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00:17 31.03.2019
Der Basketball-Club Marburg will sich neu aufstellen und hat die Zusammenarbeit mit dem TSV Grünberg gekündigt. Quelle: Nikola Ohlen
Marburg

Oliver Pohland hält sich bedeckt. „Wir beschäftigen uns mit einer sportlichen Neuaufstellung“, sagt der Vorsitzende des BC Marburg nur. „Das betrifft eine ganze Reihe von Feldern, auch die Kooperation. Das war keine Entscheidung gegen Grünberg.“

Beim ehemaligen Kooperationspartner kam das anders rüber. Überrascht hatte der TSV, dessen Bender Baskets in der 2. Frauen-Bundesliga spielen, ein kurzes Schreiben zur Kenntnis genommen, in dem der BC die Zusammenarbeit aufkündigte.

„Es war eine Kooperation, von der alle profitiert haben. Es war eine sogenannte Win-Win-Situation“, wird Otto Klockemann, der stellvertretende Leiter der TSV-Basketballabteilung, in der „Gießener Allgemeinen“ zitiert. Es herrsche kein Groll gegenüber Marburg, wohl aber Unverständnis.

Über die Beweggründe macht Pohland auch auf konkrete Nachfragen nur vage Andeutungen. Plant der BC Marburg einen eigenen Unterbau in der zweiten Liga für die Blue Dolphins? „Das ist Teil der Debatte, die wir führen“, sagt Pohland und deutet Interesse an: „Da ist ja noch ein bisschen Platz.“ In der Südstaffel spielen in dieser Saison nur neun Teams, im Norden sind es elf.

BC prüft, eigenes WNBL-Team aufzubauen

Besiegelt ist auf jeden Fall das Ende der Nachwuchsmannschaft in der WNBL, der U-18-Bundesliga also. Als Team Mittelhessen gingen dort die Talente aus Marburg und Grünberg gemeinsam auf Korbjagd. „Wir prüfen das sehr ernsthaft“, sagt Oliver Pohland auf die Frage, ob der BC nun ein eigenes Team ins Rennen schicken wird.

Konkreter will der Vorsitzende erst werden, wenn Gespräche mit dem Hessischen Basketball-Verband (HBV), dem Deutschen Basketball-Bund (DBB) und der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) geführt sind. Der BC und Vertreter der drei Verbände wollen sich im April gemeinsam an einem Tisch setzen. Danach stünden noch interne Gespräch an, führt Pohland aus.

Landestrainer bedauert Marburgs Schritt

BC-Cheftrainer Patrick Unger („Ich muss mir noch ein Bild darüber machen“) und Matthias Alver, Coach der Regionalliga-Reserve, wollten das Ende der Kooperation nicht kommentieren. Frank Arnold, seit 13 Jahren beim Marburger Mädchen-Basketball-Leistungszentrum (MBLZ) angestellt und in dieser Saison Trainer des Teams Mittelhessen, bedauert den Schritt: „Perspektivisch ist es für beide Standorte schwierig, eine starke Mannschaft aufzustellen.“ Wie es für ihn weitergehe, sei noch offen. Fest steht: „Ich werde die WNBL nicht machen.“

Auch HBV-Landestrainer Eberhard Spissinger „hätte es gut gefunden, wenn man die Kräfte bündelt. Das Team Mittelhessen war für mich definitiv ein Erfolgsmodell.“ HBV-Präsident Michael Rüspeler war von der Aufkündigung des Kooperationsvertrags überrascht: „Wir müssen uns als HBV der Situation stellen. Schade, dass man nicht vorher miteinander gesprochen hat.“

Mali Sola kämpfte sich in Grünberg zurück

Beendet ist auch die Zusammenarbeit zwischen dem BC Marburg und dem Grünberger Basketball Teil- und Vollzeitinternat (BTI), dessen sportliche Leitung René Spandauw innehat. Für den langjährigen Bundesligatrainer bedeutet die BC-Entscheidung, „dass wir weitermachen werden und Marburg nicht mehr von unserer Arbeit profitiert. Ich finde es schade, dass eine Zusammenarbeit beendet wird, die so viel gebracht hat.“ Spandauw verweist auf Mali Sola, die nach ihrer schweren Verletzung durch Training und Spielpraxis in Grünberg wieder Anschluss an das Marburger Erstliga-Team gefunden habe.

Möglich, dass es bald ein Gegengewicht zum BTI gibt. „Ein Internat ist auch Teil dessen, was wir ernsthaft besprechen“, sagt Oliver Pohland, der den Standort Marburg allein aufgrund der Bundesligazugehörigkeit als „klares Aushängeschild für die Region“ sieht.

von Holger Schmidt