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Lokalsport Für Unger ist nach der Saison Schluss
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21:01 14.01.2020
Mit vollem Einsatz dabei: So kennen die Zuschauer Patrick Unger, der nach der laufenden Saison als Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft des BC Marburg aufhört. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die Weihnachtszeit ist eine besinnliche Zeit. Es sind Tage, in denen sich viele Menschen reflektieren – und in denen sie über ihre Zukunft nachdenken.

Auch Marburgs Trainer Patrick Unger tat dies nach dem letzten Spiel des vergangenen Jahres am 21. Dezember gegen den Herner TC (63:71).

„Da mein Vertrag mit dem BC im Sommer dieses Jahres ausläuft, bat mich der Verein, über die Thematik nachzudenken – im Wettbewerbsmodus tue ich so etwas ohnehin ungern“, sagt Unger. Sein Entschluss: Der gebürtige Berliner, der am kommenden Dienstag seinen 37. Geburtstag feiert, wird den BC im kommenden Sommer verlassen.

BC-Präsident: Entscheidung nachvollziehbar

„Ich bin seit acht Jahren im Verein. In dieser Zeit sind viele Dinge passiert, wir haben viel bewegt“, sagt der 36-Jährige, „nun ist es aber an der Zeit, mich als Trainer und Mensch weiterzuentwickeln. Mit der sportlichen Situation des BC Marburg hat meine Entscheidung aber nichts zu tun“, beteuert er. In jüngster Vergangenheit hat Unger an der Trainerakademie in Köln die europäische Fiba-Trainer-Lizenz erworben.

„Für uns war immer klar, dass Patrick ein Trainerniveau hat, das es ihm ermöglicht, früher oder später den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere zu machen. Deswegen hat uns seine Entscheidung nicht überrascht, sie ist absolut nachvollziehbar“, zeigt BC-Präsident Oliver Pohland Verständnis.

Zur Person

Patrick Unger (36) ist seit dem 29. Januar 2013 Trainer der Bundesliga-Basketballerinnen 
des BC Marburg. Seit dem stand er in 225 Spielen an der Seitenlinie der Blue Dolphins – so oft wie kein anderer vor ihm.

Mit dem Sieg gegen den SV Halle Lions (68:64) am vergangenen Sonntag holte Unger seine unmittelbare Vorgängerin Aleksandra Heuser (geborene Kojic) an der Spitze der BC-Rangliste in der Zahl der Siege (123) ein.

Unger führte den BC ab 2016 in jedem Jahr auf einen Medaillenrang in Bundesliga, im DBBL-Pokal oder in der Central Europe 
Women League (CEWL). In seiner Bilanz stehen weitere je zwei Halbfinal-Teilnahmen in Meisterschaft und Pokal.     

Anfang Januar setzte Unger den Verein und seine Spielerinnen über seine Entscheidung in Kenntnis. „Für einige Mädels kam meine Entscheidung nicht ganz überraschend“, meint Unger.

Pohland und dem BC-Vorstand helfe der frühe Zeitpunkt von Ungers Entscheidung „unglaublich viel für die Planung für kommende Saison“, gibt der BC-Präsident zu bedenken.

Bislang habe es noch keine Gespräche mit potenziellen Nachfolgern gegeben. Zuerst soll nun intern ein Anforderungsprofil für den neuen Headcoach erstellt werden.

Ende April, wenn die Saison ausklingt, soll Ungers Nachfolger feststehen – spätestens. „Einen späteren Zeitpunkt halte ich nicht für günstig“, sagt Pohland und begründet dies mit der Kaderplanung und dass Spielerinnen des aktuellen Kaders sowie potenzielle Zugänge ihre Entscheidung zum Verbleib beziehungsweise Vereinswechsel auch von der Personalie Cheftrainer abhängig machten.

Basketball-Trainer bis ans Lebensende

Eignung und Befähigung sollen zwei grundlegende Eigenschaften bei der Auswahl eines neuen Trainers sein. Dabei sei laut Pohland sowohl eine vereinsinterne als auch eine externe Lösung denkbar.

Was seine Zukunftsplanung angeht, gibt sich Unger noch bedeckt. Nur so viel: „Als sich herumgesprochen hatte, dass ich in Marburg aufhöre, wurde schon die ein oder andere Sache an mich herangetragen. Es gab Anfragen und kleinere Gespräche“, verrät Unger, ohne ins Detail zu gehen. Fest steht aber: hauptamtlicher Basketball-Trainer wird er bleiben – „möglichst bis an mein Lebensende“, sagt der 36-Jährige.

Spielerinnen sind ihm ans Herz gewachsen

Seinen Fokus will er nun ganz auf die laufende Spielzeit richtigen, die er auf jeden Fall – auch mit Rückendeckung des Vereins – in Marburg beenden will, denn:

„Mit einigen Spielerinnen wie Finja Schaake, Kim Winterhoff oder Tonisha Baker arbeite ich hier schon seit einigen Jahren zusammen. Sie sind mir ans Herz gewachsen. Das will ich nicht einfach wegschmeißen“, sagt Unger, der in dieser Spielzeit mit seinem Team noch „das Maximale“ herausholen will – zuerst aber den Nicht-Abstieg klarmachen will. Pohland hofft auf den Einzug ins Final Four der Central Europe Women League (CEWL) und die Bundesliga-Playoffs als „ganz großes Ziel“.     

von Marcello Di Cicco

Verzweifelt, fassungslos und immer mit vollem Einsatz dabei: So kennen die Zuschauer Patrick Unger, der nach der laufenden Saison als Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft des BC Marburg aufhört. Fotos: Thorsten Richter und Nadine Weigel