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Lokalsport Bertholdt lässt sich nicht unterkriegen
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15:59 23.11.2019
Läuft sie auch in Zukunft im Marburger Trikot auf? Marie Bertholdt (links; gegen Hannah Brown vom TK Hannover) will sich nach ­ihrem Kreuzbandriss im linken Knie auf jeden Fall zurückkämpfen. Quelle: Tobias Hirsch/Archiv
Marburg

Der große Schock kam mit Verzögerung. Gerade einmal zwei Minuten waren in der Bundesliga-Partie gegen die Rutronik Stars Keltern gespielt, da verdrehte sich die Kapitänin des BC Pharmaserv das Knie.

„Es hat nicht sonderlich wehgetan“, blickt Marie Bertholdt auf die Situation vor knapp drei Wochen zurück. „Ich konnte auf dem Bein laufen. Ich habe deshalb auch nicht an eine so schlimme Verletzung gedacht.“

Die Erkenntnis der MRT-Untersuchung am nächsten Tag „hat mich dann schockiert, obwohl ich wusste, dass etwas nicht stimmt“, erzählt die Deutsch-Amerikanerin im Gespräch mit der Oberhessischen Presse. Diagnose: Das vordere Kreuzband im linken Knie ist gerissen. Eine Operation ist unumgänglich, die Saison für die 24-Jährige, die auf der Center- und auf der Forward-Position spielt, beendet (die OP berichtete).

Nationalspielerin bleibt nur Zuschauerrolle

Spurlos geht die Verletzung – auch physisch – nicht an Bertholdt vorbei. „Natürlich“, sagt sie, sei es „alles andere als schön, zuschauen zu müssen, wenn die anderen trainieren oder ­spielen“. Sie macht es trotzdem, will nah an ihrer Mannschaft dranbleiben. Auch zum deutschen Nationalteam fuhr sie in der Länderspielpause, war drei Tage bei der Vorbereitung in Heidelberg und beim 105:40-Sieg gegen Nordmazedonien am Donnerstag vergangener Woche in Nördlingen dabei.

Bertholdt ist ein positiver Mensch – das sagt sie selbst, das strahlt sie auch aus. Sie lässt sich nicht unterkriegen. „Es geht weiter“, sagt die Basketballerin, die im oberbayerischen Starnberg geboren wurde und im kalifornischen Alameda, einer Stadt in der San Francisco Bay Area, aufwuchs. Für den Sport kam sie, nachdem sie vier Jahre lang für die Santa Clara Broncos in der amerikanischen College-Liga gespielt hatte, 2017 zurück nach Deutschland, entschied sich für den BC und bereut das nicht: „Mein Team und die Trainer haben es mir leicht gemacht, hier anzukommen.“

Vertrag in Marburg läuft zu Saisonende aus

Ihr aktueller Vertrag läuft bis zum Sommer kommenden Jahres. Bis dahin wird sie aller Voraussicht nach kein Basketball mehr spielen können. Ob sie noch einmal für die Blue Dolphins auflaufen wird, ist also ungewiss – aber auch alles andere als ausgeschlossen: Bertholdt fühlt sich in Marburg wohl, zumindest für die Reha nach ihrer Operation, für die es in Kürze einen Termin geben soll, möchte sie in der Stadt bleiben. Wie es danach aussieht, darüber hat sie sich „noch keine Gedanken gemacht“, sagt Bertholdt.

Zunächst will sie wieder fit werden. Am Ende der Vorsaison hatte sie sich einen Bänderriss zugezogen, fehlte daher in der entscheidenden Phase der Playoffs, die der BC mit dem vierten Platz abschloss. „Ansonsten hatte ich bisherig Glück“, berichtet sie. Nun hat es sie erstmals richtig hart getroffen. Für sie ist es keine Option, deshalb mit dem Leistungssport aufzuhören: „Ich komme wieder“, sagt sie voller Überzeugung.

Bertholdt: Mannschaft kann viel erreichen

Bis dahin will sie ihrem Team von außen „helfen, so gut es geht“. Neben ihr fällt auch die Kanadierin Alex Kiss-Rusk, die sich ebenfalls im Spiel gegen Keltern an der Schulter verletzte, lange aus. „Das macht die Sache natürlich nicht leichter. Aber wir haben eine super Mannschaft, die trotzdem viel erreichen kann.“ Dass Katie Yohn, die eigentlich ihre Karriere beenden wollte, im Dezember zurückkehrt, sei „auf jeden Fall eine gute Sache“, sagt Bertholdt. „Sie wird keine Eingewöhnungszeit brauchen und uns ganz sicher helfen.“

von Stefan Weisbrod