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Lokalsport Dolphins haben den längeren Atem
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16:47 19.03.2018
Tonisha Baker (rechts) steigt in dieser Szene aus dem Hinspiel gegen Samantha Hill (links) von den Angels Donau-Ries zum Wurf hoch. Die Marburgerin erzielte beim Auswärtssieg 13 Punkte. Quelle: Thorsten Richter
Nördlingen

„Der Sieg war ein bisschen glücklich.“ Darin waren sich die Trainer beider Mannschaften einig. Der gastgebende Tabellensechste aus Nördlingen führte fast 34 Minuten lang durchgehend. Dank eines 10:0-Laufs in den ersten sechs Minuten des Schlussakts zog der BC auf 57:54 vorbei. Nach sechs Zählern in Folge lagen die Gäste eine halbe Minute vor Schluss mit 63:57 vorne. Beim 63:60 mussten sie kurz zittern, legten aber drei Freiwürfe zum 66:60-Endstand nach. Um mit Marburg die Plätze zu tauschen, hätten die Angels aus dem Donau-Ries mit mehr als zwei Punkten Differenz gewinnen müssen.

Ein Schlüssel für den Erfolg des Pharmaserv-Teams war die nach der Halbzeitpause stark verbesserte Verteidigung. „Unser Trainer hat uns in der Kabine gut motiviert“, verriet Marburgs Topscorerin Tonisha Baker (13 Punkte). „Wir waren dann in der Defense aggressiver und haben auch den Korb mehr attackiert als vorher.“ Für Marburg zweistellig punkteten außer Baker noch Svenja Greunke und Diana Voynova, die zusätzlich zehn Abpraller sicherte.

Verletzung auf beiden Seiten

Ein Faktor für den Ausgang der Partie war auch der Ausfall der stärksten Donau-Rieserin. Kimberley Pierre-Louis – immer für zweistellige Werte bei Punkten und Rebounds gut – knickte kurz vor dem Seitenwechsel um. „Bänderriss“, fürchtet ihr Trainer Patrick Bär. „Ich weiß nicht, ob wir mit ihr gewonnen hätten, aber uns haben danach ihre Rebounds und Optionen auf den Innenpositionen gefehlt“, sagte der Coach. Dennoch baute seine Mannschaft vom Halbzeitstand 39:35 den Vorsprung auf 54:47 nach 30 Minuten aus. „Das müssen wir besser zu Ende bringen“, monierte Bär.

Auch Marburg hatte einen Ausfall zu beklagen: Im zweiten Viertel stieß Katlyn Yohn mit einer Gegnerin zusammen. BC-Coach Patrick Unger sprach von „Verdacht auf Gehirnerschütterung“ und setzte seine gefährlichste Distanzschützin in Hälfte zwei nicht mehr ein.

Mit entscheidend war, dass Würfe der Nördlingerinnen, die in den ersten drei Vierteln noch durch die Reuse geflutscht waren, nun danebengingen. Das war auch der BC-Verteidigung geschuldet. Samantha Hill erzielte in der ersten Hälfte elf Punkte, danach keinen mehr. Und auch Jennifer Schlott bewahrte ihre Treffsicherheit nicht bis Spielende: Nach 13 Punkten in den ersten drei Durchgängen folgten nur noch drei. Dadurch machte sich Marburgs Überlegenheit im Rebound bezahlt (40:32). Und wenn die Lahnstädterinnen nicht 10 ihrer 24 Freiwürfe vergeben hätten, wäre die Partie früher entschieden gewesen.

Wiederauflage des 2017er Viertelfinals

Am Ende zahlte sich auch die internationale Erfahrung des BC-Teams aus. „Wir haben die Härte, die die Schiedsrichter zugelassen haben, angenommen. Wir haben besser verteidigt und hatten ein paar schlaue Rotationen“, sagte Unger. Sein Gegenüber sah das genau so: „Es war ein unglaublich physisches Spiel mit viel Tempo. Am Ende hat Marburg besser erkannt, was die Schiedsrichter durchgehen lassen. Wir dagegen haben den Rhythmus verloren.“

Im Playoff-Viertelfinale trifft Marburg als Tabellenfünfter auf den Vierten, die Fireballs Bad Aibling. Es ist eine Neuauflage der ersten Runde aus dem Vorjahr: Damals gewann Marburg 2:1, allerdings mit Heimvorteil.

Die Serie nach dem Modus „best of three“ beginnt am Osterwochenende (wahrscheinlich am Samstag, 31. März) in Bad Aibling. Die zweite Partie findet am Freitag, 6. April, in Marburg statt. Sollten beide Mannschaften je ein Spiel gewinnen, darf der Tabellenvierte aus Oberbayern am Sonntag, 8. April, das Entscheidungsspiel ausrichten.

von Marcus Richter

Statistik

Angels Donau-Ries – BC Pharmaserv Marburg 60:66 
(21:19, 18:16, 15:12, 6:19).

Donau-Ries: La. Geiselsöder 4 Punkte, Lu.Geiselsöder 6, Hill 11/1 Dreier, Högg 6, Mäkitalo 5/1, Obanor, K.Pierre-Louis 8 (7 Rebounds), Racic 4, Schlott 16 (4 Assists).

Marburg: Baker 13/1 (6 Reb.), Bertholdt 1, Bradley 7/1, Greunke 10, Schaake 8/1, Voynova 10 (10 Reb.), Wagner 5/1, Wilke 6, Yohn 6.

Zuschauer: 800. 

Playoffs

Die letzten Entscheidungen in der Hauptrunde der Frauen-Bundesliga sind gefallen. So bekommen es die Rutronik Stars Keltern als Erster im Playoff-Viertelfinale mit dem Liga-Achten Chemcats Chemnitz zu tun. Abonnementmeister TSV Wasserburg geht nur als Zweiter in die K.o.-Runde und misst sich mit TK Hannover.

Viertelfinale:
Rutronik Stars Keltern (Platz 1) – Chemcats Chemnitz (8)
TSV 1880 Wasserburg (2) – TK Hannover (7)
Herner TC (3) – Angels Donau-Ries (6)
Bad Aibling Fireballs (4) – BC Pharmaserv Marburg (5).

Termine:
Spiel 1: 31. März bis 2. April
Spiel 2: Freitag, 6. April
Spiel 3: Sonntag, 8. April (falls nötig).

Im Halbfinale spielen:
Sieger Keltern/Chemnitz  – Sieger Bad Aibling/Marburg
Sieger Wasserburg/Hannover – Sieger Herne/Donau-Ries. 

Abstieg

Dramatisch war es im Abstiegskampf. Da schafften es die Veilchen Ladies Göttingen durch einen überraschenden 68:57-Erfolg über die Fireballs Bad Aibling, Marburgs Playoff-Gegner also, die Klasse zu halten. Entscheidend war neben dem eigenen Sieg auch die Niederlage von Aufsteiger USC Heidelberg, der nach einem Jahr wieder in die Zweitklassigkeit zurückkehren muss. Die Heidelbergerinnen verloren mit 65:69 bei den Halle Lions – die als erster Absteiger schon vor dem letzten Spieltag festgestanden hatten und zum Abschluss ihren ersten Sieg in der Rückrunde holten. „Die Mannschaft war wie blockiert und supernervös“, sagte USC-Trainer Dennis Czygan.