Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Dramatische Partie mit bitterem Ende für BC
Sport Lokalsport Lokalsport Dramatische Partie mit bitterem Ende für BC
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:51 03.11.2019
Zeigte im Spiel gegen Keltern eine überragende Leistung: Alex Wilke vom BC Pharmaserv Marburg (Mitte). Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Die rund 600 Fans trauen ihren Augen nicht. Ausgerechnet im aus Marburger Sicht ominösen dritten Viertel, das in der Vergangenheit oft aus der Hand gegeben wurde, dreht der BC mächtig auf, liegt nach 40:40 zur Pause nach 25 Minuten mit elf Punkten in Führung (61:52). Großen, wenn nicht sogar den größten Anteil am furiosen Spiel des BC hat Alex Wilke, der nicht nur in dieser Phase der hart umkämpften Partie nahezu alles gelingt.

Und was macht BC-Trainer Patrick Unger? Er nimmt Wilke vom Feld, bringt die unerfahrene Hanna Reeh. Der Spielfluss ist teils dahin, Reeh verliert einige leichte Bälle, Keltern kommt wieder ran. Nach 30 Minuten liegt Marburg nur noch mit drei Punkten vorn (63:60). Viele Fans fragen sich, warum dieser personelle Wechsel vollzogen wurde. Alex Wilke selbst trägt zur Aufklärung bei: „Ich war zwei Tage krank, also nicht bei 100 Prozent. Mir ging ganz schön die Pumpe“, sagt sie nach dem wohl besten Spiel ihrer Karriere. Dies sah auch Unger so: „Alex Wilke hat im Vergleich zur Vorsaison eine enorme Entwicklung genommen, doch musste ich ihr heute einige Pausen gönnen.“

Bertholdt verletzt sich am Knie

Eine unfreiwillige Pause gibt es nach nur zwei Minuten für Marburgs Marie Bertholdt. Nach einem eher harmlosen Foul bleibt sie minutenlang auf dem Hallenboden liegen, hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ihr linkes Knie fest. Das sieht nicht gut aus. Sie muss, unterstützt von zwei Personen, in die Kabine gebracht werden. Das bedeutet das Aus für dieses Spiel.

Welche Verletzung Bertholdt hat, wie lange sie ausfällt, konnte am Abend nicht prognostiziert werden. „Ich habe es mir wohl verdreht“, sagt Bertholdt, die das gesamte Spiel von der Bank aus verfolgt, also nicht ins Krankenhaus muss. Spricht für eine leichte Entwarnung.

Statistik

BC Pharmaserv Marburg - Rutronik Stars Keltern 85:88
(17:19, 23:21, 23:20, 22:28)

Marburg: Alexandra Wilke (23/4 Dreier), Marie Bertholdt (3/1), Alexandria Kiss-Rusk (17), Tonisha Baker (18), Stephanie Wagner (4/1), Theresa Simon (5/1), Hanna Reeh, Finja Schaake (9/1), Maria-Angelina Sola, Candice White (6/2).

Keltern: Shequila Joseph (4), Emmanuella Mayombo (12/1), Brittany Brown (5), Jasmine Thomas (23/3), Andrijana Cvitkovic (10), Brittany Dinkins (11/3), Milica Deura (4), Merike Anderson (5/1), Ilze Jakobsone (14/4). Zuschauer: 600.

Die aber kann die ärztliche Abteilung des BC nach der Begegnung noch nicht geben: „Es liegt wohl eine Verletzung im Außenbereich des Knies vor. Alles Weitere werden wir nach dem MRT am Montag erfahren.“ Die Begegnung bleibt bis zum Schluss hoch dramatisch. Marburg startet stark ins letzte Viertel, liegt nochmals mit fünf Punkten in Führung (65:50), aber Keltern lässt sich nicht abschütteln.

Unger: „Starke Partie auf hohem Niveau“

So entscheiden die letzten Sekunden. 81:81 steht es eine Minute vor dem Ende, 84:85 aus Marburger Sicht, als die Uhr noch 23 Sekunden anzeigt. Keltern behält die Nerven, Marburg versucht es mit taktischen Fouls. Als Kelterns Emmanuella Mayombo zwei Sekunden vor der Schlusssirene zwei Freiwürfe zum 88:85 verwandelt, ist die Entscheidung gefallen. „Es war eine starke Partie auf hohem Niveau und auf Augenhöhe, darauf lässt sich aufbauen“, sagt Unger. Und seinem Gegenüber, Kelterns Coach Christian Hergenröther, steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: „Marburg hat eine super Leistung abgeliefert, uns alles abverlangt. Allerdings wirkten wir nach einem harten Europacup-Spiel unter der Woche heute zwischenzeitlich etwas müde, konnten aber in der entscheidenden Phase
nochmals Druck entwickeln.“

Dieser Druck in den letzten Minuten ist auch für Wilke der Grund gewesen, dass es nicht ganz gereicht hat: „Zum Schluss hin haben wir teils zu überhastet, zu hektisch gespielt. Dadurch gab es zu viele leichte und unnötige Ballverluste. Allerdings nehmen wir unwahrscheinlich viel Positives mit“, sagte sie.

von Michael E. Schmidt