Spielerinnen des BC Pharmaserv Marburg, Joey Klug (hinten links) und Alex Wilke (hinten rechts), und Rollstuhlbasketballer Zacharias Wittmann beim offenen Training. Quelle: Leonie Rink
Marburg

Es herrscht Ruhe in der bereits in Dunkelheit getauchten Straße der Leopold-Lucas-Straße. Einzige Lichtpunkte sind die Straßenlaternen und die Fenster der Sporthalle der Elisabethschule. Durchbrochen wird die Dunkelheit von Jubel-Schreien und verzerrten „Nein!“-Rufen.

Freud und Leid sind ganz nah beieinander. Es geht zwar „nur“ um nicht erzielte oder erzielte Körbe, aber den Sportlerinnen und Sportlern entfährt immer wieder mal ein verzweifeltes, leicht saures „Och nee“ oder „du meine Güte!“ Die Athleten, die auf dem Parkett stehen, haben alle eine geistige Einschränkung und bilden gemeinsam das Basketball-Handicap-Team des BC Marburg.

Und genau jenes Basketball-Handicap-Team hat zum offenen Training geladen, das auch an vielen anderen Orten in Deutschland seit fünf Jahren im November oder Dezember ausgerichtet wird. In der Sporthalle der Elisabethschule stand zwei Stunden lang alles im Zeichen der Inklusion. Geleitet wurde die offene Trainingseinheit von den Bundesligaspielerinnen des BC Pharmaserv Marburg, Nationalspielerin Alex Wilke und Joey Klug.

„Früher hatten die Bundesligaspielerinnen Bedenken dabei. Aber jetzt sagen alle selbst, dass es ihnen unheimlich viel bringt“, erinnert sich Hilde Rektorschek an die Anfänge zurück. Rektorschek betreut das Basketball-Handicap-Team als Koordinatorin. Seit diesem Jahr ist auch Zacharias Wittmann – ehemaliger Jugend-Nationalspieler im Rollstuhlbasketball und aktiver Spieler in der Regionalliga in Wetzlar – ein Teil des Trainer-Teams.

"Es gab am Anfang Bedenken von den Spielern"

Vor der offiziellen Begrüßung durch Rektorschek bildete sich ein Kreis mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Es folgte das obligatorische Mannschaftsfoto. Dabei stellten sich alle 25 Mitglieder des Handicap-Teams in einer Linie auf. In einer Vorstellungsrunde berichteten die Sportlerinnen und Sportler, wie sie ein Teil des Teams geworden sind.

Rektorschek hob das Miteinander in den AGs an den Förderschulen, die Kooperationen mit den Einrichtungen und die Teilnahme an Camps, wie beispielsweise dem Leistungs-Camp des BC Marburg, hervor. Die Zusammenarbeit mit dem Leistungs-Camp sei aber nicht immer reibungslos verlaufen: „Es gab am Anfang Bedenken von den Spielern. Sie dachten, sie stören, sie fallen auf, sie können nichts. Aber als es los ging waren alle total motiviert. Also haben wir es gemeinsam durchgezogen.

Stolz berichtet Rektorschek auch von den Teammitgliedern, die während dieser Zeit das Basketball-Sportabzeichen oder das Deutsche Sportabzeichen abgelegt haben. Rektorschek ist das Team ans Herz gewachsen – seitdem sie als Koordinatorin tätig ist, was der Wunsch der Spieler war. Bei ihrer „Arbeit“ mit dem Team geht es immer um „Aufeinander achtgeben, Hilfsbereitschaft, freundliches Auftreten und Spaß haben“.

Und das mache sie „sehr glücklich“, auch, weil die Mannschaft ihre eigenen Stärken erkannt hat. Sportlich und menschlich: „Es ist immer sofort jemand zur Stelle, wenn ein anderer Hilfe benötigt oder hinfällt.“ Apropos Hilfe: Die kann das gesamte Team in Form von weiteren ehrenamtlichen Menschen gut gebrauchen, um sich weiter intensiv auf die nächsten Ziele vorbereiten zu können: Die Special Olympics Hessen 2021 und auch die Weltspiele zwei Jahre später in Berlin. 

von Leonie Rink