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Lokalsport Blue Dolphins sind weiter „im Flow“
Sport Lokalsport Lokalsport Blue Dolphins sind weiter „im Flow“
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00:19 18.10.2018
Marburgs Topscorerin Tonisha Baker (rechts) zieht an der Wasserburgerin Svenja Brunckhorst vorbei zum Korb. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Besonders gut waren die Blue Dolphins nicht bei ihren Würfen von außen. Und doch waren es die Dreier, die in der dramatischen Schlussphase die Partie zugunsten der Marburgerinnen entschieden. Fast das gesamte Spiel über führte der BC mit zehn Punkten oder mehr. Und dann drohte die Partie fünf Minuten vor dem Ende doch noch zu kippen.

„Ein bisschen nervös“ sei man schon geworden, gab Marburgs Aufbauspielerin Alexandra Wilke einen Einblick in das, was in den Köpfen der Spielerinnen los war. Schließlich ging es gegen den Meister der Jahre 2013 bis 2017 und gegen den hatten die Dolphins seit siebeneinhalb Jahren kein Heimspiel mehr gewonnen. „Aber es ist ja gut gegangen“, sagte Wilke erleichtert.

Bakers zweiter Dreier 
bringt die Entscheidung

Mit einer komfortablen 48:37-Führung waren die Gastgeber ins Schlussviertel gestartet – und plötzlich klappte nichts mehr von dem, was zuvor noch so gut war. Die Defensive ließ nach, offensiv wollte kaum noch ein Wurf fallen. Als dann Ashley Williams per Dreier auf 48:52 aus Wasserburger Sicht verkürzte und Marie Bertholdt bei einem Marburger Einwurf innerhalb der erlaubten fünf Sekunden keine Anspielstation fand, war die Nervosität in der Halle greifbar.

Auf dem Feld wurde es unruhig und auch die nur 375 Zuschauer, die bis dahin ihr Team famos unterstützt hatten, bangten um den Sieg. Dann versenkte Tonisha Baker 3:10 Minuten vor dem Ende einen Dreier zum 55:48 und die Anspannung löste sich mit lauten Jubelschreien.

Foto: Michael Hoffsteter

Die Entscheidung war das allerdings noch nicht, denn danach begann der offene Schlagabtausch. Williams verkürzte auf 50:55. BC-Centerspielerin Alex Kiss-Rusk – unter dem Korb mit ungewohnten Schwächen im Abschluss – erhöhte mit ihrem zweiten erfolgreichen Dreier. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir aufhören können zu spielen“, sagte Wilke.

Tatsächlich schlug Wasserburg erneut zurück. Svenja Brunckhorst, eine von drei deutschen Nationalspielerinnen im TSV-Trikot, traf von außen und als Jewel Tunstull erfolgreich war, führte Marburg 1:12 Minuten vor Schluss nur noch mit 58:55. „Es war ein schöner Sonntagabend-Krimi“, fasste Finja Schaake zusammen, die vor der Partie noch als BC-Rekordspielerin ausgezeichnet worden war und gegen Wasserburg ihren 233. Bundesliga-Einsatz hatte. „Beide Seiten haben mit viel Herz gespielt. Wir wollten es vielleicht auch mehr.“

Etwas Glück kam hinzu. Denn Bakers zweiter Dreier fiel vom Brett durch die Reuse – 61:55 bei weniger als einer Minute auf der Uhr. Doch wieder konterte Brunckhorst zum 58:61.

Einmal Pech und einmal Glück

Anschließend suchte Tonisha Baker mit einem weiteren Dreier die Entscheidung. Wieder Glück für die Dolphins, denn der Ball sprang von einem Wasserburger Oberschenkel ins Aus. Ballbesitz Marburg, Wasserburg musste foulen – und Baker, beim Sieg in Herne noch mit einer Platzwunde über dem Auge verletzt ausgeschieden, behielt zweimal von der Freiwurflinie die Nerven. 63:58, die letzten Punkte des dramatischen und intensiven Spitzenspiels.

„Ich schwitze wie Sau“, sagte ein sichtlich geschaffter BC-Trainer Patrick Unger, der „unglaublich stolz auf meine Mannschaft“ war, unmittelbar nach dem Spiel. Mit ein paar Minuten Abstand hörte sich das Lob dann so an: „Wir haben vielleicht nicht das meiste Talent im Team. Aber wir sind das Team, das am härtesten arbeitet.“

Unger: Viele Fouls durch Faulheit

Auch Alexandra Wilke hob den Kampfgeist hervor. Die 22-Jährige zeigte diese Einstellung selbst im dritten Viertel zweimal, als sie aggressiv zum Korb zog und traf, als sich Wasserburg anschickte, den Rückstand zu verkürzen. „Ich bin froh, dass ich der Mannschaft in dieser Phase helfen konnte“, sagte Wilke und schob artig hinterher: „Die Defensive ist aber für uns wichtiger – da hätte ich besser spielen können.“

Ihr Trainer wird diese Selbstkritik gerne hören. Unger versteht seinen Job schließlich auch darin, „die Bälle flach zu halten“. Zumal er noch viel Verbesserungspotenzial sieht in der Verteidigungsarbeit. So sei man in Foulprobleme geraten, „weil wir einfach faul sind und in zu vielen Situationen nicht die Beine bewegen, sondern die Hände“. Ungers Schlussfolgerung: „Wir sind noch lange nicht am Limit.“

TSV-Trainerin Parsons 
lobt Marburgs Defensive

Sollte das stimmen, werden das die anderen Vereine der Basketball-Bundesliga sicher nicht gerne hören. Denn insbesondere in den ersten drei Vierteln, nach denen der BC mit 48:37 führte, ließ Marburg die bis dato ebenfalls ungeschlagenen Wasserburgerinnen nicht zur Entfaltung kommen. „Marburg hat sehr viel Druck in der Defense gemacht“, sagte TSV-Trainerin Sidney Parsons. „Damit sind wir nicht klargekommen.“ In der Schlussphase habe die eigene Verteidigung sich dann falsch bewegt, so seien die letzten Treffer von Kiss-Rusk und Baker möglich gewesen. „Die zwei Dreier waren die Killer“, sagte Parsons.

„Wir werden den Sieg genießen“, kündigte Wilke an, die den Sieg über Wasserburg wie ihre Teamkollegin Marie Bertholdt „sehr geil“ fand. „Es war nicht alles perfekt“, räumte Bertholdt ein. „Aber wir haben zusammen gearbeitet und zusammen gekämpft.“ Man habe sich vorgenommen: „Wenn wir eine gute Mannschaft sein wollen, müssen wir auch ein Topteam schlagen.“ Die gute Mannschaft fährt nun nächste Woche zum Deutschen Meister nach Keltern – als Spitzenreiter. „Wir sind gerade im Flow. Den nehmen wir gerne mit“, sagte Finja Schaake.

von Holger Schmidt

Statistik

BC Pharmaserv Marburg – TSV Wasserburg 63:58

(17:15, 19:13, 12:9, 15:21)

Marburg: Wilke 6, Bertholdt 2 (6 Rebounds), Schaake 8, Yohn 9/1 Dreier (6 Reb.), Klug 6, Baker 16/2, Kiss-Rusk 8/2, Bradley 4 (6 Reb.), Wagner.

Wasserburg: Schlott 1 (8 Assists), Petrenaite, Jakovina 8, Perner, Hebecker 8, Fiebich 2, Williams 14/1, Brunckhorst 13/2 (8 Reb.), Tunstull 12.

Zuschauer: 375.