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10:59 31.05.2022
Wechselt von Zweitligist Grünberg zum BC Pharmaserv: Lena Dziuba (links; hier in einem Spiel gegen Osnabrück II).
Wechselt von Zweitligist Grünberg zum BC Pharmaserv: Lena Dziuba (links; hier in einem Spiel gegen Osnabrück II). Quelle: Oliver Vogler
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Marburg

Die Sommerpause ist in dieser Saison noch ein bisschen länger als gewohnt: Erst Mitte Oktober, so sieht es der vorläufige Rahmenterminplan vor, soll die neue Spielzeit in der Basketball-Bundesliga der Frauen beginnen. Die Verantwortlichen des BC Pharmaserv Marburg arbeiten dennoch mit Hochdruck an der Zusammenstellung des Kaders. Einzelne Baustellen gibt es noch.

Der personelle Umbruch fällt für Marburger Verhältnisse sehr groß aus. Lücken, die etwa Alex Wilke, die sich beim BC zu einer der besten Aufbauspielerinnen Deutschlands entwickelt hat, und Rachel Arthur – beide zieht es nach Keltern – hinterlassen haben, werden nicht einfach zu füllen sein. Rund um die Nationalspielerinnen Marie Bertholdt und Theresa Simon wird das neue Team aufgebaut. Aus dem bisherigen Kader der Blue Dolphins bleiben außerdem Jasmin Weyell und Selma Yesilova, die auch künftig sowohl im Erstliga- wie auch im Zweitliga-Team eingesetzt werden könnten, und Routinier Tonisha Baker sicher beim BC.

Neue Centerin wird wohl aus den USA kommen

Trainer Patrick Unger spricht von einem „Puzzle“, erklärt: „Wir verpflichten nicht nur einzelne Spielerinnen, sondern wir stellen ein Team zusammen.“ Sowohl sportlich als auch menschlich solle es „passen“ – das war in den vergangenen Jahren stets eine große Marburger Stärke. Und es wird ein Fokus auf Basketballerinnen gelegt, die sich weiterentwickeln können und wollen: „Das wollen wir ihnen ermöglichen, damit werben wir auch“, sagt Unger. Finanziell, „das merken wir in Gesprächen immer häufiger“, könne der BC mit einigen Konkurrenten nicht mithalten. „Deshalb ist es so wichtig, dass jedes Puzzleteil passt.“

Eines dieser Puzzleteile ist in Lena Dziuba gefunden worden. Die 19-Jährige wechselt von Zweitligist Baskets Grünberg nach Marburg, wo sie zum Erstliga-Kader gehören, aber auch in der zweiten Liga eingesetzt werden soll. Sie habe sich für den BC entschieden, weil sie glaube, „hier am besten den nächsten Schritt machen zu können“, wird die aktuelle U-20-Nationalspielerin, die aus Halle an der Saale stammt, in einer Vereinsmitteilung zitiert. Unger ist davon überzeugt, dass ihr dies gelingen, sie sich in Marburg zu einer „kompletten Spielerin“ entwickeln kann. In der vergangenen Spielzeit kam die Flügelspielerin in Grünberg auf durchschnittlich 22 Minuten Einsatzzeit, 7,8 Punkte und 5,3 Rebounds.

Bundesliga wahrscheinlich mit nur elf Teams

Nachdem in der vergangenen Saison 14 Mannschaften in der höchsten deutschen Frauen-Spielklasse aktiv gewesen sind, wird die Bundesliga in der neuen Spielzeit voraussichtlich aus nur elf Teams bestehen. Eine Rückkehr zur Zwölfer-Liga war ohnehin geplant, nachdem 2021 coronabedingt der Abstieg ausgesetzt und auf 14 Mannschaften aufgestockt worden war, weshalb es zuletzt vier Absteiger gab: Bascats Düsseldorf, Veilchen Göttingen, Bascats Heidelberg und Ex-Meister TSV Wasserburg. Aus der zweiten Liga haben sich zwar Alba Berlin und Falcons Bad Homburg qualifiziert, Bad Homburg verzichtet dem Vernehmen nach aber wohl auf den Startplatz in der höchsten Spielklasse, den nach aktuellem Stand auch keiner der Erstliga-Absteiger einnehmen will. Voraussichtlich steigt daher in der nächsten Saison nur eine Mannschaft ab.

Dziuba ist bereits die zweite Spielerin, die aus Grünberg nach Marburg kommt. Zuvor hatte der BC die Finnin Venla Varis, die ebenfalls auf dem Flügel spielt, verpflichtet. Bekannt war außerdem bereits, dass Michaela VanderKlugt, die an der Concordia University im kalifornischen Irvine akiv gewesen war, unter Vertrag genommen wird. Die US-Amerikanerin kann zwar auf der Center-Position spielen, ist aber vor allem für die „Vier“ vorgesehen, soll von außen werfen und zum Korb ziehen.

Unger plant noch mit bis zu fünf weiteren Zugängen: Potenzielle Starterinnen für die „Eins“ und die „Zwei“ stünden kurz vor einer Verpflichtung, teilt der Trainer mit. Es handelt sich um Spielerinnen aus dem EU-Ausland, wie Vorstand Stefan Gnau bestätigt. Beide gelten somit – anders als VanderKlugt und Baker – nicht als „A-Ausländerinnen“, von denen pro Partie nur drei eingesetzt werden dürfen. Größte „Baustelle“ ist die Suche nach einer neuen Centerin, die voraussichtlich ebenfalls aus den USA kommen wird, den dritten „Spot“ einnehmen würde. Europäische Spielerinnen mit entsprechender Qualität seien „kaum zu bezahlen“, sagt Gnau offen.

Für die „Drei“ hofft Unger auf die Zusage einer Spielerin, mit der er seit einiger Zeit in Kontakt steht. Zudem wünscht sich der Trainer, der nach zweijährigem Engagement bei den Gießen 46ers wieder nach Marburg zurückgekehrt ist und beim BC einen unbefristeten Vertrag unterschrieben hat, noch ein Backup für die Aufbauposition.

Individuelles Training und lockere Einheiten mit mehreren Spielerinnen laufen auch während der Sommerpause. Der Start der intensiven Vorbereitung ist erst für Ende August geplant, was am späten Saisonstart liegt. Grund dafür ist der World Cup im September, für den das deutsche Nationalteam zwar nicht qualifiziert ist, auf den mit Blick auf einzelne Spielerinnen der Bundesligisten aber trotzdem Rücksicht genommen wird.

Von Stefan Weisbrod