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10:58 14.05.2021
Spieler der Gießen 46ers. Sportlich ist der Klassenerhalt verpasst worden. Offen ist, ob sich der Club auf eine Wildcard bewirbt.
Spieler der Gießen 46ers. Sportlich ist der Klassenerhalt verpasst worden. Offen ist, ob sich der Club auf eine Wildcard bewirbt. Quelle: Foto: imago
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GIESSEN

Fünf Mal Meister, drei Mal Pokalsieger – künftig aber eventuell zum zweiten Mal zweitklassig: Die Gießen 46ers, die ihre großen Erfolge zwischen 1965 und 1979 als MTV 1846 gefeiert hatten, sind sportlich aus der Basketball-Bundesliga abgestiegen – zum insgesamt vierten Mal (siehe Infobox). Während sich die besten Acht auf die Playoffs vorbereiten, finden an der Lahn Gespräche statt, wird gerechnet und überlegt: Will der Club zum letzten Strohhalm greifen, um eventuell in der höchsten Klasse bleiben zu können? Soll er sich für die von der Liga ausgeschriebene Wildcard bewerben?

Die Entscheidung muss schnell getroffen werden, Bewerbungsschluss ist am 20. Mai. Rasta Vechta, das die Saison auf dem letzten Tabellenplatz abgeschlossen hatte, hat bereits bekanntgegeben, sich auf die Wildcard zu bewerben. Dass es die überhaupt gibt, liegt an Zweitligist Leverkusen, der zwar sportlich das Teilnahmerecht an der Bundesliga erreicht, aber keine Lizenz beantragt hat. Nun ist ein Platz frei, auf den sich theoretisch jeder Club bewerben könnte, auch ein unterklassiger. 700 000 Euro stehen auf dem Preisschild – nicht für die Bewerbung, aber für den Verein, der den Zuschlag erhält. Eine Modifikation gibt es in diesem Jahr: Die Summe soll in zwei Raten à 350 000 Euro beglichen werden, wobei die zweite nach einem Jahr nur zu entrichten wäre, sollte in der kommenden Saison der Klassenerhalt gelingen.

Club müsste zusätzliche Einnahmen generieren

Die Gießener Verantwortlichen spielen mit recht offenen Karten. In einem vom Club veröffentlichten Interview spricht Geschäftsführer Stephan Dehler über die Überlegungen, über die Kosten, auch den verpassten Klassenerhalt. „Klar ist, wir sind sportlich abgestiegen, das ist nun mal leider so. Jetzt müssen wir tatsächlich sehen, ob wir 700 000 Euro außerhalb des regulären Budgets aufbringen können“, sagt er, betont: „Wenn wir uns bewerben sollten, können wir diese Summe nicht vom Spieleretat abzweigen, das ist ganz wichtig.“ Das Spielerbudget müsse bei einem Erstliga-Verbleib mindestens gehalten werden, „um schlagkräftig und konkurrenzfähig auftreten zu können“.

Bedeutet: Es müssten zusätzliche Einnahmen generiert werden – was Pandemie-bedingt noch schwieriger sein dürfte, da, wie es Dehler formuliert, auch die „Sponsorenlandschaft unter Corona gelitten“ habe. „Von daher wird die Budgetierung durch das Sponsoring für die nächste Saison schwieriger werden. Deswegen muss man offen und ehrlich kommunizieren, dass das für uns eine Kraftanstrengung wäre, diese 700 000 Euro aufzubringen.“

Das Ergebnis ist daher offen. Wenn die Entscheidung für einen Versuch getroffen werden sollte, „dann werden wir 110 Prozent geben, um eine aussagekräftige und erfolgreiche Bewerbung einzureichen“, sagt der Geschäftsführer – „oder wir sagen, wir gehen in die ProA und versuchen möglichst bis dahin eine so schlagkräftige Mannschaft aufzustellen, dass das Thema Aufstieg in den nächsten ein, zwei Jahren wieder eine Rolle spielt“. Bereits nach dem Abstieg 2013 gelang das, damals dauerte es zwei Jahre bis zur Rückkehr ins Oberhaus

Ein eindeutiges Meinungsbild unter Gesellschaftern, anderen Entscheidungsträgern und Sponsoren gebe es nicht: „Man kann ja durchaus sagen, dass wir in den zwei Jahren Pro A nicht die schlechtesten Zeiten erlebt haben. Da haben wir sehr gut gespielt und hatten eine gute Stimmung in Gießen.“

Von Stefan Weisbrod

Der vierte sportliche Abstieg

Nur ein einziges Mal haben die Gießen 46ers bislang den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen, 2013 war das. Mitten in der Saison hatte der Verein einen Insolvenzantrag gestellt, bekam sechs Wertungspunkte abgezogen, brachte schließlich mit einem Rumpfteam die Spielzeit zu Ende. Zwei Jahre waren die Mittelhessen anschließend in der Pro A am Ball. Doch schon vorher hatten sie zweimal den sportlichen Klassenerhalt verpasst: Sowohl 2009 als auch 2012 landeten sie auf Platz 17, blieben jeweils nur mit einer Wildcard in der höchsten Spielklasse. Jetzt ist der Club zum vierten Mal sportlich abgestiegen. sw

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