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Lokalsport Blue Dolphins fiebern Heim-Auftakt entgegen
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15:45 26.09.2019
Die Blue Dolphins Marburg gehen mit neuer Spielweise in die Bundesliga-Saison. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Niederlagen sind nie bei ambitionierten Teams nie einkalkuliert. Aber Marburgs Trainer Patrick Unger hatte vor dem Season Opening in Hannover wohl so eine Ahnung.

„Es wird ein langer Weg und er wird auch anstrengend“, hatte Unger schon vor Auftakt gegen die Xcyde Angels Nördlingen gesagt. Prompt ging die Partie gegen den Bundesliga-Neunten der Vorsaison mit 61:76 verloren.

Was Unger mehr als die Niederlage an sich ärgerte, war das Zustandekommen. Denn es waren nicht die vielen neuen Dinge in der Offensive, die den Blue Dolphins die Chance 
auf den Sieg kosteten, sondern die Grundtugenden: Laufbereitschaft und Kampfgeist ließen die Marburgerinnen nach der Pause vermissen, weshalb Nördlingen davonziehen konnte. „Wir waren immer einen Schritt zu spät“, räumte auch BC-Flügelspielerin Finja Schaake ein. „Dadurch haben wir uns mehr oder weniger selbst geschlagen.“

Die Veränderungen in der Offensive waren also nicht der Grund für die Niederlage. „Wir haben nur reagiert“, schlug die neue Mannschaftskapitänin Marie Bertholdt in die gleiche Kerbe wie Finja Schaake. Das habe auch nichts mit dem Potenzial der Mannschaft zu tun. „Es lag viel an der Mentalität. Wir waren nicht ready“, sagt Bertholdt.

Beim ersten Heimspiel am Freitag, 27. September (20 Uhr) gegen die BasCats Heidelberg wollen die Dolphins ready – also bereit – sein. Dann werden die Zuschauer in der Gaßmann-Halle­ zwei neue Gesichter sehen: Die deutsche Nationalspielerin Theresa Simon, die gestern ihren 21. Geburtstag feierte, und die 22-jährige Amerikanerin Can­dice White.

Den Gegner überraschen

Das Duo soll die Abgänge von Aufbauspielerin Paige Bradley, die in den vergangenen drei Jahren die Lenkerin war, und von Dreierspezialistin Katie Yohn, die als Führungsfigur auf und abseits des Platzes wichtig war, auffangen. „Es ändert sich alles – damit haben wir es zu tun“, fasst Trainer Unger zusammen.

Gemeint ist damit die Spielweise des Teams. An der obersten Prämisse, hart zu verteidigen, ändert sich zwar nichts. In der Offensive dagegen gehe es laut Unger „hin zu kreativem Basketball und weg vom statischen Basketball“. Das soll die Dolphins weniger ausrechenbar machen.

„Wir müssen die Verteidigung des Gegners lesen, damit wir wissen, was wir machen und wie wir darauf reagieren“, erklärt Marie Bertholdt erklärt die Veränderungen. Die Idee, die dahinter steckt: Wenn die Marburgerinnen am Anfang eines Angriffs nicht wissen, wie sie spielen, kann es der Gegner erst recht nicht wissen.

Die Umsetzung sei jedoch schwierig, in der Vorbereitung teilweise frustrierend gewesen. „Das Lesen müssen wir noch üben“, sagt Bertholdt, die aber die laufende Trainingswoche positiv bewertet: „So langsam haben wir unseren Rhythmus gefunden.“ Geduld werden Fans, aber auch Trainerteam und Spielerinnen aufbringen müssen. „Es braucht seine Zeit, bis es komplett bei allen sitzt“, sagt Finja Schaake. „Da ist noch Luft nach oben.“

Die Spielerinnen scheinen voll mitzuziehen. „Ob es für uns Spielerinnen mehr Spaß macht? Hoffentlich. Nicht mehr im festen System zu stecken, sollte eigentlich Bock machen“, sagt Bertholdt. „Es ist ein recht freier Basketball“, ergänzt Flügelspielerin Stephanie Wagner. „Das passt gut zu uns, wir sind ja ein junges Team.“ Ungewohnt sei es, neue Möglichkeiten zu haben und nicht in eine fest vorgegebene Struktur gezwungen zu sein. Gleichwohl betont Wagner: „Wir spielen immer noch Basketball.“

Mehr Verantwortung für 19-Jährige 

In der kanadisch-ungarischen Centerspielerin Alex Kiss-Rusk ist die Leistungsträgerin unter dem Korb geblieben. Im Aufbau trägt Alexandra Wilke nach dem Bradley-Abgang mehr Verantwortung, die 19-jährige Hanna­ Reeh wird auch mehr Spielanteile erhalten. „Hanna muss eine größere Rolle spielen“, sagt Unger, der betont, dass man sich bewusst für diesen Weg entschieden und mit Simon und White „mehr Tiefe auf den anderen Guard-Positionen“ hinzugewonnen habe.

„Theresa ist eine krasse Verteidigerin und Candice hat einen wahnsinnigen Dreier“, bringt Bertholdt die Stärken ihrer neuen Teamkolleginnen auf den Punkt. „Wir werden von außen gefährlich sein“, sagt Unger und verweist neben White­ auch auf Kiss-Rusk, Schaake, Simon, Bertholdt und Tonisha Baker.

Bertholdt: erst die kleinen Dinge, dann die großen

Während Unger und der BC in der Vorsaison mutig das Ziel ausgaben, oben anzugreifen und um die Deutsche Meisterschaft zu spielen, hält sich der Coach in dieser Saison zurück. Nach dem 7. Spieltag könne man die Leistungsstärke vielleicht einordnen, schätzt Unger, der neben Meister Herner TC die Rutronik Stars Keltern als Titelfavoriten nennt.

Nach Platz vier in der Vorsaison, als die Dolphins mit einer makellosen Hinrunde einen Vereinsrekord aufstellten, prescht diesmal auch aus der Mannschaft niemand vor. „Wir müssen uns auf die kleinen Dinge fokussieren. Wenn wir das schaffen, können wir uns auch auf die großen Dinge konzentrieren“, sagte Kapitänin Marie Bertholdt. Wagner lässt sich immerhin entlocken: „Wir wollen schon oben angreifen und in die Playoffs.“

von Holger Schmidt