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Lokalsport TSV Michelbach geht ohne Druck in die Saison
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17:58 27.08.2020
Stephane Ezuoa Kouame im Laufduell gegen Wetters Calvin Weide (links). Nach dem zweiten Aufstieg in Folge spielt der TSV Michelbach in der neuen Saison in der Verbandsliga. Quelle: Fotos: Thorsten Richter
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Michelbach

Vor 15 Monaten kämpfte der TSV Michelbach in der Kreisoberliga noch um die Meisterschaft – künftig spielt das Team des Trainerduos Kai Ranke und Christoph Weidenhausen in der Verbandsliga. Und würde dort gern bleiben.

Der Rückblick: Nach dem Aufstieg im Sommer 2019 wollte der TSV in der Gruppenliga ordentlich mitspielen, nicht nach ganz unten gucken müssen. Er spielte mehr als ordentlich mit, hatte beim Blick nach unten letztlich die gesamte Konkurrenz vor Augen. Mit 2,14 Punkten pro Spiel im Schnitt gelang als Meister der Durchmarsch – allerdings war nicht alles meisterlich: Einzelne Spiele waren „gar nichts“, wie es Ranke formuliert, insgesamt präsentierte sich die Defensive hin und wieder anfällig. Mit 61 erzielten Toren kaschierte die Mannschaft die mit 38 (im Schnitt mehr als 1,7 pro ausgetragener Partie) für ein Spitzenteam sehr vielen Gegentreffer.

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Die Veränderungen: Der Kapitän der Aufstiegsmannschaft ist nicht mehr dabei: Alexander Lauer hat den Verein aus privaten Gründen verlassen, er arbeitet nach Abschluss seines Referendariats nun als Lehrer in Rostock – und hinterlässt „sportlich und menschlich eine große Lücke bei uns“, sagt Ranke.

In Gabriel Almeida da Silva hat der Verein kurzfristig einen Mittelfeldspieler von Kreisoberligist SG Treis/Allendorf verpflichtet, „der ein ähnlicher Spielertyp wie Alex Lauer ist“, berichtet Ranke und beschreibt den Brasilianer als „technisch starken und läuferisch guten Kreativspieler, der auch im zentralen Mittelfeld agieren kann“. Auch Jonas Braun (VfB Wetter) kann im Zentrum spielen, kommt aber ebenso für die Innenverteidigung infrage.

Für die Defensive wurden zudem zwei Routiniers verpflichtet: Der 33-jährige Mehmet Akci (SG Waldsolms) hat bereits für mehrere Vereine in der Verbandsliga gespielt. „Er sucht noch einmal die Herausforderung und wird uns mit seiner Erfahrung helfen“, ist Ranke überzeugt. Ähnliches sagt er über den 34-jährigen Michael Rübe (BSF Richtsberg): „Er ist für uns eine absolute Verstärkung. Er gibt in jedem Training Vollgas und könnte vor allem mit seiner Physis ganz wertvoll werden.“

Florian Giel soll nach verletzungsbedingter Pause zunächst wieder aufgebaut werden, Max Schneidmüller (beide ebenfalls aus Wetter) ist ein körperlich starker Spieler, der den Konkurrenzkampf auf den Außenpositionen beleben soll. Moritz Gieße (VfL Biedenkopf) kommt mit seinem starken linken Fuß vor allem fürs linke Mittelfeld infrage. Die Japaner Kodo Kiyabu (Tenri-Universität) und Shunsuke Yoshimine (Universität Osaka) sind technisch gut ausgebildet, beide sind zentrale Mittelfeldspieler. Der schnelle und taktisch starke Noel Sandtusch kommt vom FC Ederbergland. Zudem wurde Sascha Ehlich (SG Lahnfels) als zweiter Torwart geholt.

Ranke macht keinen Hehl daraus, dass er den „ein oder anderen weiteren Spieler auch gern in Michelbach gesehen“ hätte. „Wir können finanziell mit vielen anderen Vereinen nicht mithalten. Für unsere Möglichkeiten bin ich daher mit dem Kader zufrieden“, betont er. „Wir sind jetzt breiter aufgestellt, das ist für die harte Saison mit 38 Spielen aber auch nötig.“

Die Taktik: Das TSV-Team wird deutlich defensiver agieren als zuletzt. „Es kommt eine ganz andere Qualität auf uns zu“, macht Ranke deutlich und mahnt: „Fehler, wie wir sie in der Gruppenliga gemacht haben, können wir uns in der Verbandsliga nicht leisten.“ Was aus dem zuletzt meist praktizierten 4-2-3-1-System wird, ist noch offen. Ein Ziel sei es, flexibler zu werden, sagt der 41-Jährige. „Wir dürfen nicht leicht ausrechenbar sein, müssen dafür verschiedene Systeme spielen können. Daran arbeiten wir in der Vorbereitung.“

Das Ziel: „In dieser Liga“, sagt Ranke, „wäre der Klassenerhalt mit unseren Möglichkeiten wie eine Meisterschaft.“ Der sei natürlich das Ziel, „aber wir haben keinen Druck. Wir wollen es schaffen, aber wir müssen es nicht schaffen. Das ist anders als vor zwei Jahren, als wir als klarer Favorit in die Kreisoberliga-Saison gegangen sind.“

Und sonst? Vor 15 Jahren hieß die heutige Verbandsliga noch Landesliga. Daniel Steuernagel, später Chefcoach bei Kickers Offenbach und dem KFC Uerdingen, agierte am 5. Juni 2005 als Libero bei den Michelbachern, wurde dann von Trainer Horst Prenzer ins Mittelfeld vorgezogen. Nach einer Stunde Spielzeit erzielte der damals 25-Jährige den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer. Letztlich ging die Partie beim RSV Würges mit 1:2 verloren. Es war das bislang letzte Spiel des Marburger Stadtteilclubs in der zweithöchsten hessischen Spielklasse. Am 4. September gibt’s das Comeback: Dann gastiert der TSV im Derby beim VfB Marburg.

Von Stefan Weisbrod